Oslo macht Ernst mit Verbrenner-Aus Wie Norwegens Abschied von Diesel und Benzin die Autowelt verändert

Parkplatz für E-Autos in Norwegen

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Eine Nachricht aus Oslo hat bei Tesla-Chef Elon Musk am vergangenen Wochenende blanke Euphorie ausgelöst. "Was für ein unfassbar großartiges Land", jubilierte der Chef des US-Elektroautobauers über Twitter. "Ihr Typen rockt."

Was den Milliardär entzückte: Norwegen macht Ernst mit dem Abschied von Diesel und Benzin. Ab dem Jahr 2025 sollen in dem skandinavischen Land keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden. Darauf haben sich vier führende Parteien aus dem linken und rechten Spektrum geeinigt. Im März war bereits die Regierung mit diesem Vorschlag vorgeprescht.

"Es gibt ein Abkommen, dass ab 2025 keine Autos mehr verkauft werden, die von fossilen Brennstoffen angetrieben werden", bestätigte Umweltminister Vidar Helgesen über Twitter auf Anfrage des US-Magazins "Mashable" . Es handele sich zwar um kein formelles Verbot. Der Beschluss werde aber gleichwohl "harte Maßnahmen" nach sich ziehen.

Radikaler Schritt mit weitreichenden Konsequenzen

Obwohl Norwegen mit seinen fünf Millionen Einwohnern ein kleiner Automarkt ist, könnte der radikale Schritt weitreichende Konsequenzen für die gesamte Autoindustrie haben. Vor allem wenn das Beispiel Schule macht, dürften abgasfreie Fahrzeuge einen Schub bekommen. Bei einem derartigen Paradigmenwechsel würden die Karten in der Branche neu gemischt.

"Das ist ein Trend, den wir noch in anderen Ländern sehen werden", sagt Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler mit Blick auf Oslos Intervention. Norwegen habe sich bei Umweltgesetzen vielfach als Vorreiter erwiesen, dem andere folgen. "Es ist ein weiterer Schritt, den die Welt in Richtung emissionsfreies Fahren geht", sagt Pieper. "Diese Entwicklung ist praktisch nicht mehr aufzuhalten."

In Deutschland ist ein Verbrenner-Aus für 2030 im Gespräch

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Noch ist Norwegens Vorstoß weltweit einmalig und für sich genommen nicht von großer Bedeutung, wie auch Pieper betont. In anderen Staaten wie den Niederlanden, Indien und auch Deutschland steht ein fix terminierter Abschied vom Verbrennungsmotor allerdings ebenfalls auf der politischen Agenda.

So hatte der deutsche Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Baake ein Verbrenner-Aus für das Jahr 2030 vorgeschlagen, damit Deutschland seine Klimaziele erreicht. Bis 2050 will Deutschland seine CO2-Emissionen beinahe auf Null senken. Hinzu kommen zahlreiche Städte und Regionen in China, die den Verkauf von Diesel- und Benzinautos immer stärker einschränken.

"Ein Verbrenner-Verbot halten Teile der Politik in der EU bestimmt für eine sinnvolle Maßnahme", zeigt sich Autoindustrie-Experte Eric Heymann von DB Research jedoch skeptisch. "In Ländern mit eigener Autoindustrie sind derartige Verbote aber wohl nicht mehrheitsfähig."

Analyst: "So eine Politik muss man sich auch leisten können"

Zu Recht, sagt Heymann. Volkswirtschaftlich sei ein derartiges Verbot wie in Norwegen Gift - gerade für Länder mit bedeutender Fahrzeugbranche. "So eine Politik muss man sich auch leisten können. Sie ist einfacher, wenn ein Land keine eigene Autoindustrie hat."

Tatsächlich stellen sich Massenhersteller wie Volkswagen  , General Motors  und Toyota  eher mühsam auf die neue Autowelt ein und sehen eine strenge Abgasregulierung oder gar Verbote kritisch. Ein abrupter Wechsel zu neuen Antrieben würde extrem hohe Investitionen erfordern und manche bestehende Fabrik überflüssig machen.

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Dennoch reagiert Volkswagen recht entspannt auf die Kunde aus Oslo. "Wie lange Verbrennungsmotoren noch eingesetzt werden um das individuelle Bedürfnisse nach Mobilität zu befriedigen hängt von politischen Entscheidungen ab und auf diese sind wir vorbereitet", teilte das Unternehmen gegenüber manager-magazin.de mit.

In vielen Ländern sei nicht vor Mitte der 20er-Jahre mit einem wirklichen Umbruch zu emissionsfreien Autos zu rechnen. "In manchen Ländern, vermutlich in kleineren hochentwickelten Ländern, könnte der Umstieg auf die Elektromobilität schneller erfolgen." Wie eben in Norwegen.

"Wir sind in Norwegen ohnehin Marktführer bei Elektroautos", gibt sich ein Unternehmenssprecher zuversichtlich. In dem skandinavischen Land gebe es zudem ein "stimmiges Gesamtkonzept" für den Wechsel zu Elektroautos.

Fast jedes dritte verkaufte Fahrzeug ist in Norwegen bereits ein Elektrofahrzeug. Der Staat erlässt Autokäufern hohe indirekte Steuern, die auf herkömmliche Autos fällig werden. Zudem dürfen Elektroautos Busspuren benutzen und vielerorts kostenlos parken. Ein dichtes Ladesäulen-Netz erleichtert Fahrern das Stromtanken.

"Deutsche Hersteller haben viel zu verlieren"

In diesem Umfeld zeigt sich, wie rapide sich der Automarkt durch neue Antriebe ändern kann. Für Tesla ist Norwegen bereits jetzt einer der wichtigsten Märkte weltweit. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen dort 4000 Autos ab. Im 20-Mal größeren Markt Deutschland waren es nur 1500.

Bisher profitiert Tesla in Norwegen davon, dass das Unternehmen die reichweitenstärksten Modelle anbietet. Das Model S kommt mit einer Ladung um die 500 Kilometer weit. Doch Volkswagen hat eine Elektro-Offensive gestartet und verspricht, dass auch kleinere Elektroautos schon in wenigen Jahren so weit mit einer Stromladung weit fahren können. Auch dies erleichtere den Umstieg.

"Technisch ist den deutschen Herstellern die Marktführerschaft bei Elektroautos zuzutrauen", sagt Analyst Pieper. "Aber sie haben auch am meisten zu verlieren." Denn bei Elektroautos hätten Volkswagen und Co. keinen Vorsprung - anders als bei Verbrennungsmotoren.

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Je länger die Übergangszeit, desto besser sei das für die eingesessenen Autobauer. Pieper rechnet damit, dass in Westeuropa Autos mit Verbrennungsmotor noch etwa zehn Jahre länger zugelassen werden als in Norwegen - also bis 2035, in etwa drei Fahrzeug-Generationen.

Dass die etablierten Hersteller den Umstieg bis dahin geschafft haben könnten, hätten sie indes nicht nur ihrer eigenen Weitsicht zu verdanken. "Vielleicht betrachten die Autobauer den Abgasskandal bald als Glücksfall", sagt Pieper. Nämlich als eine Art technische Initialzündung. Der Vorstoß aus Oslo zur selben Zeit könnte diese Wirkung noch verstärken.