Sonntag, 8. Dezember 2019

PSA-Tochter macht geringeren Quartalsverlust als erwartet "Opel muss und Opel wird sich verändern"

PSA-Chef Carlos Tavares (l.) und Opel-Chef Michael Lohscheller: Trotz Verlusten, der Mutterkonzern hält an seinem Gewinnziel für Opel fest

Opel hat seinen neuen Mutterkonzern PSA im vergangenen Jahr mit einem dreistelligen Millionenverlust belastet. Von August bis Dezember fiel ein Fehlbetrag von 157 Millionen Euro bei Opel/Vauxhall an, teilte der französische Autobauer am Donnerstag mit. Angaben zum Jahresergebnis von Opel machte der Konzern zunächst nicht.

"Auch wenn dieser Verlust geringer ist, als von vielen Analysten erwartet, sollten wir uns nichts vormachen", erklärte Opel-Chef Michael Lohscheller. Die Zahl sei ein Signal, dass es wie bisher nicht weitergehen könne. "Opel muss sich verändern. Und wir werden uns verändern", ergänzte Lohscheller.

PSA, der Hersteller der Marken Peugeot und Citroen, hatte Opel im vergangenen Jahr von General Motors übernommen. Die Jahreszahlen übertrafen trotz der roten Zahlen aus Rüsselsheim die Erwartungen von Analysten: Der Nettogewinn stieg um 11,5 Prozent auf 1,93 Milliarden Euro bei einem Umsatzplus, einschließlich Opel, von einem Fünftel auf 65,2 Milliarden Euro.

Die Franzosen halten an ihren Gewinnziel für Opel fest. Im übernächsten Jahr solle das Ergebnis im laufenden Geschäft bei 2 Prozent des Umsatzes liegen, sagte Finanzvorstand Jean-Baptiste de Chatillon. Bisher fährt Opel Verluste ein.

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"Der Plan für eine Wende (bei Opel) bringt erste konkrete Ergebnisse", sagte De Chatillon. Er verwies auf deutliche Kostensenkungen, beispielsweise bei der Entwicklung des neuen Corsa. Bei Opel-Vauxhall sollen zunächst 1,1 Milliarden Euro im Jahr eingespart werden, ohne Werke zu schließen und massenweise Beschäftigte zu entlassen. Das wurde im November angekündigt. Opel-Chef Lohscheller verwies auf erste Erfolge, die Fixkosten seien bereits um 17 Prozent reduziert worden. Er mahnte aber auch: "Alle Standorte müssen wettbewerbsfähig werden, ausnahmslos. "Dabei steht Opel vor einem Spagat: Einerseits müssen die Kosten sinken, andererseits sollen neue Märkte erobert und der Wandel hin zur Elektromobilität beschleunigt werden.

Kunden kaufen weniger Opel-Autos

Die Kunden machten zuletzt offenbar einen Bogen um Opel-Fahrzeuge. Der Absatz von Opel und Vauxhall sank 2017 um fast 6 Prozent auf 1,09 Millionen Fahrzeuge - während der Gesamtmarkt in Europa um 3,4 Prozent wuchs. Opel erklärte das unter anderem mit dem Einbruch der Geschäfte in Großbritannien in Folge der Brexit-Entscheidung. "Für 2018 sind wir zuversichtlich, dank unserer Modelloffensive in wachsenden Segmenten auf den Wachstumskurs zurückzukehren", erklärte der Autobauer. Der Auftragseingang zum neuen Insignia und den SUVs Crossland und Grandland sei vielversprechend.

Opel arbeitet doppelt so teuer wie Peugeot

Trotz sinkender Kosten bleibt PSA-Chef Tavares bei dem Thema ungeduldig. Bei einem Lohnkostenanteil von 15 Prozent sei die Produktion bei Opel doppelt so teuer wie im übrigen Konzern, sagte er. Diese Differenz müsse verschwinden. Das Vauxhall-Werk im britischen Ellesmere Port bekommt den Sparkurs schon zu spüren. Rund 650 Stellen, rund ein Drittel der Arbeitsplätze, werden gestrichen. Im spanischen Opel-Werk Saragossa setzte Tavares Einsparungen gegen die Zusage durch, den neuen Corsa dort zu produzieren. Am Stammsitz Rüsselsheim ging ein Großteil der rund 10.000 Mitarbeiter in Verwaltung und Entwicklung Anfang des Jahres für mindestens sechs Monate in Kurzarbeit, vier Arbeitstage pro Monat entfallen. Nach einer Vereinbarung mit dem Betriebsrat sollen ältere Mitarbeiter vorzeitig in Rente gehen, Leiharbeiter bekommen keine Verlängerung.

rei/Reuters/ dpa

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