Finanziell „kein Bedarf“ Northvolt geht wohl später als geplant an die Börse

Northvolt gilt als eines der wichtigsten Start-ups Europas. Der Batteriezellenhersteller ist ein klarer Kandidat für die Börse. Mit dem IPO wollen sich die Schweden aber offenbar mehr Zeit lassen als gedacht.
Noch nicht Vollstrom Richtung Börse: Batteriehersteller Northvolt lässt sich mit dem IPO Zeit

Noch nicht Vollstrom Richtung Börse: Batteriehersteller Northvolt lässt sich mit dem IPO Zeit

Foto: PR

Wer nicht zwingend muss, überlegt sich aktuell einen Börsengang wegen der vielen Unsicherheiten sicher ganz genau. So offenbar auch Northvolt. Dass es noch 2022 mit dem IPO des schwedischen Batteriezellenherstellers eng werden würde, hatte sich schon länger abgezeichnet. 2023 schien aber realistisch. Nun erklärte Aufsichtsratschef Carl-Erik Lagercrantz (57) laut "Bloomberg" , das Unternehmen "innerhalb der nächsten zwei Jahre" an die Börse bringen zu wollen.

Man befinde sich in einer "guten Ausgangslage". Ein Börsengang bis 2024 sei "vernünftig", auch wenn Northvolt derzeit eigentlich kein weiteres Fremdkapital benötige. Am Dienstag gaben die Schweden dann allerdings bekannt, sich per Wandelanleihe weitere 1,1 Milliarden Dollar besorgt zu haben. Zu den 15 Geldgebern zählten unter anderem Goldman Sachs und Volkswagen. Zuvor hatte das 2016 gegründete Start-up bereits etwa 6,5 Milliarden Dollar eingesammelt, größter Anteilseigner war bisher Volkswagen mit 23,6 Prozent. Der Firmenwert wurde vor der jüngsten Finanzierungsrunde mit rund 12 Milliarden Dollar beziffert. Nach dem IPO hofft Northvolt Insidern zufolge auf eine Bewertung von mehr als 30 Milliarden Dollar.

Entscheidend sei, dass man Lieferverpflichtungen gegenüber seinen Kunden habe, so Lagercrantz. Um diese bedienen zu können, müssen die Schweden ihre Produktion hochfahren. Bestellungen aus der Autoindustrie im Wert von mehr als 55 Milliarden Dollar liegen vor, Northvolt ist bis Ende der 2020er Jahre ausverkauft.

Bislang ist ausschließlich die Fabrik im schwedischen Skellefteå in Betrieb, seit Ende 2021 produziert Northvolt dort. Erste Automobilhersteller wie VW und BMW beliefert das Unternehmen seit Mai dieses Jahres. Daneben fertigt Northvolt in Danzig Batteriemodule und betreibt ein "Lab" für Forschung und Entwicklung in Västerås, 100 Kilometer westlich von Stockholm.

2025 sollen in Göteborg und im schleswig-holsteinischen Heide etwa 50 Auto-Kilometer südlich von Husum weitere Giga-Fabriken ans Netz gehen. Nach dem Hochlauf will Northvolt Batterien mit einer Gesamtkapazität von 170 Gigawattstunden herstellen – damit würden die Schweden zum größten europäischen Batteriezellhersteller aufsteigen.

sey
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