Nach Kritik an EU-Votum Stellantis tritt aus dem europäischen Autoverband aus

Der Opel-Mutterkonzern Stellantis verlässt den Autoverband Acea, nachdem dieser sich gegen das Vebrennerverbot der EU ab 2035 ausgesprochen hatte. Stellantis will bis 2030 komplett auf Elektro umrüsten.
Stellantis CEO Carlos Tavares will bis 2030 komplett auf Elektro umrüsten

Stellantis CEO Carlos Tavares will bis 2030 komplett auf Elektro umrüsten

Foto: AFP

Der zweitgrößte Autohersteller Europas hinter Volkswagen, Stellantis, kündigte am Montagabend an, den europäischen Automobilherstellerverband Acea bis Ende 2022 zu verlassen. Grund dafür sei es, einen neuen Ansatz zur "Bewältigung von Problemen und Herausforderungen der zukünftigen Mobilität" anzugehen, einschließlich einer Abkehr von der traditionellen Lobbyarbeit, wie es in einem öffentlichen Statement des Unternehmens heißt. Bis Ende dieses Jahres soll der Austritt demnach über die Bühne gehen.

Der Autohersteller in seiner Erklärung, dass er stattdessen das sogenannte "Freedom of Mobility Forum", ein Forum für Bewegungsfreiheit, ins Leben gerufen habe. Dieses solle einen direkteren, öffentlichen Raum für verschiedene Akteure im Kontext des Themas bieten, "um ihre Gedanken zu einem 360-Grad- und faktenbasierten Ansatz zu teilen und zu konfrontieren". Ein Expertenbeirat aus verschiedenen Interessengruppen der Automobilbranche soll das Forum planen und koordinieren, darunter Politiker, Wissenschaftler, Technologieanbieter und Akademiker.

Der Zeitpunkt des Ausstiegs kommt nur kurze Zeit, nachdem sich der Verband Acea vehement gegen das Votum des EU-Parlaments von vergangener Woche ausgesprochen hatte, Autos mit Verbrennungsmotoren in der EU vom Jahr 2035 an zu verbieten. Auch einige Händler positionierten sich direkt öffentlich gegen das Votum. Nicht aber Stellantis: der Konzern hatte bereits im März verkündet, ab 2030 an nur noch Elektrofahrzeuge in Europa verkaufen zu wollen.

Noch früher solle das sogar für einige Marken des Konzerns, wie etwa Opel gelten. Bis 2038 soll der Konzern komplett CO2-neutral sein. Das will der Konzern angeblich ohne Abstriche beim Gewinn schaffen. Der Jahresumsatz solle bis 2030 auf 300 Milliarden Euro verdoppelt werden bei stabiler operativer Rendite über zehn Prozent.

Stellantis könnte VW überholen

Mit den neuen Zielen könnte Stellantis auch den Volkswagen-Konzern überholen. Die Marke aus Wolfsburg will derzeit bis Ende des Jahrzehnts 70 Prozent der Neuwagen in Europa als reine E-Autos verkaufen, weltweit strebt der gesamte Konzern einen Absatzanteil von 50 Prozent an.

Der Mutterkonzern von Opel ist Anfang 2021 hervorgegangen aus der Fusion von Peugeot-Citroën mit Fiat-Chrysler. CEO Carlos Tavares (63) will dem Unternehmen nun zum großen Umbruch verhelfen.

Nach eigenen Angaben baut Stellantis aktuell gemeinsam mit der südkoreanischen Samsung SDI ein Batteriewerk in den USA. Das Werk in Kokomo, Indiana, soll 2025 in Betrieb gehen und 2,5 Milliarden US-Dollar (etwa 2,25 Milliarden Euro) kosten sowie 1400 neue Arbeitsplätze schaffen. Daneben hat Stellantis sein Netzwerk neben dem europäischen Markt in den vergangenen Jahren auch zunehmend global ausgestreckt. So ist unter anderem Toyota aus Japan Mitglied.

mje/reuters
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