Dienstag, 22. Oktober 2019

Streit um Wechsel zu Dienstleister Segula eskaliert Opel setzt widerspenstige Ingenieure vor die Tür

Selbstbewusst sind die Beschäftigten bei Opel ...

Umstritten war er ohnehin, der Teilverkauf des Opel-Entwicklungszentrums in Rüsselsheim. 2000 Techniker und Ingenieure sollten zu ihrem neuen Arbeitgeber, der französischen Segula, wechseln. So hatten es die Opel-Mutter PSA und der französische Ingenieursdienstleister vereinbart.

Tatsächlich wechseln "nur" rund 700 zu ihrem neuen Arbeitgeber. 200 davon aus freien Stücken, 500 weitere werden zunächst in einen Opel-Teilbetrieb versetzt und landen dann via Betriebsübergang bei Segula. 1300 lehnten den Wechsel ab, nahmen lieber die Abfindung.

War's das? Nicht ganz.

30 weitere Kollegen aus dem Entwicklungszentrum wollen weder die Abfindung nehmen noch für ihren neuen Arbeitgeber tätig werden. Sie haben Widerspruch eingelegt, widersetzen sich dem Betriebsübergang und werden nun mit sofortiger Wirkung freigestellt, wie das "Handelsblatt" und die "Wirtschaftswoche" berichten. Spätestens ab 2020 droht Ihnen die Kündigung.

... und haben aus ihrer Abneigung gegen den neuen Arbeitgeber Segula nie einen Hehl gemacht

"Leider sehen wir uns veranlasst, Sie ab Freitag, 30.08.2019 unter Fortzahlung Ihrer Bezüge und unter Anrechnung etwaigen Zwischenverdienstes von Ihrer Verpflichtung zur Arbeitsleistung freizustellen", zitieren die beiden Medien aus einem Schreiben von Opel-Personalchef Ralph Wangemann an Betroffene.


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Eigentlich sind alle Beschäftigten bis zum Jahr 2023 vor betriebsbedingter Kündigung geschützt. Dieser Schutz würde aber hinfällig für jene Beschäftigte, die dem Betriebsübergang zu Segula explizit widersprochen haben, heißt es. Die Beschäftigten seien zuvor über den Prozess und die rechtlichen Konsequenzen eines möglichen Widerspruchs "mehrfach detailliert" informiert worden.

Der Betriebsrat in Rüsselsheim kritisiere das Vorgehen des Unternehmens scharf. In einem Flugblatt kritisierten die Arbeitnehmervertreter ein "überhastet eingeleiteten Betriebsübergang". Die Stimmung im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim sei in hohem Maße angespannt. Die IG Metall kritisiert, dass der Mutterkonzern PSA "insbesondere für Rüsselsheim kein nachhaltiges Standortkonzept" habe.

Seit der Übernahme im Jahr 2017 trimmen die Franzosen Opel knallhart auf Rendite und Effizienz. Und das durchaus mit Erfolg: Die Rüsselsheimer Tochter hat im ersten Halbjahr 700 Millionen Euro Gewinn eingefahren und somit erheblich zur höheren Profitabilität des Mutterkonzerns beigetragen. Allerdings eben auch um den Preis, dass Tausende Mitarbeiter seit der Übernahme vorzeitig ausgeschieden sind.

In dem Konflikt um die nicht wechselwilligen Mitarbeiter schlagen die Arbeitnehmervertreter nun vor, dass alle Beschäftigten, die "gegen ihren Willen in den Teilbetrieb versetzt wurden", bei Opel verbleiben und stattdessen an Segula verliehen würden. Dies würde nicht nur zur Befriedung des Betriebs beitragen, sondern auch die Arbeitsfähigkeit beider betroffenen Unternehmen sicherstellen, zudem "Konflikte mit den Beschäftigten vermeiden und gegebenenfalls langwierige Gerichtsverfahren erledigen", schreiben die Betriebsräte den Berichten zufolge.

Diese sogenannte Arbeitnehmerüberlassungen an Segula lehnt die Opel-Geschäftsführung um Michael Lohscheller aber strikt ab.

rei

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