Montag, 21. Oktober 2019

Angeschlagener Autobauer Nissan will sich mit milliardenschwerem Spartenverkauf retten

Nissan-Showroom in Tokio: Der Autobauer kämpft mit einem Gewinneinbruch, schwachen Verkäufen und einem Führungschaos
Jae C. Hong/AP
Nissan-Showroom in Tokio: Der Autobauer kämpft mit einem Gewinneinbruch, schwachen Verkäufen und einem Führungschaos

Der schwächelnde japanische Autobauer Nissan Börsen-Chart zeigen will Kreisen zufolge mit dem Verkauf seiner Teilehandelssparte frisches Geld in die Kasse spülen. Die Tochter Nissan Trading Corporation, die vor allem Ersatzteile und Materialien wie Stahl vertreibt, solle für eine Bewertung von rund einer Milliarde US-Dollar inklusive Schulden an einen neuen Eigner abgegeben werden, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf informierte Personen berichtete.

Angesprochen habe der Konzern unter anderem Finanzinvestoren und Handelsunternehmen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte die Teilesparte einen Umsatz von 676 Milliarden Yen erzielt (5,7 Milliarden Euro).

Nissan hat derzeit mit einem Gewinneinbruch, schwachen Verkäufen und einem Führungschaos zu kämpfen. Im ersten Quartal machte die Nummer zwei in Japan nach Toyota Börsen-Chart zeigen fast keinen Gewinn mehr: Von Januar bis März stürzte der operativen Gewinn um knapp 99 Prozent auf umgerechnet 13,3 Millionen Euro ab. Unter dem Strich schrumpfte der Gewinn um 95 Prozent. Der Umsatz verringerte sich um 12,7 Prozent. Um die Finanzlage wieder zu verbessern, will Nissan 12.500 der knapp 140.000 Stellen streichen.

Der Autobauer war nach der Verhaftung des ehemaligen Verwaltungsratschefs Carlos Ghosn im November 2018 in eine schwere Krise geraten. Ghosn werden Verstöße gegen das japanische Börsenrecht vorgeworfen. Er soll sich auf Kosten des Unternehmens um mindestens fünf Millionen Dollar bereichert haben, bestreitet die Vorwürfe aber. Auch das von ihm geschaffene und kontrollierte französisch-japanische Autobündnis zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi wackelt.

Der neue Vorstandschef, Hiroto Saikawa, tritt ebenfalls schon wieder zurück. Saikawa war in die Kritik geraten, nachdem er und andere Führungskräfte unangemessen hohe Zahlungen von ihrem Konzern erhalten haben sollen. Einem Bericht der japanischen Nachrichtenagentur Jiji Press zufolge hatte Saikawa die Zahlungen eingeräumt und versprochen, nicht ordnungsgemäß erhaltene Gelder zurückzuzahlen.

mg/dpa-afx

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