Chipmangel Opel schließt Werk in Eisenach bis Jahresende

Immer wieder stehen die Bänder deutscher Autobauer wegen fehlender Teile still. Die Stellantis-Tochter Opel spricht von einer "Ausnahmesituation" und macht nun kurzfristig sogar ein ganzes Werk dicht.
Traurige Premiere: So lange wie das Opel-Werk in Eisenach musste bisher noch keine der Autofabriken in Deutschland schließen

Traurige Premiere: So lange wie das Opel-Werk in Eisenach musste bisher noch keine der Autofabriken in Deutschland schließen

Foto: Martin Schutt/zb/dpa

Der Autobauer Opel schließt sein Werk in Eisenach wegen Lieferengpässen bei wichtigen Bauteilen von kommender Woche an vorerst bis zum Jahresende. "Die globale Automobilindustrie befindet sich aufgrund der anhaltenden Pandemie und einem weltweiten Mangel an Halbleitern in einer Ausnahmesituation. In dieser anspruchsvollen und unsicheren Lage plant Stellantis, Anpassungen der Produktion vorzunehmen", begründete ein Sprecher des zum europäischen Großkonzern Stellantis gehörenden Herstellers am Donnerstag den Schritt. Zuerst hatte die "Automobilwoche" darüber berichtet.

Opel produziert in Eisenach den Geländewagen Grandland in der Verbrenner- und Hybridversion. Betroffen von der vorübergehenden Schließung des Werks in Thüringen sind 1300 Mitarbeiter. "Für die Beschäftigten ist Kurzarbeit vorgesehen, um die Maßnahme sozial verträglich zu gestalten." Ein Teil der Produktion werde in der Zwischenzeit vorübergehend ins Werk Sochaux nach Frankreich ausgelagert.

Wie viele Fahrzeuge durch den monatelangen Stillstand nun nicht vom Band rollen werden, lasse sich schwer abschätzen, da die Produktion wegen Lieferengpässen und langen Lieferzeiten ohnehin bereits reduziert gewesen sei. Die gesamte Automobilindustrie hat seit einiger Zeit mit Lieferschwierigkeiten bei Halbleitern zu kämpfen.

Ein konkretes Datum für die Wiederaufnahme der Produktion in dem Werk wollte der Sprecher auf Nachfrage nicht nennen. Anfang 2022 solle die Produktion des SUV Grandland in Eisenach wieder anlaufen, sofern es die Lieferketten erlaubten.

Seit Monaten kämpfen nahezu alle wichtigen Branchen mit den Lieferengpässen in der Versorgung mit Halbleitern. Durch die Corona-Krise ist die Nachfrage nach den Computerchips noch einmal deutlich angestiegen, gleichzeitig führten die vielen Lockdowns aber auch zu Lieferschwierigkeiten für Silizium, den wichtigsten Rohstoff für Halbleiter. Und dann kamen zu Beginn des Jahres 2021 noch Naturkatastrophen dazu, die zu Produktionsausfällen bei großen Chipherstellern führten. Zudem verschärft auch das Schürfen von Kryptowährungen wie dem Bitcoin die Chipkrise, wie eine Studie jüngst zeigte. Die Autoindustrie muss deshalb ihre Produktion immer wieder zurückfahren und fertigt dadurch weniger Fahrzeuge.

mg/dpa-afx, Reuters
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