Freitag, 23. August 2019

Ölpreis-Absturz Ein Kilometer im E-Golf ist teurer als im Diesel-Golf

Hoffnungsträger für Volkswagen: Mit dem E-Golf will Konzernchef Martin Winterkorn BMW, Nissan und Renault bei alternativen Antrieben angreifen

2. Teil: Neue Gefahr für Elektromobilitäts-Pläne der Bundesregierung

Für das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen zu bringen, ist die aktuelle Entwicklung damit ein weiterer Rückschlag. Vor allem Flottenkunden wie beispielsweise Taxiunternehmen hatten sich zuletzt verstärkt von den niedrigen Unterhaltskosten der Batteriewagen überzeugen lassen - auch wenn dies nur selten der Hauptgrund für die Anschaffung eines E-Mobils war.

"Aus reinen Kostengründen kauft heute niemand ein Elektroauto", sagt Tim Ruhoff von Fleetster, einem Anbieter von Firmen-Carsharing. Doch die Stromfahrzeuge bringen Prestige, stellen das Umweltbewusstsein eines Unternehmens zur Schau - und eignen sich deshalb gut als Marketingvehikel. Der erste Hype um die Fahrzeuge sei bei den Flottenbetreibern vorüber. Jetzt stehe eine Generation von Elektroautos zu Verfügung, die durchaus massenmarkttauglich, allerdings noch zu teuer sei.

Damit sich ein funktionierender Markt für Elektroautos entwickle, müssen die Verkaufszahlen deutlich steigen. Derzeit plagen alle Elektroauto-Hersteller in Deutschland Absatzsorgen - auch der kalifornische Elektroauto-Pionier Tesla blieb deutlich hinter seinen Erwartungen zurück. Flottenbetreibern erschwert der niedrige Spritpreis die Anschaffung von E-Mobilen im großen Stil. Denn gegenüber den Controllern gibt es damit ein Argument weniger für die Fahrzeuge.

"Die aktuellen Ölpreise helfen den Elektroautos jetzt nicht", meint auch Gert Lottensiepen, Sprecher des Verkehrsclub Deutschland (VCD). Allerdings sei nicht abzusehen, wie lange der momentane Tiefstand anhalten werde. Auch ADAC-Experte Sobotta gibt zu bedenken, dass die aktuell so niedrigen Spritpreise möglicherweise nur eine Momentaufnahme seien.

Mineralölsteuer-Erhöhung für Elektroautos?

Zwar werden die Treibstoffpreise mittelfristig wieder deutlich steigen, meint Lottsiepen. Doch damit mehr Leute zügig auf Elektroautos umsteigen, müssten die Spritpreise deutlich höher liegen als derzeit.

Vereinzelt wird bereits der Ruf nach einer Mineralölsteuer-Erhöhung laut. Diese hatte zuletzt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig gefordert, allerdings vor allem als Einnahmequelle für den Straßenerhalt. Unterstützung hat er für das Autofahrer-Reizthema bisher kaum bekommen.

Selbst der ökologisch orientierte VCD hält sich mit Appellen zurück. Seit 2003 sei die Mineralölsteuer nicht mehr angefasst worden, heißt es bei dem Verkehrsklub. Die Erhöhung der Steuer sei eine Möglichkeit, die man zur Finanzierung der Straßeninfrastruktur prüfen müsse. Doch konkreter wird auch der VCD nicht.

Für eine sehr moderate Anhebung der Steuer tritt auch ein Wissenschaftler öffentlich ein: Um einen Cent soll die offiziell Energiesteuer genannte Abgabe angehoben werden, fordert Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer - befristet auf drei Jahre. Mit den so eingenommenen Geld will Dudenhöffer das Netz an Ladesäulen ausbauen - und eine Kaufprämie für Elektroautos finanzieren.

Den strukturellen Nachteil, den der Spritpreisverfall den Elektroautos nun verschafft hat, würde eine so geringe Erhöhung allerdings nicht beseitigen.

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