Donnerstag, 23. Mai 2019

Peugeot kauft Opel und gibt Plan vor Neumann: "Historischer Tag für Opel und Vauxhall"

GM-Chefin Barra (links), PSA-Boss Tavares (Mitte) und Opel-Chef Neumann (rechts): Opel würde laut Neumann von der neuen Größe im Verbund mit PSA profitieren

2. Teil: Keine Garantie für den Erhalt aller Opel-Standorte nach 2020

Allerdings: Versprechen, alle Standorte über das Jahr 2020 hinaus zu erhalten, gibt Tavares nicht ab. "Das einzige, was uns beschützt, ist Leistung", sagte Carlos Tavares bei der Pressekonferenz in Paris auf die Frage, ob alle Standorte erhalten blieben. "Zusammen können wir besser werden." Wenn man der Beste sei, sei man auch geschützt.

Mit Blick auf befürchtete Werksschließungen sagte er: "Wir vertrauen Menschen und ihrer Fähigkeit, sich zu verbessern." Er sei sicher, dass es in den Fabriken von Opel und Vauxhall viel Effizienzpotenzial gebe. "In der Autoindustrie gibt es das Schließen von Werken. Aber es ist in gewisser Weise eine allzu einfache Art, auf die Dinge zu schauen." Er sei sicher, "dass die deutschen und britischen Fabriken am Ende nicht weniger effizient sein wollen als die französischen Fabriken".

Experten sind sich einig, dass zur Opel-Gesundung harte Sanierungsschritte nötig sein werden.Die Chance auf zusätzliche Märkte oder erhebliche Mehrverkäufe bestehe mit der Übernahme nicht, sagt Branchenspezialist Ferdinand Dudenhöffer. PSA und Opel seien mit ähnlichen Modellpaletten beide zu stark auf Europa konzentriert und hätten in den vergangenen Jahren beständig Marktanteile verloren. Tavares habe PSA in den vergangenen Jahren allein mit drastischen Sparmaßnahmen und dem Abbau tausender Arbeitsplätze auf Gewinnkurs gebracht - ein Konzept, das er nun bei Opel wiederholen könnte.

"Am Ende macht ein Käufer doch, was er will", sagte der Berater Marc Staudenmayer vor kurzemim Interview mit manager-magazin.de. Tavares könne bei Opel "locker" 10 000 Arbeitsplätze streichen, wenn er die Produktion straffe und zentrale Funktionen künftig von Paris aus erledigen lasse.

GM will Opels Pensionsverpflichtungen großteils finanzieren

Zwei zentrale Fragen sind in den Verhandlungen bereits gelöst worden: Milliardenschwere Pensionsverpflichtungen verbleiben Medienberichten zufolge zu großen Teilen bei GM. Auch bei wichtigen Frage der Modell-Lizenzen habe es eine Einigung gegeben. So dürfe PSA das Elektroauto Opel Ampera, das technologisch auf dem Chevrolet Bolt von GM basiert, weiterhin verkaufen.

Opel und Peugeot teilten nun mit: Das Geschäft unterliege noch Bedingungen und Behördengenehmigungen und soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. "Opel/Vauxhall wird auch weiterhin von den Urheberrechtslizenzen von GM profitieren, bis die Fahrzeuge in den kommenden Jahren nach und nach auf PSA-Plattformen gebaut werden". GM behält einen großen Teil der Pensionsverpflichtungen in seiner Bilanz.

Verpflichtungen im Wert von drei Milliarden Euro werden an PSA übertragen, dies wird aber vollständig von GM finanziert. Ein Teil des Kaufpreises wird auch mit Optionsscheinen auf PSA-Aktionen im Wert von 0,65 Milliarden Euro bezahlt.

Vor einigen Tagen hatte Tavares bereits zugesagt, Opel als deutsches Unternehmen und Marke zu erhalten. Zudem erklärte PSA wiederholt, die bisherigen Zusagen von GM an Opel einzuhalten. Die rund 19.000 deutschen Opel-Beschäftigten sind noch bis Ende 2018 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Zudem hat sich die Noch-Mutter General Motors bis ins Jahr 2020 tarifvertraglich zu Investitionen und Produktion in den drei deutschen Opel-Werken Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach verpflichtet. Opel hat derzeit gut 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern.

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Thüringen: "Das sieht nach dem Ergebnis aus, das wir erhofft haben"

In wenigen Jahren dürfte Opel jedoch kaum um einen Stellenabbau im größeren Maß herumkommen. Politiker können bei dem Deal zwar nur am Rande mitreden. Doch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zeigte sich von der Übernahme von Opel dennoch erleichtert. "Das sieht nach dem Ergebnis aus, das wir uns erhofft haben", erklärte Tiefensee in Erfurt. So sollten alle deutschen Standorte und die Arbeitsplätze erhalten werden. Opel baut auch in Eisenach Autos. "Das heißt: Die Beschäftigen in Eisenach können vorerst aufatmen. Mit dem neuen Mokka gibt es für den Standort auch gute Perspektiven über 2020 hinaus", sagte der Minister.

Aus seiner Sicht ist allerdings noch unklar, welche Aufgaben künftig Opel und welche PSA übernehmen sollen. "Hier muss es auf lange Sicht eine faire Aufgabenteilung zwischen den deutschen und französischen Standorten geben, bei der die einen nicht nur die verlängerte Werkbank der anderen sind", gab er zu bedenken. Demnach könnte Opel innerhalb des neuen Verbunds zu einer Art "Kompetenzzentrum für Elektromobilität" werden, schlug Tiefensee vor.

Die Automarke mit Stammsitz in Rüsselsheim schreibt seit Jahren rote Zahlen, im vergangenen Jahr stand die GM-Europasparte operativ 257 Millionen Dollar (241 Millionen Euro) in den Miesen. PSA dagegen machte unter dem Strich einen satten Gewinn von 1,7 Milliarden Euro. PSA war selbst in den vergangenen Jahren mit einem harten Sanierungskurs und Stellenabbau in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

rei/wed/dpa/Reuters

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