Mittwoch, 20. November 2019

Oslo macht Ernst mit Verbrenner-Aus Wie Norwegens Abschied von Diesel und Benzin die Autowelt verändert

Parkplatz für E-Autos in Norwegen

3. Teil: Volkswagen reagiert überraschend auf Norwegens Verbrenner-Abschied

Dennoch reagiert Volkswagen recht entspannt auf die Kunde aus Oslo. "Wie lange Verbrennungsmotoren noch eingesetzt werden um das individuelle Bedürfnisse nach Mobilität zu befriedigen hängt von politischen Entscheidungen ab und auf diese sind wir vorbereitet", teilte das Unternehmen gegenüber manager-magazin.de mit.

In vielen Ländern sei nicht vor Mitte der 20er-Jahre mit einem wirklichen Umbruch zu emissionsfreien Autos zu rechnen. "In manchen Ländern, vermutlich in kleineren hochentwickelten Ländern, könnte der Umstieg auf die Elektromobilität schneller erfolgen." Wie eben in Norwegen.

"Wir sind in Norwegen ohnehin Marktführer bei Elektroautos", gibt sich ein Unternehmenssprecher zuversichtlich. In dem skandinavischen Land gebe es zudem ein "stimmiges Gesamtkonzept" für den Wechsel zu Elektroautos.

Fast jedes dritte verkaufte Fahrzeug ist in Norwegen bereits ein Elektrofahrzeug. Der Staat erlässt Autokäufern hohe indirekte Steuern, die auf herkömmliche Autos fällig werden. Zudem dürfen Elektroautos Busspuren benutzen und vielerorts kostenlos parken. Ein dichtes Ladesäulen-Netz erleichtert Fahrern das Stromtanken.

"Deutsche Hersteller haben viel zu verlieren"

In diesem Umfeld zeigt sich, wie rapide sich der Automarkt durch neue Antriebe ändern kann. Für Tesla ist Norwegen bereits jetzt einer der wichtigsten Märkte weltweit. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen dort 4000 Autos ab. Im 20-Mal größeren Markt Deutschland waren es nur 1500.

Bisher profitiert Tesla in Norwegen davon, dass das Unternehmen die reichweitenstärksten Modelle anbietet. Das Model S kommt mit einer Ladung um die 500 Kilometer weit. Doch Volkswagen hat eine Elektro-Offensive gestartet und verspricht, dass auch kleinere Elektroautos schon in wenigen Jahren so weit mit einer Stromladung weit fahren können. Auch dies erleichtere den Umstieg.

"Technisch ist den deutschen Herstellern die Marktführerschaft bei Elektroautos zuzutrauen", sagt Analyst Pieper. "Aber sie haben auch am meisten zu verlieren." Denn bei Elektroautos hätten Volkswagen und Co. keinen Vorsprung - anders als bei Verbrennungsmotoren.

Je länger die Übergangszeit, desto besser sei das für die eingesessenen Autobauer. Pieper rechnet damit, dass in Westeuropa Autos mit Verbrennungsmotor noch etwa zehn Jahre länger zugelassen werden als in Norwegen - also bis 2035, in etwa drei Fahrzeug-Generationen.

Dass die etablierten Hersteller den Umstieg bis dahin geschafft haben könnten, hätten sie indes nicht nur ihrer eigenen Weitsicht zu verdanken. "Vielleicht betrachten die Autobauer den Abgasskandal bald als Glücksfall", sagt Pieper. Nämlich als eine Art technische Initialzündung. Der Vorstoß aus Oslo zur selben Zeit könnte diese Wirkung noch verstärken.

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