Freitag, 23. August 2019

Opel gehört seit einem Jahr zu PSA Blitz-Gewinn zum Jahrestag - doch genesen ist Opel noch nicht

Opel-Logo auf einem Kühlergrill

Vor genau einem Jahr hat der französische Autohersteller PSA die deutsche Traditionsmarke Opel übernommen. Die damaligen Ansagen von PSA-Chef Carlos Tavares waren deutlich: "Die einzige Option, die Opel nicht hat, ist der Status quo", erklärte Tavares kurz vor der endgültigen Übernahme von Opel. "Es kann nicht länger dasselbe gemacht werden wie bisher, weil die Ergebnisse nicht gut sind".

Die Rüsselsheimer haben sich seither ins Zeug gelegt - und sorgten zuletzt für eine Überraschung der positiven Art: Eine halbe Milliarde Euro Gewinn hat Opel im ersten Halbjahr eingefahren. Angesichts jahrzehntelanger Verluste und öffentlichen Dauerstreits mit der Gewerkschaft ist das fast schon eine Sensation.

Hat die Traditionsmarke mit dem Blitz im Logo also endlich in die Erfolgsspur zurückgefunden? Noch ist das nicht klar. Trotz des jüngsten Gewinns ist Opels Marktanteil in Europa zuletzt gesunken. Und in den Jubel über die jüngsten Zahlen mischen sich immer noch Sorgen um das künftige Profil des Unternehmens und nicht zuletzt um die Sicherheit der Arbeitsplätze.

Schnelle Wende bislang ohne großen Jobabbau gelungen

Opel-Chef Michael Lohscheller und sein Konzernchef Carlos Tavares haben Wort gehalten und den von General Motors (GM) für 1,3 Milliarden Euro übernommenen Autobauer ohne Standortschließungen oder betriebsbedingte Kündigungen umgebaut. Gemeinsamer Einkauf, geringere Fixkosten und ein stärkerer Fokus auf die tatsächlichen Erlöse pro Fahrzeug haben - trotz weiter sinkender Marktanteile - zur schnellen Wende beigetragen.

Mit Gewerkschaft und Betriebsrat wurde nach heftigen Diskussionen ein Sanierungs-Tarifvertrag abgeschlossen, der gegen Lohnverzicht die in Deutschland verbleibenden rund 14 000 Jobs bis zum Jahr 2023 garantiert und außerdem den einvernehmlichen Personalabbau auf 3700 Menschen begrenzt. Auch an den anderen europäischen Opel-Standorten haben die Gewerkschaften finanzielle Einschnitte akzeptiert.

Den operativen Gewinn - also ohne Einmalkosten, Steuern und Zinsen - hat Opel aber mit einer Fahrzeugflotte eingefahren, die zu über 80 Prozent noch unter der Ägide von GM entwickelt wurde - mit dem derzeit erfolgreichen Flaggschiff Insignia an der Spitze. Dieses wurde wie die aktuellen Volumenmodelle Corsa und Astra ganz wesentlich und mit hohem Aufwand in Rüsselsheim geplant und dann teilweise unter anderen Namen in die weite GM-Welt geschickt, natürlich mit Griff in die Regale eines weltweit agierenden Konzerns.

Seitdem die Franzosen bei Opel das Sagen haben, läuft es eher anders herum: Die meiste Technik der ersten gemeinschaftlichen Modelle und des für 2019 geplanten neuen Corsa stammt von PSA, die Opel-Leute geben den Autos beispielsweise mit Fahrwerksabstimmung und eigenen Design-Elementen ein deutsches Finish. Opel drohe zur PSA-Designhülle zu werden, kritisierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

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