Samstag, 28. März 2020

Spekulation um Opel-Jobs Zwei Jahre Gnadenfrist für Tausende Opelaner?

Gehen Sie wieder auf die Straße? Schon im Jahr 2009 bangten Beschäftigte um ihre Jobs

Weil es teurer sei, deutsche Opel-Werke statt britischer Vauxhall-Werke zu schließen, könnte Opel beim Verkauf an Peugeot mit einem blauen Auge davonkommen, heißt es. Experten halten den Jobkahlschlag allenfalls für aufgeschoben. Mehr Klarheit könnte der Donnerstag bringen.

Das Jahr 2019 ist noch weit weg, möchte man meinen. Bis zu Beginn dieses Jahres nämlich genießen Opel-Beschäftigte in Deutschland eine Beschäftigungsgarantie, ausgehandelt zwischen General Motors und der IG Metall. Doch was ist so eine Garantie bei einer Übernahme noch wert? Wird sich der potentielle Käufer Peugeot daran halten?

Verbindliche Job- oder Standortgarantien hat Peugeot bislang nicht gegeben. Überhaupt halten sich die Franzosen mit Aussagen zu dem geplanten Deal bislang zurück. "Es gibt aber erste konstruktive Signale", sagt Wirtschaftsstaatssekretär und Unterhändler für die deutschen Interessen, Matthias Machnig. Die Angst vor einem Jobverlust in den drei deutschen Werken sowie auch bei der britischen Schwester Vauxhall dürfte das kaum lindern.

Am Dienstag versuchte der Opel-Betriebsrat, die Beschäftigten zu beruhigen. Das gemeinsame Ziel sei das Wiedererstarken des Unternehmens, erklärten IG Metall Chef Jörg Hofmann und Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug nach einem Treffen mit PSA-Chef Carlos Tavares. Der Manager selbst erklärte laut PSA-Mitteilung: "Als ein Vorreiter des konstruktiven Dialogs in Frankreich, passt die PSA Group bereits heute wie angegossen zu der deutschen Mitbestimmung."

Opel-Marketing-Chef im Video: "Verkauf generiert substanzielle Synergien"

Opel betreibt in Europa zehn Produktionswerke und drei Entwicklungszentren in sieben Ländern mit rund 38.000 Beschäftigten. Knapp die Hälfte davon arbeitet in Deutschland. Größter Standort ist Rüsselsheim mit etwa 15.000 Mitarbeitern, rund 7700 davon sind im Forschungs- und Entwicklungszentrum tätig. Nur gut 4000 Leute bauen in Rüsselsheim die Modelle Insignia und Zafira.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer geht trotz der beruhigenden Worte von Tavares davon aus, dass für den Peugeot-Chef ein Stellenabbau der entscheidende Kostenhebel ist. Deshalb rechnet der Chef des CAR-Center an der Uni Duisburg-Essen damit, dass bei der Übernahme jeder dritte der rund 19.000 Opel-Jobs verloren gehe. Die Beschäftigungsgarantie bis Ende 2018 werde den Jobabbau lediglich aufschieben. "2018 kann es mit den Abfindungen losgehen", hängt sich Dudenhöffer mit seiner Prognose bereits sehr früh und weit aus dem Fenster.

1,9 Milliarden Euro Kostenersparnis jährlich - aber wo und wie?

Analysten von Moody's erwarten mit der Übernahme "substanzielle Synergieffekte". Im günstigsten Fall bedeutet dies aus Sicht der Arbeitnehmer, dass ein Unternehmen zum Beispiel durch seine vergrößerte Einkaufsmacht Kosten einspart. Damit allein dürften sich 1,9 Milliarden Euro Kostenersparnis pro Jahr, wie sie die britische Bank Barclays für den Übernahmefall errechnet hat, vermutlich aber kaum einspielen lassen.

Dann also doch die Modellpalette bereinigen und Werke schließen?

In den Hauptstädten London und Berlin fiebert man ersten substantiellen Statements zu dem Deal durch PSA-Chef Tavares mit Unruhe entgegen. Zwar haben beide Regierungen faktisch nichts zu bestimmen bei dem geplanten Verkauf. Gleichwohl ist das Vorhaben aus zwei Gründen längst zum Politikum geworden:

Zum einen, weil der deutsche Steuerzahler im Jahr 2009 im Verlauf der GM-Pleite Opel mit einem Milliardenkredit aus der Schusslinie nahm. Zum anderen stehen in Deutschland in diesem Jahr drei Landtagswahlen und die Bundestagswahl an. Massenentlassungen in einer deutschen Schlüsselindustrie auch noch durch einen neuen ausländischen Eigentümer sind da dem Wähler nur schwer bis gar nicht zu vermitteln.

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