Dienstag, 17. September 2019

Förderung läuft aus Norwegens Elektroauto-Märchen droht abruptes Ende

Parkende Elektroautos in Oslo: Norwegens Regierung will die Förderung für die Stromer zurückfahren

Der norwegische Automarkt sucht weltweit seinesgleichen: Weil der Staat Elektroautos mit Steuervorteilen und Sonderrechten stark fördert, ist der Anteil der Stromer auf kaum fassbare 23 Prozent gestiegen (in Deutschland betrug er zuletzt 0,7 Prozent).

Die drei bestverkauften Autos bei den Skandinaviern fahren allesamt mit Kraft aus der Steckdose. Vorn lag im März das Model S von Tesla, gefolgt vom VW E-Golf und dem Nissan Leaf.

Doch das Elektroauto-Märchen ist bedroht. Heute haben die Behörden das 50.000-ste Elektroauto zugelassen, wie das Wirtschaftsportal E24 berichtet. Damit ist die Zahl erreicht, ab der der Staat die umfangreichen Fördermaßnahmen für die Fahrzeuge überdenken oder sogar einstellen will.

BMW und Volkswagen sind alarmiert

Klare Ansagen, wie es nun weitergehen soll, gibt es nicht. Allerdings werden im regierenden Lager Stimmen laut, die Privilegien einzuschränken. Es müsse überdacht werden, ob die Mehrwertsteuerbefreiung (25 Prozent) aufrechterhalten bleibe, sagte die konservative Abgeordnete Linda Hofstad Helleland dem staatlichen Rundfunk.

Die Hersteller könnten abrupte Änderungen des Fördersystems nicht vertragen, warnte daraufhin BMW-Vertreter Kjetil Myhre. Für die Münchener ist Norwegen ein wichtiger Absatzmarkt. Im vergangenen Jahr verkauften sie dort fast so viele i3 (2040 Stück) wie in Deutschland (2231), obwohl hierzulande 16-mal mehr Menschen leben.

Volkswagen setzt in Norwegen sogar um ein Vielfaches mehr E-Golfs (2014: 2018 Stück) ab als in Deutschland (601). Kein Wunder: Die Steuerrabatte führen dazu, dass der gut ausgestattete E-Golf ungefähr genau so teuer ist wie das Einstiegsmodell mit Verbrennungsmotor. Der Elektro-Golf darf zudem Busspuren benutzen und vielerorts gratis parken.

Reichweitenangst ist in Norwegen kaum noch ein Thema. Der Boom der Batteriefahrzeuge hat dem Land ein äußerst dichtes Netz an Ladesäulen beschert.

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