Erfolg mit neuem "Astra" Erster Opel-Gewinn seit Jahren - Sorgen um britischen Markt

Blitzblank: Erstmals seit Jahren schafft Opel wieder einen Quartalsgewinn

Blitzblank: Erstmals seit Jahren schafft Opel wieder einen Quartalsgewinn

Foto: Martin Meissner/ AP

Opel hat im Frühjahr erstmals seit einem halben Jahrzehnt wieder schwarze Zahlen geschrieben. "Das Comeback der Marke Opel ist gelungen" twitterte Vorstandschef Karl-Thomas Neumann am Donnerstag.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der Gewinn im zweiten Quartal sei "stattlich" gewesen und damit schreibe Opel auch im gesamten ersten Halbjahr schwarze Zahlen, erklärte Neumann.

Konkret heißt das: Im zweiten Quartal 2016 lieferte die Europatochter des US-Konzerns General Motors einen operativen Gewinn von 137 Millionen Dollar (124 Millionen Euro) in Detroit ab. Für das erste Halbjahr ergibt sich daraus ein Gewinn von 131 Millionen Dollar (119 Millionen Euro), wie GM am Donnerstag in Detroit mitteilte. Zur Jahreshälfte 2015 hatte dort noch ein Verlust von 284 Millionen Dollar gestanden. Letztmalig hatte die GM-Europatochter im zweiten Quartal 2011 einen Gewinn ausgewiesen.

Vor allem das neue "Astra"-Modell entwickele sich gut, es gebe europaweit schon mehr als 220.000 Bestellungen, so Neumann. Bereits im ersten Quartal hatte sich die GM-Tochter gemeinsam mit der britischen Marke Vauxhall mit einem Verlust von noch sechs Millionen Dollar nah an die Gewinnzone herangearbeitet.

Nach der lang erwarteten Rückkehr in die Gewinnzone wachsen bei Opel allerdings die Sorgen um den britischen Markt. Auf bis zu 400 Millionen US-Dollar (363 Millionen Euro) bezifferte Opel-Chef Neumann die Risiken, die wegen der Brexit-Entscheidung in der zweiten Jahreshälfte auflaufen könnten. Damit steht der angepeilte positive Jahresgewinn in Frage: "Vor der Brexit-Entscheidung waren wir auf Kurs, im Gesamtjahr 2016 die Gewinnschwelle zu erreichen. Diese Entscheidung hat das Britische Pfund negativ beeinflusst und belastet die britische Automobilindustrie", erklärte Neumann.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bei der Konzern-Mutter GM lassen steigende Verkäufe von Pick-ups den Gewinn sprudeln. Unter dem Strich wuchs das Ergebnis im zweiten Quartal um mehr als das anderthalbfache auf 2,9 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz kletterte um 11 Prozent auf 42,4 Milliarden Dollar, obwohl GM weltweit weniger Autos verkaufte als ein Jahr zuvor. Konzernchefin Mary Barra sprach in einer Mitteilung von einem "hervorragenden Quartal".

Für das Gesamtjahr hob das Management daher seine Gewinnerwartung an: Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis je Aktie soll nun mit 5,50 bis 6,00 Dollar um 25 Cent höher ausfallen als zuletzt angekündigt.

Auf dem Weg zurück in die Gewinnzone hatte Opel den Verlust des russischen Marktes verkraftet, in dem zu besten Zeiten rund 80.000 Fahrzeuge verkauft worden waren. Wegen der Probleme dort hatte sich Opel aus dem russischen Markt verabschiedet. Die Probleme auf dem stärksten, von der Schwestermarke Vauxhall abgedeckten britischen Markt mit mehr als 300.000 jährlichen Verkäufen sind aber ungleich größer.

Opel-Chef hofft auf Modell-Offensive

Mit der rasanten Pfundabwertung im Vergleich zum Dollar seien die Erlöse aus den Verkäufen in Großbritannien schlagartig eingebrochen, räumte Opel ein. "Natürlich haben wir auch Vorteile durch unsere Produktion in Großbritannien. Das betrifft aber nur die dort stattfindende Wertschöpfung. Die große Mehrzahl der Komponenten in unseren Autos kommt aber aus dem Euroraum", sagte Neumann der Deutschen Presse-Agentur.

Der Opel-Chef zeigte sich trotz der Probleme optimistisch. "Es bleibt unsere Hoffnung, dieses Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen. Aber die Brexit-Entscheidung könnte uns stark belasten." Er zähle auf sein Team und die angekündigte Modelloffensive: "Wir haben die richtigen Autos, um uns im Markt durchzusetzen. Wir haben zuletzt europaweit Marktanteile hinzugewonnen, obwohl wir in den wachstumsstärksten Segmenten kaum vertreten waren. Unser einziger SUV, der Opel Mokka, ist ein echter Gewinner. Wir sind daher sehr optimistisch, mit unseren neuen SUV- und Crossover-Modellen zusätzliche Käufer zu finden."

In diesen schwereren Fahrzeugen werden anteilig mehr Dieselmotoren geordert und eingebaut werden. Neumann verteidigte die wegen hoher Umweltbelastungen in die Kritik geratene Technologie: "Der Diesel hat viele Vorteile. Die Industrie braucht diese Technologie, um die CO2-Ziele zu erreichen. Wir haben in den vergangenen Monaten verstanden, dass wir unsere eingesetzten Technologien besser erklären müssen und planen auch technische Verbesserungen bei der Abgasreinigung." Allerdings werde Opel im kommenden Jahr mit dem von Chevrolet übernommenen Elektro-Auto Ampera-E ein wichtiges Signal im Markt setzen.

Neumann warnte allerdings vor zu viel Euphorie. So gebe es in Großbritannien starken Gegenwind. "Die Brexit-Entscheidung verheißt nichts Gutes. Das zweite Halbjahr wird daher alles andere als einfach werden", erklärte er.

cr/rtr/dpa/dpa-afx
Mehr lesen über