Spekulation um Opel-Jobs Zwei Jahre Gnadenfrist für Tausende Opelaner?

Weil es teurer sei, deutsche Opel-Werke statt britischer Vauxhall-Werke zu schließen, könnte Opel beim Verkauf an Peugeot mit einem blauen Auge davonkommen, heißt es. Experten halten den Jobkahlschlag allenfalls für aufgeschoben. Mehr Klarheit könnte der Donnerstag bringen.
Gehen Sie wieder auf die Straße? Schon im Jahr 2009 bangten Beschäftigte um ihre Jobs

Gehen Sie wieder auf die Straße? Schon im Jahr 2009 bangten Beschäftigte um ihre Jobs

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Opel und Peugeot: Was die wichtigsten Akteure wollen

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Das Jahr 2019 ist noch weit weg, möchte man meinen. Bis zu Beginn dieses Jahres nämlich genießen Opel-Beschäftigte in Deutschland eine Beschäftigungsgarantie, ausgehandelt zwischen General Motors und der IG Metall. Doch was ist so eine Garantie bei einer Übernahme noch wert? Wird sich der potentielle Käufer Peugeot daran halten?

Verbindliche Job- oder Standortgarantien hat Peugeot bislang nicht gegeben. Überhaupt halten sich die Franzosen mit Aussagen zu dem geplanten Deal bislang zurück. "Es gibt aber erste konstruktive Signale", sagt Wirtschaftsstaatssekretär und Unterhändler für die deutschen Interessen, Matthias Machnig. Die Angst vor einem Jobverlust in den drei deutschen Werken sowie auch bei der britischen Schwester Vauxhall dürfte das kaum lindern.

Am Dienstag versuchte der Opel-Betriebsrat, die Beschäftigten zu beruhigen. Das gemeinsame Ziel sei das Wiedererstarken des Unternehmens, erklärten IG Metall Chef Jörg Hofmann und Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug nach einem Treffen mit PSA-Chef Carlos Tavares. Der Manager selbst erklärte laut PSA-Mitteilung: "Als ein Vorreiter des konstruktiven Dialogs in Frankreich, passt die PSA Group bereits heute wie angegossen zu der deutschen Mitbestimmung."

Opel-Marketing-Chef im Video: "Verkauf generiert substanzielle Synergien"

Opel betreibt in Europa zehn Produktionswerke und drei Entwicklungszentren in sieben Ländern mit rund 38.000 Beschäftigten. Knapp die Hälfte davon arbeitet in Deutschland. Größter Standort ist Rüsselsheim mit etwa 15.000 Mitarbeitern, rund 7700 davon sind im Forschungs- und Entwicklungszentrum tätig. Nur gut 4000 Leute bauen in Rüsselsheim die Modelle Insignia und Zafira.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer geht trotz der beruhigenden Worte von Tavares davon aus, dass für den Peugeot-Chef ein Stellenabbau der entscheidende Kostenhebel ist. Deshalb rechnet der Chef des CAR-Center an der Uni Duisburg-Essen damit, dass bei der Übernahme jeder dritte der rund 19.000 Opel-Jobs verloren gehe. Die Beschäftigungsgarantie bis Ende 2018 werde den Jobabbau lediglich aufschieben. "2018 kann es mit den Abfindungen losgehen", hängt sich Dudenhöffer mit seiner Prognose bereits sehr früh und weit aus dem Fenster.

1,9 Milliarden Euro Kostenersparnis jährlich - aber wo und wie?

Analysten von Moody's erwarten mit der Übernahme "substanzielle Synergieffekte". Im günstigsten Fall bedeutet dies aus Sicht der Arbeitnehmer, dass ein Unternehmen zum Beispiel durch seine vergrößerte Einkaufsmacht Kosten einspart. Damit allein dürften sich 1,9 Milliarden Euro Kostenersparnis pro Jahr, wie sie die britische Bank Barclays für den Übernahmefall errechnet hat, vermutlich aber kaum einspielen lassen.

Dann also doch die Modellpalette bereinigen und Werke schließen?

