Mittwoch, 1. April 2020

Berater erwartet knallharte Opel-Sanierung "PSA kann bei Opel locker 10.000 Arbeitsplätze wegstreichen"

Opel-Palette vom ersten Kadett (1936) bis zum neuen Astra (2016): Peugeot wird knallhart sanieren, warnt ein Frankreich-Kenner

2. Teil: "Eine Beschäftigungsgarantie bis 2018 ist nichts wert"

mm.de: PSA-Chef Carlos Tavares könnte solche Garantien aber durchaus geben. Wird er das aus Ihrer Sicht tun?

Staudenmayer: So wie ich Tavares bei Renault und bei PSA kennengelernt habe, ist er nicht der Typ, der sich auf so etwas einlässt. Ich glaube nicht, dass er solche Garantien geben kann. Und wenn er sie trotzdem gibt, muss er einen anderen Plan haben. Dann wird er wohl sehr stark bei den Opel-Werken außerhalb Deutschlands streichen, etwa in England, Spanien oder in Polen.

mm.de: Brächte eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2018, wie sie nun kolportiert wird, denn am Ende überhaupt etwas?

Staudenmayer: Wenn PSA bei Opel ein großes Restrukturierungsprogramm fährt, und davon gehe ich aus, ist so eine Garantie nichts wert. Bei großen Unternehmen vergehen leicht 12 bis 18 Monate von der Ankündigung einer Übernahme und eines damit verbundenen Jobabbaus bis zu dem Moment, wo die Leute tatsächlich auf der Straße stehen. Der würde dann auf einem Arbeitsmarkt stattfinden, in dem die Autobranche händeringend nach qualifizierten Fachkräften sucht. Die Opel-Mitarbeiter würden hohe Abfindungen erhalten und wohl ein paar Wochen später einen neuen Job haben. Denn Opelaner sind gesuchte Fachkräfte. Die bauen ja keinen Schrott, sondern gute Autos. Bloß ist die Marke zu klein und das Image zwar besser als früher, aber nach wie vor nicht gut.

mm.de: Was genau hätte PSA von einem Opel-Zukauf?

Staudenmayer: Opel scheint mit dem Ampera-e bei Elektroautos weit vorne zu sein. PSA hinkt bei der Elektromobilität aber hinter dem Erzkonkurrenten Renault hinterher. Ein Opel-Zukauf würde PSA hier technologisch weiterbringen. Ein zentraler Punkt des PSA-Interesses an Opel, so vermute ich, ist das Opel-Vertriebsnetz in Deutschland und in England für zukünftige Umsätze mit Elektromobilität. Das ist wohl auch für den chinesischen Fahrzeughersteller Dongfeng spannend, der 14 Prozent an PSA hält.

mm.de: Ist ein Kaufpreis von ein bis zwei Milliarden Euro für Opel aus ihrer Sicht gerechtfertigt?

Staudenmayer: Der Kaufpreis hat in diesem Fall eher symbolischen Wert. Opel schreibt seit mehr als 10 Jahren Verluste, ein positiver Kaufpreis kann da nur durch zukünftige Synergien mit dem kaufenden Unternehmen gerechtfertigt werden. Um den Schein zu wahren, wird schon ein positiver Betrag genannt werden, der Regelungen bei den Schulden, den Pensionsrückstellungen und den Patentschutzrechten beinhalten wird. Rein betriebswirtschaftlich gesehen: Wenn sie den Kaufpreis auf Basis zukünftiger Gewinnerwartungen berechnen, wäre er bei Opel aus heutiger Sicht negativ. Aber selbst wenn PSA am Ende eine oder zwei Milliarden Euro für Opel bezahlt: Für ein Unternehmen mit 38.000 Mitarbeitern und einer solchen Marke ist das im Grunde eine sehr geringe Summe, wenn PSA es schafft, die Synergien zu heben.

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