Milliardeninvestition Nissan baut Gigafabrik in England

Seit 1986 produziert Nissan Autos im britischen Sunderland. Dort soll nun auch eine riesige Batteriefabrik entstehen. Die Entscheidung ist unumgänglich, will der Konzern seine Autos weiter in die EU verkaufen.
Milliardeninvestition in England: Laut Nissans COO Ashwani Gupta soll die Gigafactory eine Kapazität von zunächst neun Gigawattstunden haben

Milliardeninvestition in England: Laut Nissans COO Ashwani Gupta soll die Gigafactory eine Kapazität von zunächst neun Gigawattstunden haben

Foto: Owen Humphreys / dpa

Der japanische Autokonzern Nissan will trotz Brexits kräftig in sein Werk im englischen Sunderland investieren. Dort soll künftig ein neues Elektroauto produziert werden. Auch ein komplett neues Werk für Batterien wollen Nissan und sein chinesischer Partner Envision AESC in der Stadt bauen. Die Anlage mit einer Kapazität von neun Gigawattstunden könne auf bis zu 35 Gigawattstunden ausgebaut werden, teilte Nissan am Donnerstag mit.

Mit den Batterien könnten zunächst 100.000 Elektrofahrzeuge im Jahr ausgerüstet werden. Die Investitionen der Partner zusammen mit öffentlichen Mitteln beliefen sich auf eine Milliarde Pfund (1,17 Milliarden Euro). Rund 6200 Arbeitsplätze würden dadurch inklusive Zulieferern in Großbritannien geschaffen. Nissan werde allein bis zu 423 Millionen Pfund ausgeben, um ein vollelektrisches Crossover-Fahrzeug der neuen Generation in dem Werk zu produzieren, in dem es bereits das Elektrofahrzeug LEAF und den Crossover-SUV Qashqai produziert.

"Unsere heutige Ankündigung wird unsere Bemühungen um CO2-Neutralität in Europa erheblich beschleunigen", sagte Nissan-Chef Makoto Uchida (54). Der britische Premierminister Boris Johnson (57) erklärte, Nissans Schritt sei "ein großer Vertrauensbeweis für Großbritannien und unsere hochqualifizierten Arbeiter im Nordosten". Zhang Lei, Gründer und CEO der Envision Group, erklärte, das Batteriewerk könnte auch andere große Hersteller beliefern und werde womöglich nach einer Kapazitätserweiterung E-Autobatterien exportieren - etwa nach Europa.

Durch den Brexit zum Handeln gezwungen

Der japanische Autobauer wurde allerdings auch durch den Brexit zum Handeln gezwungen. Das im vergangenen Jahr mit der Europäischen Union ausgehandelte Handelsabkommen ermöglicht zwar den freien Handel von Autos - allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: So müssen mindestens 40 Prozent des Fahrzeugwertes in Großbritannien oder der EU produziert werden. Ansonsten darf es nicht in der EU verkauft werden. Ab 2027 sind es sogar 55 Prozent. Derzeit kann eine aus China importierte Batterie schon mal die Hälfte des Verkaufspreises des Fahrzeugs ausmachen. Hinzu kommt, dass die britische Regierung ab 2030 keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr zulassen will.

Envision kooperiert auch mit Renault

Bisher ist China der größte Hersteller von Batterien für Elektroautos. Doch die europäischen Standorte holen langsam auf. Unterstützt von der Politik, die mit dem Aus für die Verbrenner auch einen Verlust von Hunderttausenden von Arbeitsplätzen befürchtet, kündigen immer mehr Autohersteller an, eigene Batteriefabriken hochziehen zu wollen.

Erst am Montag hatte der chinesische Envision-Konzern eine ähnliche Partnerschaft mit dem französischen Autobauer Renault verkündet. Demzufolge wollen die beiden Partner in Nordfrankreich bis zu zwei Milliarden Euro in eine Batteriefabrik investieren und 2500 Jobs schaffen. Renault und Nissan sind gemeinsam mit dem japanischen Hersteller Mitsubishi über eine Allianz verbunden.

Konkurrent Stellantis mit den Marken Opel, Peugeot und Fiat hat eine Batterieproduktion im nordfranzösischen Douvrin angekündigt. Der schwedische Hersteller Volvo hat sich mit dem VW-Partner Northvolt zusammengetan und will an einem europäischen Standort eine Gigafabrik mit einer Akku-Kapazität von jährlich bis zu 50 Gigawattstunden aufbauen. Und der Elektroautobauer Tesla plant seine Batteiefabrik im brandenburgischen Grünheide.

mg/Reuters
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