Appell an Stellantis-Chef Tavares Länderchefs wollen Opel-Zerschlagung verhindern

Bei Opel fielen bereits Tausende Jobs weg - droht jetzt die Zerschlagung und die Jobverlagerung nach Marokko? Die Regierungen von Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen fordern in einem Brandbrief den Chef des Mutterkonzerns, Carlos Tavares, zu Gesprächen auf.
Im Fokus: Die Ministerpräsidenten der Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen wenden sich an Stellantis-Chef Carlos Tavares

Im Fokus: Die Ministerpräsidenten der Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen wenden sich an Stellantis-Chef Carlos Tavares

Foto: CHRISTIAN HARTMANN/ REUTERS

Die Regierungschefs von Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen wollen der Demontage von Opel nicht mehr länger zusehen und haben in Sorge um die Standorte in ihren Bundesländern den Chef des Mutterkonzerns Stellantis, Carlos Tavares (63), zum Gespräch aufgefordert. Tavares solle die Politiker über die geplante Ausgliederung der Opel-Werke Rüsselsheim und Eisenach und den dreimonatigen Produktionsstopp in letzterem informieren, heißt es in einem offenen Brief von Volker Bouffier (CDU), Malu Dreyer (SPD) und Bodo Ramelow (Linke). "Beide Sachverhalte führten in der deutschen Öffentlichkeit zu Zweifeln und Besorgnis", heißt es in dem Schreiben.

Stellantis hatte vergangene Woche mitgeteilt, es werde geprüft, die beiden Autofabriken zu eigenständigen Rechtsorganisationen zu machen. Das und die mit Halbleitermangel begründete lange Produktionspause in Eisenach schürte Sorgen, Opel solle vier Jahre nach der Übernahme durch den damaligen PSA-Konzern aus Frankreich zerschlagen werden. Die Bundesländer hatten sich schon damals schützend vor das deutsche Traditionsunternehmen gestellt.

Für den 29. Oktober hat die IG Metall Protestaktionen angekündigt. Die drohende Zerschlagung diene einzig und allein dem Ziel, die erfolgreiche Mitbestimmung in Deutschland zu schwächen, hatte Opel-Betriebsratschef Uwe Baum vergangenen Freitag erklärt.

"Opel steht nicht nur für innovative Autos, sondern auch für zahlreiche Arbeitsplätze und den Wohlstand der betroffenen Regionen", erklärten die Regierungschefs. "Daraus erwächst auch eine gesellschaftliche Verantwortung, zu der sich Stellantis in der Vergangenheit auch bekannt hat." Die Beschäftigten bräuchten eine Perspektive. Von Stellantis werde eine offene Kommunikation über Entscheidungen erwartet.

Doch statt offener Kommunikation scheint Stellantis im Hintergrund längst die Weichen zu stellen und übt offenbar massiven Druck auf Beschäftigte aus. So soll das Management laut Informationen des Betriebsrates Beschäftigten des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim, wo viele Ingenieure beschäftigt sind, in Personalgesprächen gedroht haben, ihre Aufgaben aus Kostengründen nach Marokko zu verlagern. Sie sollten sich nach einer neuen Tätigkeit umsehen. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeine Zeitung"  baut Stellantis in Marokko wohl parallel Entwicklerstellen auf, die der Konzern in Rüsselsheim zu streichen gedenkt.

Die frühere General-Motors-Tochter Opel war 2017 von der Peugeot-Mutter PSA übernommen worden. Zu dieser Zeit arbeiteten rund 19.000 Menschen für Opel in Deutschland, im vergangenen Jahr waren es noch 13.000, bis Ende des Jahres sollen weitere 2100 gehen. Unter dem früheren PSA-Chef Tavares hat sich damit die Zahl der Opel-Beschäftigten fast halbiert. Tavares hatte allerdings auch etwas geschafft, was Vorbesitzer General Motors fast 20 Jahre vergeblich versucht hatte: Innerhalb eines Jahres nach der Übernahme schrieb Opel wieder Gewinne.

rei/DPA