Montag, 22. April 2019

Streit um Sanierung IG Metall spricht bei Opel von "Erpressung"

Opel-Mitarbeiter gehen zur Betriebsversammlung: Laut IG Metall fühlen sie sich vom Management "erpresst"

Im Streit um die Zukunft von Opel droht die Gewerkschaft IG Metall mit einer Eskalation. Der Chef des Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, warf dem Opel-Management vor, die Belegschaft mit Vorsatz zu verunsichern. Entgegen den Ankündigungen durch den neuen Mutterkonzern PSA spielten die Manager auf Zeit und bauten mit verweigerten Investitionen "erpresserischen Druck" auf, sagte Köhlinger am Freitag.

Die IG Metall habe den Eindruck, für das Management sei es am wichtigsten, so viele Beschäftigte wie eben möglich über Altersteilzeit und andere Abfindungsprogramme loszuwerden.

PSA hatte Opel im vergangenen August von General Motors übernommen und später betriebsbedingte Entlassungen und Werkschließungen ausgeschlossen. Kommende Woche setzt der Betriebsrat seine Verhandlungen mit der Geschäftsführung in einer internen Einigungsstelle fort, um den Sanierungsprozess zu begleiten.

Köhlinger verlangte vom Management erneut belastbare und detaillierte Planungen für Personal und Produktion an den deutschen Standorten mit rund 19.000 Beschäftigten. "Wenn es kommende Woche zu keinem Fortschritt kommt, kann der Konflikt rasch eskalieren", drohte der Bezirksleiter.

PSA-Chef Carlos Tavares (l.) und Opel-Chef Michael Lohscheller: Auf die beiden sind die Beschäftigten bei Opel derzeit nicht gut zu sprechen

Opel hat sich in den getrennten Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall bislang mit festen Zusagen zurückgehalten. Bekannt ist lediglich, dass im Werk Eisenach die Zahl der Beschäftigten von 1800 auf 1000 sinken soll. Aus Sicht der IG Metall verstößt das Unternehmen damit bereits gegen Tarifverträge, die noch zu Zeiten des Alteigentümers General Motors vereinbart wurden. Weitere Zugeständnisse etwa bei den Tariflöhnen hat die Gewerkschaft bislang strikt abgelehnt.

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Die notwendigen Einsparungen seien mit einem gemeinsamen Einkauf und der kostengünstigeren Produktion auf PSA-Plattformen erreichbar, hatte auch Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug erklärt. Den Beschäftigten müsse nicht in die Tasche gegriffen werden.

Man wolle in Deutschland investieren, wenn die Standorte wettbewerbsfähig seien, hatte PSA-Chef Carlos Tavares erklärt. In Opel-Werken in Spanien, England und Polen hat das Unternehmen bereits Vereinbarungen mit den Arbeitnehmern getroffen. Dort hatten sie allerdings auch empfindliche Gehalteinbußen hinnehmen müssen.

rei/dpa

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