Opel bekommt neue Vorstände für Vertrieb und Finanzen PSA regiert bei Opel nun in der Topetage durch

Opel-Stammsitz in Rüsselsheim

Opel-Stammsitz in Rüsselsheim

Foto:

Frank Rumpenhorst/ dpa

Fotostrecke

Ranking der Autokonzerne nach weltweiten Zulassungszahlen: Das sind die größten Autobauer, das ändern die jüngsten Deals

Foto: DPA

Ist das der neue Einfluss von PSA? Opel hängt wichtige Personalmeldungen nicht mehr an die große Glocke. Dabei hat Opel gerade en passant zwei wichtige Vorstandsposten neu besetzt - und die Umstrukturierung an der Spitze könnte sich auch schnell auf die aktuellen Diskussionen rund um das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim auswirken.

Per 1. August 2018 bekommt die deutsche Traditionsmarke einen neuen Finanzvorstand - und einen neuen Marketing- und Vertriebschef. Beide neuen Manager sind Männer, beide gebürtige Franzosen, und beide arbeiten seit Jahrzehnten für die Groupe PSA (Kurswerte anzeigen) , die neue Opel-Mutter.

Frédéric Brunet folgt als Chief Financial Officer auf Philippe de Rovira, der exakt ein Jahr lang Opels Oberfinanzer war und nun eine Stufe höher wieder zum Mutterkonzern zurückkehrt - dort wird er Finanzvorstand der gesamten PSA-Gruppe. Der frühere Wirtschaftsprüfer Brunet ist seit 2004 bei dem französischen Autohersteller tätig.

Gleichzeitig geht ein erfahrener Opel-Manager von Bord: Peter Küspert, der fünf Jahre lang im Opel-Vorstand für Vertrieb, Aftersales und Marketing zuständig war, verlässt laut offizieller Darstellung auf eigenen Wunsch das Unternehmen. Sein Nachfolger in der Opel-Geschäftsführung wird per 1. August Xavier Duchemin, der seit März dieses Jahres als Executive Director Sales für Opel und Vauxhall Europe tätig war. Duchemin ist bereits seit 1991 bei der Group PSA beschäftigt.

Im sechsköpfigen Opel-Vorstand sitzen nun drei PSA-Leute

PSA, weltweit mit den Automarken Peugeot und Citroën unterwegs, installiert damit zwei erfahrene Vertrauensleute in Vorstands-Schlüsselressorts. Opel-Chef Michael Lohscheller lässt sich entsprechend artig in der Presseaussendung zitieren. Er freue sich, dass die beiden das Opel-Managementteam verstärken. Sie seien "starke und anerkannte Führungskräfte mit viel Erfahrung in der Automobilindustrie." Beide sollen laut Lohscheller "eine wichtige Rolle bei der Umsetzung unseres Strategieplans PACE! spielen."

Dieser Satz könnte für zahlreiche Opel-Beschäftigte in Rüsselsheim schnell einen bitteren Beigeschmack bekommen. Im August 2017 ging die Traditionsmarke Opel endgültig an den PSA-Konzern über. Lohscheller ist nun der einzige in der Opel-Geschäftsführung, der bereits vor der Übernahme in dem Top-Gremium vertreten war.

Künftig sind in dem sechsköpfigen Gremium nun drei Manager vertreten, die direkt von PSA entsandt wurden. Neben den neuen Vorständen Brunet und Duchemin ist auch Opels Produktionsvorstand Rémi Girardon seit Jahrzehnten für PSA tätig.

Ein Opel-"Herz", das nicht allzu laut schlägt

Fotostrecke

Arbeitskosten-Länderranking: Was Autokonzerne für ihre Mitarbeiter zahlen

Foto: Michael Probst/ AP

Diese neuen Machtverhältnisse könnten es Lohscheller schwer machen, etwa für den Erhalt des Opel-Entwicklungszentrums in Rüsselsheim zu kämpfen. Zuletzt sorgten unter den Beschäftigten Berichte für Aufregung, dass PSA einen Teilverkauf des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim an Entwicklungsdiensleister erwägt. Auch strategische Partnerschaften werden für das Zentrum ausgelotet, erklärte Opel vor knapp einer Woche. Insgesamt arbeiten in dem Zentrum rund 7000 Mitarbeiter, laut Betriebsrat könnten von den Plänen bis zu 4000 Opel-Ingenieure betroffen sein.

Allerdings betreibt PSA bereits in Paris ein großes eigenes Entwicklungszentrum. Laut Opel wird das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim auch künftig alle Opel-Modelle entwickeln - und die von PSA zugesagten Aufgaben übernehmen. So sollen die Rüsselsheimer Ingenieure etwa die Brennstoffzellen-Technologie weiterentwickeln und an modernen Fahrassistenzsystemen arbeiten. Die künftig wichtigsten Kompetenzen - etwa für Elektro- und Hybridantriebe - behält PSA allerdings in Paris.

Und auch wenn sich die Rüsselsheimer Ingenieure gerne als das "Herz" der Marke Opel sehen: Allzu laut vernehmlich schlug dieses in den vergangenen Jahren nicht. Das mag auch daran liegen, dass die frühere Opel-Mutter General Motors ihre Europa-Tochter diesbezüglich an der kurzen Leine hielt.

Doch Fakt ist: Mit großen technischen Innovationen aufgefallen ist die Marke Opel in den vergangenen Jahren kaum - vom Mittelklassemodell Insignia mal abgesehen. Der Opel-Ansatz der vergangenen Jahre war es eher, Technik-Innovationen für alle verfügbar zu machen, also von der Oberklasse Richtung Mittel- und Kompaktwagen zu bringen. Das mag Kunden erfreuen, aber eigenständige Technologien entwickelte Opel so kaum. Zwar arbeiteten in Rüsselsheim auch einige Ingenieure an zukunftsweisenden Elektroantrieben - die etwa in Opels Hybrid Ampera und dem Elektroauto Ampera-e zum Einsatz kamen.

"Das Einzige, was Mitarbeiter schützt, ist Gewinn"

Ein Großteil der Technik wurde jedoch von General Motors in den USA entwickelt. Und Opels Elektroauto-Spezialisten sind schnell abgesprungen, als der Verkauf an PSA ins Rollen kam. Ampera-E-Baureihenleiter Ralf Hannappel etwa steht seit einem Jahr in Diensten von Jaguar Land Rover - er ist dort nun Chefingenieur für Elektroautos.

Kein Wunder also, dass die Franzosen über mehr Effizienz im Opel-Entwicklungszentrum nachdenken - und eine Abspaltung von Teilen in Erwägung ziehen. Denn eines bleibt nach wie vor trauriges Faktum: Die Marke Opel schreibt seit Jahrzehnten Verluste. Dass die neuen Herren im Haus daran etwas ändern müssen, ist klar. : "Das Einzige, was Mitarbeiter schützt, ist Gewinn," erklärte PSA-Chef Carlos Tavares bereits vor einem Jahr, als PSA Opel komplett übernahm.

Mit der Vorstands-Umbesetzung hat er nun die Möglichkeit, die PSA-Wünsche in der Opel-Geschäftsführung schneller durchzudrücken. Das ist eine Situation, die langgediente Opelaner wohl gewohnt sind. Denn General Motors machte es kaum anders.