Opel weist Trickserei-Vorwürfe der Umwelthilfe zurück Hat Opel die Abgaswerte dieses Autos manipuliert?

Opel Zafira 1.6 CDTi: Abgas-Limit laut Umwelthilfe um das Vierfache überschritten

Opel Zafira 1.6 CDTi: Abgas-Limit laut Umwelthilfe um das Vierfache überschritten

Foto: Jürgen Pander

Im Zuge der Affäre um Abgasmanipulationen bei Volkswagen erhebt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun schwere Vorwürfe gegen Opel: Bei einem Abgastest hat ein Opel Zafira mit 1,6-Liter-Dieselmotor die Grenzwerte für Stickoxide (NOx) kräftig überschritten. Im Auftrag der DUH habe die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule einen Opel Zafira 1.6 CDTi untersucht und dabei je nach Messmethode bis zu 17-fach höhere Stickoxid-Emissionen gemessen als nach dem Euro-6-Grenzwert zulässig, erklärte die DUH heute.

Die Berner Abgasprüfer sind vor allem für Schweizer Behörden tätig. Laut den Schweizer Prüfern stieß der getestete Zafira in drei Tests zwei bis vier Mal mehr NOx als erlaubt aus, wenn sich auf dem Prüfstand alle vier Räder drehten. Sobald sich auf dem Prüfstand nur zwei Räder drehten - woran eine Software eine Prüfstandsituation erkennen kann - hielt das Fahrzeug in drei entsprechenden Tests den Grenzwert von 80 Milligramm NOx je Kilometer ein.

"Ich habe keine normale, technisch plausible Erklärung für das Abgasverhalten des Opel-Fahrzeuges", erklärte DUH-Verkehrsberater Axel Friedrich dazu. Die deutschen Umweltaktivisten hüteten sich Berichten zufolge in ihrer Pressekonferenz davor, konkrete Verdächtigungen zu äußern, auf welche Mittel diese Abweichungen zurückzuführen sind.

Opel dementierte die Vorwürfe scharf: Die Anschuldigungen seien unseriös und nicht nachvollziehbar, sagte ein Sprecher. "Da ist überhaupt nichts dran." Der Autohersteller hat eine Abgasmessung im Beisein des TÜV Hessen durchgeführt, bei der gesetzeskonforme Abgaswerte erzielt wurden. Dabei ist der Ausstoß eines Zafira mit 1,6-Liter-Dieselmotor wie auch bei den Schweizern auf einem Vier-Rollen-Prüfstand geprüft worden

In einer Stellungnahme zu der Studie erklären die Rüsselsheimer zudem , dass Opel-Fahrzeuge keine Software-Features hätten, die feststellen, ob das Fahrzeug einem Emissionstest unterzogen werden. Das gelte ohne Einschränkung für alle Opel-Modelle. Es sei zudem "in höchstem Maße unfair", dass die DUH trotz mehrfacher Aufforderung seitens Opel die angeblich gemessenen Werte nicht zur Verfügung gestellt habe.

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Foto: Toyota

Beim Vorgehen der Schweizer Tester gibt es ein paar Ähnlichkeiten zur Aufdeckung der VW-Abgastricksereien: Das Center for Alternative Fuels, Engines and Emissions der West Virginia University hatte bei einem VW Jetta starke Überschreitungen der NOx-Emissionswerte festgestellt, wenn das Auto abseits des Prüfstands unter realen Fahrbedingungen getestet wurde. Die Untersuchungen waren die Basis für die Aufdeckungen des Abgasskandals bei VW.

Umwelthilfe vermutet Abschalt-Automatik beim Zafira

Das von den Schweizern getestete Opel-Zafira-Modell unterscheidet sich in einem zentralen Punkt von den manipulierten Motoren bei Volkswagen: Ein Großteil der von den Wolfsburgern manipulierten Motoren reduziert Stickstoff-Abgase mit einem Partikelfiltersystem. Der Zafira hat hingegen einen Harnstofftank an Bord. Das Mittel wird in die Abgasrohr eingespritzt und gilt als bestes Verfahren, um NOx-Emissionen zu reduzieren.

Laut der Studie gab es bei dem getesteten Zafira zwei Besonderheiten. Üblicherweise arbeitet eine Abgasreinigung am besten bei bereits warmem Motor, bei Kaltstarts fallen die meisten Emissionen an. Bei dem Zafira war dies jedoch genau umgekehrt, wenn sich bei den Tests alle vier Räder drehten.

Und noch etwas war auffällig: Wenn die Hinterräder standen und die Geschwindigkeit der Vorderräder kontinuierlich auf 150 km/h erhöht wurde, stiegen die NOx-Emissionen schlagartig an. "Das Verhalten könnte durch eine Abschaltung der AdBlue-Dosierung erklärbar sein," heißt es dazu im Gutachten der Schweizer, das die DUH in Auszügen veröffentlichte . Während des Vierradantriebsmodus sei ein ähnliches Verhalten jedoch nicht feststellbar gewesen.

All das werten die Prüfer als Hinweies darauf, dass die Motorensoftware des Zafira erkennen könne, ob das Auto auf einem Prüfstand stehe.

Laut der Umwelthilfe war der Zafira als erstes an der Reihe, weil die Organisation zu diesem Fahrzeug detaillierte Hinweise auf Unstimmigkeiten bei der Abgasreinigung erhalten habe. Die DUH will nun weitere Emissionstests von Dieselfahrzeugen in- und ausländischer Hersteller durchführen, deren Motoren die Euro 6-Norm erfüllen.

Die DUH hatte auch die anderen deutschen Autohersteller BMW und Daimler der Manipulation verdächtigt. Die Autokonzerne hatten dies zurückgewiesen und der Organisation mit rechtlichen Schritten gedroht.

mit Material von Reuters/dpa
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