Mittwoch, 1. April 2020

Zum geplanten Opel-Verkauf Jetzt "Umparken im Kopf"

Opelaner fürchten um ihren Job. Der seit vielen Jahren defizitäre Autobauer soll verkauft werden

Bundesregierung, Ministerpräsidenten, Gewerkschaften, Betriebsräte - ja vermutlich sogar große Teile des Opel-Managements selbst hat die Nachricht vom geplanten Verkauf an den Wettbewerber Peugeot überrascht.

Die reflexhaften Forderungen nach Job-, Standort- und Investitionsgarantien auf deutscher Seite sind verständlich. Geht es bei Opel nach schmerzhaften Jahren der Sanierung nun doch vermutlich erneut um tausende Jobs, die bei einem Verkauf wegzufallen drohen. Und schließlich überlebte Opel die Insolvenz der Mutter im Jahr 2009 auch durch einen Milliardenkredit der Bundesregierung.

Das verpflichtet Mary Barra, Chefin des Opel-Mutterkonzerns, gleichwohl zu nichts. Sie wird diese Garantien nicht geben wollen. Glaubt man konzerninternen Rechnungen, hat General Motors allein zwischen 2010 und 2016 mehr als acht Milliarden Dollar mit Opel verloren. Und das auf einem europäischen Markt, der im Massengeschäft immer härter umkämpft und von steigenden Umweltschutz- und Sicherheitsauflagen geprägt ist.

GM ist an der krisenhaften Entwicklung ihrer deutschen Tochter nicht schuldlos. Aber so bitter es auch klingt: Der europäische Brückenkopf Opel hat für den US-Konzern ausgedient.

Darf man die Garantien vom potentiellen Käufer Peugeot einfordern? Sicher. Aber auch PSA-Chef Carlos Tavares, der den französischen Autobauer binnen kurzer Zeit zurück in die Gewinnspur geführt hat, ist seinen Aktionären verpflichtet, muss auf die Rendite achten. Will er in Europa punkten, muss Peugeot wachsen.

Mit der Übernahme von Opel könnte der ehemalige Renault-Manger die nötigen Größenvorteile realisieren und dann wieder an dem französischen Wettbewerber Renault vorbeiziehen. Das aber wird nicht funktionieren, wenn Tavares die sich überschneidende Modellpalette nicht bereinigt und darauf verzichtet, Überkapazitäten abzubauen.

Die Reaktionen auf den geplanten Opel-Verkauf fallen auch deshalb so reflexhaft aus, weil die Marke mit dem Blitz fest im kollektiven Markengedächtnis der Deutschen verankert ist. Ein Verkauf Opels würde daher vermutlich auch den Stolz auf eine, ja die zentrale Industrie Deutschlands angreifen, meinen Beobachter.

Doch derlei Gefühlsduselei können sich Autobauer nicht leisten. "Umparken im Kopf" ist angesagt und darf keine bloße Werbebotschaft bleiben. Dass sich namhafte Marken unter einem neuen Dach durchaus erfolgreich neu positionieren können, zeigen die Beispiele Land Rover, Jaguar und Volvo.

Das reflexhafte Festhalten und Fordern hilft da nicht weiter. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat das längst verstanden, würde dabei sehr weit gehen und Opel sogar zu einer reinen Elektromarke umbauen. Ob man ihn lässt, ist eine ganz andere Frage. So oder so: Es wird schmerzhaft für Opel.

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