Freitag, 22. November 2019

PSA sieht sich von GM offenbar getäuscht Peugeot will für Opel die Hälfte des Kaufpreises zurück

Hier herrschte noch Eintracht: GM-Chefin Mary Barra, PSA-Chef Carlos Tavares and Opel-Chef Karl Thomas (von links) im März 2017 zur Verkündung der Übernahme Opels durch PSA von General Motors (GM)

Vier Monate nach dem Kauf von Opel will der französische Autobauer PSA Peugeot Citroen vom früheren Eigentümer GM Insidern zufolge rund die Hälfte des Kaufpreises zurück, meldet die Nachrichtenagentur Reuters exklusiv. Wegen der hohen CO2-Emissionen von Opel, die angesichts schärferer Abgasziele in Europa zu hohen Strafzahlungen führen könnten, fordern die Franzosen mehr als 500 Millionen zurück, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen dem Bericht zufolge.

Ein Insider sprach von einer Summe zwischen 600 und 800 Millionen Euro. Der französische Autobauer hatte rund 1,3 Milliarden Euro für Opel bezahlt. PSA und GM lehnten eine Stellungnahme ab.

Zwei Insider sagten, PSA sehe sich getäuscht, was Opels Abgasstrategie angeht. Die Franzosen hätten GM deshalb mitgeteilt, dass sie mehr als eine halbe Milliarde zurückzufordern gedenken. Entsprechende juristische Schritte seien beabsichtigt. Die beiden Unternehmen hätten über die Beschwerde von PSA gesprochen. Der Rechtsweg sei noch nicht beschritten worden.

PSA-Chef Carlos Tavares hatte Anfang November gesagt, dass der seit Jahren Verluste schreibende Rüsselsheimer Autobauer "in einer dramatischen Lage" sei und es derzeit nicht schaffe, das Ziel von 95 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer zu schaffen. Dies würde nach jetzigem Stand empfindliche Strafen bedeuten. Die EU-Kommission hatte erst vor kurzem eine weitere Absenkung der Grenzwerte um 30 Prozent bis 2030 gefordert, um die Autobauer zu mehr Klimaschutz zu zwingen.

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rei/Reuters

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