Elektro-Neuwagen im Gesamtjahr erstmals in der Mehrheit Audi lässt Tesla hinter sich - im Elektro-Eldorado Norwegen

Zum ersten Mal stellen Elektroautos in Norwegen die Mehrheit aller Neuwagen. Für den Volkswagen-Konzern bietet die Statistik einen besonderen Triumph: Seine Modelle verdrängten Tesla von der Spitze.
Marktführer - in Norwegen: Audi profitierte mit dem E-Tron vom Boom der Elektro-SUVs

Marktführer - in Norwegen: Audi profitierte mit dem E-Tron vom Boom der Elektro-SUVs

Foto: FRANCOIS LENOIR/ REUTERS

In Norwegen sind im vergangenen Jahr erstmals mehr Elektroautos verkauft worden als Fahrzeuge mit anderen Antrieben. 2020 machten Elektrofahrzeuge 54,3 Prozent aller verkauften Neuwagen im Land aus - ein Weltrekord, wie der norwegische Straßenverkehrsverband am Dienstag mitteilte. Im Jahr davor lag der E-Anteil bei den Neuzulassungen noch bei 42,4 Prozent. Am stärksten gefragt waren Elektromodelle des Volkswagen-Konzerns, der damit seinen US-Rivalen Tesla ausstach.

Im vergangenen Jahr kamen in Norwegen gut 141.000 Neuwagen auf die Straßen, 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon waren rund 76.800 vollelektrisch.

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Norwegen fördert den Verkauf von Elektroautos schon länger und hat sich zum Ziel gesetzt, ab 2025 keine Verbrenner mehr zuzulassen. "Unsere vorläufige Prognose ist, dass Elektroautos im Jahr 2021 einen Marktanteil von 65 Prozent erreichen werden", sagte Christina Bu von der Norwegian Electric Vehicle Association, einer Lobbygruppe für Elektromobilität. "Wenn wir das schaffen, wird das Ziel, im Jahr 2025 nur noch emissionsfreie Autos zu verkaufen, in Reichweite sein."

Norwegen räumt Elektroautobesitzern unter seinen gut fünf Millionen Einwohnern viele Vorteile ein – etwa den Verzicht auf Einfuhrzölle und Steuern für Elektroautos. Außerdem zahlen sie keine Maut auf Autobahnen und können in den Städten die Busspuren benutzen. Gebühren für das Parken auf öffentlichen Parkplätzen entfallen für Stromer weitgehend.

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Grund für den Durchbruch der Elektromobilität in dem nordeuropäischen Land ist also ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Mehr Ladesäulen allein sind es offenbar nicht: Die Beratungsfirma Berylls verweist darauf, dass sich in Deutschland rechnerisch etwa neun Elektroautos eine Ladestation teilen müssen, während es in Norwegen 23 seien. "Das Netz öffentlicher Ladepunkte ist offensichtlich nicht nur dünner als in Deutschland, sondern auch noch viel stärker ausgelastet", sagt Berylls-Autoexperte Andreas Radics. "Und obwohl es mittlerweile zu Wartezeiten an den Ladesäulen kommt, hält der E-Autoboom in Norwegen weiter an."

Die Verkäufe batteriegetriebener Autos beschleunigten sich in den letzten Monaten des abgelaufenen Jahres und erreichten nach Angaben des norwegischen Straßenverkehrsverbands im Dezember mit 66,7 Prozent den höchsten Stand in einem einzelnen Monat.

Die Liste der meistverkauften Autos in Norwegen führte 2020 die VW-Tochter Audi mit ihren Elektromodellen der E-Tron-Reihe an, die auf 9227 Neuzulassungen kamen. Der erst im September auf den Markt gebrachte VW ID.3 lag mit 7754 Exemplaren fast gleichauf mit Tesla Model 3, das 2019 noch als klarer Marktführer mehr als doppelt so häufig verkauft worden war. Insgesamt fiel die Marke Tesla, die fast ausschließlich von diesem einen Modell abhing, auf den sechsten Rang hinter Volkswagen, Toyota, Audi, BMW und Volvo zurück.

In diesem Jahr will der US-Elektroautohersteller das SUV-Modell Y auf den Markt bringen. Auch von Ford, BMW und Volkswagen gehen die ersten Elektro-SUVs an den Start. Einige Newcomer brachten schon 2020 jeweils einige tausend Neuzulassungen zustande, darunter das SUV MG ZS von Volkswagens chinesischem Partner SAIC, der Mercedes-Benz EQC oder der Polestar 2 von Volvos Elektroableger.

ak/Reuters
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