Sonntag, 21. April 2019

Erste Bilanz seit Ghosn-Verhaftung Nissan kippt Gewinnprognose und warnt Renault

Nissan-Chef Hiroto Saikawa

Der japanische Renault-Partner Nissan hat wegen schwächerer Nachfrage auf dem Weltmarkt seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. In der angespannten Atmosphäre soll es jetzt zu einem Treffen auf höchster Managementebene der beiden Autobauer kommen.

Der japanische Autobauer Nissan rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit niedrigeren Gewinnen. Wie der Konzern bei der ersten Bilanzvorlage seit der Verhaftung von Ex-Verwaltungsratschefs Carlos Ghosn am Dienstag mitteilte, dürfte zum Bilanzstichtag 31. März ein Gewinn von 410 Milliarden Yen (3,7 Milliarden Euro) anfallen. Bisher war der Autobauer noch von 500 Milliarden Yen ausgegangen. Die Umsätze dürften sich laut Nissan auf 11,6 statt 12 Billionen Yen belaufen.

Der Partner Renault wird an diesem Donnerstag über die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres 2018 berichten.

In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres brach der GEwinn um 45,2 Prozent auf 316,6 Milliarden Yen ein. Der Umsatz stieg dagegen leicht um 0,6 Prozent auf 8,58 Billionen Yen. Auf dem wichtigen Markt in Nordamerika sank der Absatz zum Jahresende 2018 deutlich, auch in Europa gab es kräftige Einbußen.

Sitz in Japan in Haft: Carlos Ghosn, ehemals Chef von Nissan und Renault

Der 64-jährige Ghosn war vor drei Monaten in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Vor Gericht hatte der Top-Manager seine Unschuld beteuert und vermutete einen Komplott gegen ihn. Er ist Architekt der Autoallianz aus Renault sowie den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi. Die Japaner hatten ihn kurz nach der Verhaftung gefeuert.

Ghosn hat noch Posten bei Renault

Bei Renault trat der in Japan weiter in Untersuchungshaft sitzende Ghosn kürzlich als Konzernchef zurück, hat aber noch Posten bei dem französischen Konzern. Er sitze weiter im Verwaltungsrat und habe Mandate bei Tochtergesellschaften, teilte Renault am Dienstag mit. Seine Aufgaben bei Renault wurden aufgespalten. Jean-Dominique Senard übernahm den Präsidentenposten und ist auch für die von Ghosn entworfene Allianz mit dem Nissan verantwortlich. Laut japanischen Medienberichten will Senard am Donnerstag nach Japan kommen, um sich mit Nissan-Chef Hiroto Saikawa zu zweitägigen Gesprächen zu treffen.

Nissan-Chef warnt vor zu großer Machtanhäufung

In der Allianz mit Renault sei es wichtig, dass jeder Partner Eigenständigkeit besitze, sagte Saikawa. Eine übermäßige Machtanhäufung wie unter Ghosn müsse künftig vermieden werden, warnte Nissan. Die Affäre um Ghosn hat die Partnerschaft zwischen den Franzosen und den Japanern belastet. Renault hatte am Wochenende nach einem Pressebericht das Vorgehen Nissans bei internen Ermittlungen deutlich kritisiert. Anwälte von Renault hätten "ernsthafte Bedenken über die eingesetzten Methoden" von Nissan geäußert. Renault habe Nissan demnach "Entgleisungen" vorgeworfen.

Zugleich scheint die ungleiche Machtverteilung in der Allianz wieder zum Thema zu werden. Nissan produziert viel mehr Autos als Renault, Renault aber hält doppelt so viele Aktien am Nissan-Konzern wie Nissan an Renault - die zudem noch ohne Stimmrecht sind.

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