In den Hauptstädten London und Berlin fiebert man ersten substantiellen Statements zu dem Deal durch PSA-Chef Tavares mit Unruhe entgegen. Zwar haben beide Regierungen faktisch nichts zu bestimmen bei dem geplanten Verkauf. Gleichwohl ist das Vorhaben aus zwei Gründen längst zum Politikum geworden:

Zum einen, weil der deutsche Steuerzahler im Jahr 2009 im Verlauf der GM-Pleite Opel mit einem Milliardenkredit aus der Schusslinie nahm. Zum anderen stehen in Deutschland in diesem Jahr drei Landtagswahlen und die Bundestagswahl an. Massenentlassungen in einer deutschen Schlüsselindustrie auch noch durch einen neuen ausländischen Eigentümer sind da dem Wähler nur schwer bis gar nicht zu vermitteln.

Opel soll Peugeot nur 2 Milliarden Dollar wert sein

Premierministerin Theresa May und Bundeskanzlerin Angela Merkel jedenfalls ließen sich fortwährend über den Stand der Dinge unterrichten, versichern Sprecher beider Regierungen am Montag. May werde noch diese Woche mit Peugeot-Chef Tavares sprechen und wolle die Interessen der heimischen Werke mit allen Mitteln verteidigen, heißt es. Vauxhall beschäftigt in Ellesmere Port (Astra) und in Luton (Vivaro) zusammen rund 3400 Mitarbeiter.

Britische Analysten glauben, dass die Werke auf der Insel stärker von einer Schließung bedroht seien, weil es ungleich teurer wäre, deutsche Standorte zu schließen.

Schließung deutscher Standorte angeblich deutlich teurer

Bei einer Übernahme gelten in Deutschland nach ersten Expertenmeinungen das Komponentenwerk Kaiserslautern und das Kleinwagenwerk (Corsa/Adam) in Eisenach als gefährdet. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann, der bei einem Verkauf seinen Job wohl behalten soll, hatte vergangene Woche quasi in vorauseilendem Gehorsam den anstehenden Eigentümerwechsel als "prinzipiell sinnvoll" bezeichnet. "Hier eröffnet sich die Chance, einen europäischen Champion zu schaffen", versuchte Neumann Optimismus in einem Brief an die Belegschaft zu verbreiten.

Opel soll Peugeot nur 2 Milliarden Dollar wert sein

Die Frage, zu welchem Preis Peugeot Opel letztlich erwerben wird, dürfte auch von möglichen Zusagen abhängen. Insofern sind kolportierte Zahlen über den Kaufpreis mit Vorsicht zu genießen. Bloomberg berichtete Ende vergangener Woche unter Berufung auf informierte Kreise, dass sich bei dem angestrebten Deal eine Bewertung von 2 Milliarden Dollar für Opel abzeichne. Etwa die Hälfte davon könne PSA in bar und bezahlen und zudem etwa 1 Milliarde Dollar Schulden übernehmen.

Nicht unbedeutend für den Kaufpreis dürfte auch die Frage sein, welche Pensionslasten sich Peugeot mit dem Kauf der Europa-Tochter in die Bücher holt. Allein für den britischen Ableger Vauxhall sollen sie laut Reuters umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro betragen, für Opel sogar bei 4,6 Milliarden Euro. Muss Peugeot die Lasten komplett von GM übernehmen, könnte der Stellenabbau noch größer ausfallen, sagen Insider.

Die Gespräche zwischen GM und Peugeot sind offenbar schon sehr weit gediehen. Deutsche Sonntagszeitungen berichteten, spätestens bis zu Beginn des Genfer Autosalons in gut zwei Wochen sollen die Verträge unterzeichnet sein. Schon am Donnerstag zur Bilanzpressekonferenz könnte PSA-Chef Tavares die Eckpunkte für die angestrebte Übernahme des Traditionskonzerns vorgelegen.

Dann könnte das Zittern wohl erst richtig losgehen.

mit Nachrichtenagenturen
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