Oberverwaltungsgericht stoppt Abholzung Chaos im Brandenburger Tesla-Wald

Mit einem Eilantrag hatten Umweltschützer Tesla beim Bau seiner ersten Fabrik in Europa zunächst ausgebremst. Dann erlaubte ein Gericht die Abholzung, bevor auch das kassiert wurde.
Ex-Wald: 92 Hektar Wald wurden für die Tesla-Fabrik bereits abgeholzt, weitere 83 Hektar Wald sollen fallen – dürfen aber nicht.

Ex-Wald: 92 Hektar Wald wurden für die Tesla-Fabrik bereits abgeholzt, weitere 83 Hektar Wald sollen fallen – dürfen aber nicht.

Foto: Britta Pedersen/ dpa

Chaos um den inzwischen vielleicht berühmtesten Fichtenwald Deutschlands. Der US-Elektroautobauer Tesla muss die Rodung der Bäume auf seiner Baustelle in Grünheide bei Berlin vorläufig wieder doch stoppen. Das entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg am Donnerstag. Dabei hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) dem Elektroautobauer das Abholzen kurz zuvor noch erlaubt und damit einen Eilantrag der Umweltverbände Nabu und Grüne Liga abgewiesen.

Mit der Entscheidung verzögert sich der Fabrikneubau, der sowohl für den US-Konzern als auch für die Landesregierung in Potsdam ein Vorzeigeprojekt ist. Tesla will in Grünheide bei Berlin nicht nur Elektroautos bauen, sondern dort auch die dafür benötigten Batteriezellen fertigen. So könnten insgesamt bis zu 10.000 Arbeitsplätze entstehen. Um seine einzige europäische Autofabrik aber bauen zu können, muss der US-Konzern Bäume fällen – was Umweltschützer seit Monaten zu verhindern versuchen.

Bei einer ersten Rodung war eine Fläche von 92 Hektar abgeholzt worden. Der aktuelle Streit dreht sich um die Rodung von weiteren 83 Hektar Wald auf dem für die Tesla-Fabrik vorgesehenen Grundstück. Das Gelände benötigt Tesla den Angaben zufolge für Rohrleitungen und als Lagerungsmöglichkeit.

Am Montag vor einer Woche hatte das Brandenburger Landesamt für Umwelt die Rodung der Bäume genehmigt. Die Naturschutzverbände hatte das per Eilantrag zu stoppen versucht. Sie argumentierten vor allem mit Gefahren für die streng geschützten Zauneidechsen und Schlingnattern. Erst am Dienstag hatte das Verwaltungsgericht die vorläufige Genehmigung für die Rodung im Eilverfahren gestoppt – sie zwei Tage später jedoch erlaubt. Die Genehmigung des vorzeitigen Beginns der genehmigten Baumfällarbeiten sei rechtmäßig, hatten die Frankfurter Richter argumentiert. Die Abwägung der naturschutzrechtlichen Belange durch das Landesamt für Umwelt sei nicht zu beanstanden. Dagegen hatten die Verbände Beschwerde bei der nächsthöheren Instanz eingelegt.

Die Richter am Oberverwaltungsgericht stoppten die Arbeiten nun erneut. Bis über die Beschwerde entschieden sei, gelte die Zwischenverfügung, die eine Rodung untersage, sagte eine Gerichtssprecherin.

Streit um die Bäume hatte es schon im vergangenen Winter gegeben. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wies damals die Eilanträge zweier Umweltverbände schließlich zurück und Tesla konnte noch vor Beginn der Vegetationsperiode weitere Bäume fällen.

Tesla will in einer ersten Phase jährlich rund 500.000 Wagen der kompakten Fahrzeuge Model 3 und Model Y bauen. Bisher baut das Unternehmen über einzelne vorläufige Zulassungen, weil die komplette umweltrechtliche Genehmigung des Landes Brandenburg noch aussteht. Naturschützer und Anwohner befürchten negative Folgen für die Umwelt. Insgesamt könnten an dem Standort bis zu 10.000 Arbeitsplätze entstehen.

rei, lhy/dpa-afx
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