Dienstag, 7. April 2020

Extrem schwacher Dezember zieht auch PSA mit runter Opel fiel am Jahresende in ein tiefes Loch

PSA-Konzernchef Carlos Tavares nahm bei der Tochter Opel gleich mehrere Modelle aus dem Programm, was die Absatzzahlen wohl zusätzlich drückte.

Der Absatz der PSA-Tochter Opel ist Ende vergangenen Jahres in Europa überraschend stark eingebrochen. In einem zum Jahresausklang dank hoher Rabatte boomenden Automarkt schlugen Opel und die britische Schwester Vauxhall im Dezember 35 Prozent weniger Fahrzeuge los als vor einem Jahr. Im ganzen Jahr 2019 fiel der Absatz um 7,6 Prozent. Nur wenige andere Automarken schnitten noch schlechter ab. Das geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Zulassungsstatistik des europäischen Herstellerverbandes ACEA für 2019 hervor.

Während die übrige Konkurrenz im letzten Monat des Jahres einen Schlussspurt hinlegte und so die Auslieferungen in der EU im Gesamtjahr ins Plus hievte, belastete das schwache Opel-Ergebnis den Absatz des Konzerns. Mit seinen Marken Peugeot, Opel/Vauxhall, Citroen und DS setzte der PSA-Konzern im Dezember vergangenen Jahres 2,2 Prozent weniger Autos ab als im Vorjahresmonat. Für das ganze Jahr 2019 betrug das Minus auf Konzernebene 1,1 Prozent.

PSA nahm Opel-Modelle aus dem Programm - auch aus Renditegründen

Die Rüsselsheimer selbst begründeten den Rückgang damit, dass zahlreiche Modelle, die noch unter der Ägide des früheren US-Mutterkonzerns General Motors aufgelegt worden waren, aus dem Programm genommen wurden.

Dazu gehören etwa die Kleinwagen Karl und Adam, das Cabrio Cascada und der bisherige Zafira, dessen Nachfolger nun auf einer PSA-Plattform steht. Auch der Mokka X wird auf PSA-Technik umgestellt.

Zudem sei der Absatz durch den Anlauf des neuen Corsa beeinflusst. Grund für die Umstellungen beziehungsweise die Streichung von etwa einem Viertel des Jahresabsatzes früherer Jahre ist laut Opel, dass diese Modelle nicht elektrifiziert werden konnten.

"Die Entwicklung der Absatzzahlen im Dezember war vor allem von der Vorbereitung auf das Einhalten der ab 2020 geltenden CO2-Ziele geprägt", erklärte Opel dazu. Mit der Konzentration des Produktportfolios komme man der Erfüllung der schärferen Klimavorgaben in der EU näher.

Experten sehen dahinter auch die Renditevorgaben von PSA. Vor allem der Adam galt wegen seiner komplexen Bauweise als wenig rentabel. Der französische Mutterkonzern hat Opel seit der Übernahme 2017 auf Profitabilität getrimmt und so dafür gesorgt, dass die deutsche Tochter nach zwei Jahrzehnten in den roten Zahlen wieder Gewinn abwirft.

PSA drückt bei Opel die Kosten weiter

Durch den Umbau fallen allerdings erneut zahlreiche Arbeitsplätze weg. Der Opel-Vorstand hatte sich jüngst mit dem Betriebsrat auf die Streichung von zunächst bis zu 2100 Stellen geeinigt. In den nächsten Jahren können weitere bis zu 2000 wegfallen. Insgesamt plant die PSA-Tochter den Abbau von bis zu 4100 Jobs zusätzlich zu den bereits vor zwei Jahren vereinbarten rund 7000 Stellen.

Im Gegenzug verlängert Opel die Jobgarantie für die verbleibende Belegschaft in mehreren Schritten bis 2029. Die gesamte Branche steckt wegen der schärferen CO2-Vorgaben im Umbruch und setzt auf den Bau von Elektroautos, für den weit weniger Personal benötigt wird als für Verbrennungsmotoren.

Fusion von PSA mit Fiat Chrysler dürfte weitere Jobs auch in Europa kosten

Bei Opel kommt hinzu, dass die französische Konzernmutter sich gerade mit Fiat Chrysler zusammenschließt. Experten rechnen damit, dass der fusionierte Konzern in Europa Überkapazitäten abbauen wird. Das werde auch Opel treffen, vermutet Ferdinand Dudenhöffer, der das CAR-Center an der Universität Duisburg-Essen leitet. "Der Aderlass bei Opel wird weitergehen."

PSA saniere die Tochter vor allem durch Kostensenkungen und Personalabbau. Unterdessen schrumpfe der Marktanteil, weil die neuen Modelle sich nicht so gut verkauften wie erhofft, sagt Dudenhöffer.

Opel widersprach dem: "Die Modelle, die in den vergangen Jahren eingeführt worden sind, haben Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen." Dazu gehörten der Opel Combo und die Stadtgeländewagen Grandland X und Crossland X. Auch beim neuen Corsa sei das bisherige Feedback von Kunden und Händlern positiv.

rei/Reuters

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