Dienstag, 10. Dezember 2019

Nürburgring-Rekorde im Elektroauto Was die Nordschleifen-Schlacht über Porsche und Tesla verrät

Porsche Taycan: 7 Minuten und 42 Sekunden auf dem Nürburgring - diese Zeit will Tesla nun schlagen

Schön, dass die Bleifuß-Fraktion auch im Elektroauto-Zeitalter quicklebendig bleibt. Wie sehr, zeigen Geschehnisse am Nürburgring, die auf Twitter und in den Onlineausgaben mehrerer Autozeitschriften die Runde machten.

Am Mittwoch hieß es auf Teslas offiziellem Twitter-Account: "Wir haben einen Supercharger auf dem Nürburgring installiert". Eine Tesla-Schnelladesäule an der berühmtesten deutschen Rennstrecke? Das konnte wohl nur eines bedeuten, schlussfolgerten mehrere Medien: Die Kalifornier planen eine Rekordfahrt in der "Grünen Hölle".

Sie sollten - Überraschung - recht behalten. Am Donnerstagabend twitterte Tesla dann ein Bild des Rennkurses. Die Daten des Streckentests würden andeuten, dass Zeiten von 7:20 Minuten, möglicherweise sogar 7:05 Minuten möglich wären, hieß es dann.

Das Ziel der Kalifornier ist klar wie eine schwarz-weiße Streckenflagge: Tesla will jene Rundenzeit schlagen, die Porsche mit seinem Elektrosportwagen Taycan vor kurzem vorgelegt hat. 7 Minuten und 42 Sekunden hat ein Taycan-Testfahrer im Juni 2019 für den 20,6 Kilometer langen Rundkurs benötigt.

Das sei der Rekord für "viertürige vollelektrische Sportwagen", tönten die Zuffenhausener damals in einer Pressemitteilung wenige Wochen vor der offiziellen Vorstellung der Taycan-Serienversion. Damit hatten sie durchaus recht, auch wenn sie ein entscheidendes Detail verschwiegen. Denn der Porsche Taycan war nicht nur der schnellste, sondern auch der erste viertürige E-Sportwagen, der zu diesem "Rekord" antrat.

Womit Tesla sein Nürburgring-Modell aufmotzte

Die Fahrt von Porsches erstem in Serie gebauten Elektro-Sportwagen ist dabei noch nicht mal rasend schnell im Vergleich zu anderen Fahrzeugen. Porsches hochgezüchtete Verbrennermodelle 911 GT2 und Carrera GTS haben die Nordschleife schon in 20 Sekunden weniger umrundet.

Der 911 GT3 RS und der Hybrid-Sportwagen 918 Spyder nahmen dem Taycan bei ihren Rundenfahrten fast eine Minute ab. Der in Kleinstserie gebaute Elektro-Supersportler Nio EP9 schaffte eine Nürburgring-Rundenzeit von 6:47 Minuten, war also um fast eine Minute schneller. Und Volkswagens Elektro-Rennwagen, der ID R, legte sogar eine Zeit von 6:05 Minuten auf den Eifel-Asphalt.

Porsche ging es damals aber vermutlich gar nicht darum, die Rundenzeiten der anderen zu pulverisieren. Schließlich schickten die Schwaben auch keinen extra für diesen Zweck modifizierten Taycan auf den Asphalt, sondern laut Eigenangaben ein Vorserienmodell.

Die schnellen Runden am Nürburgring sollten aber auch einem Claim mehr Glaubwürdigkeit verleihen: Die Porsche-Ingenieure versichern nämlich, dass der Taycan mehrmals hintereinander ohne Leistungseinbuße oder Batterieschädigung beschleunigen kann. Das, so ließen sie auch bei der Taycan-Weltpremiere am 4. September durchblicken, könne Teslas Model S schlicht nicht.

Nach Berichten von Fachzeitschriften und Bildern auf Social Media-Kanälen ist Tesla aber auf den Nürburgring nicht mit einem herkömmlichen Serienmodell angetreten. Die Reifen waren extra für den Rennsport-Einsatz ausgelegt. Das Model S sei wohl auch gewichtsoptimiert und getunt, vermuteten Fachmedien im Vorfeld.

Tatsächlich verriet Tesla selbst in seinem Tweet, dass die Rekordfahrt mit einem "Model S Plaid" durchgeführt wurde - die Bezeichnung verwendete der Autobauer erst vor kurzem für einen neuen Antriebsstrang, der mit drei Elektromotoren statt bisher zwei aufwarten soll. Zum Serieneinsatz kommen soll der "Plaid"-Antrieb beim der nächsten Generation des Roadster, Model S und X.

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