Montag, 22. April 2019

Nissan bestätigt Allianz mit Renault und Mitsubishi Ghosns Antrag auf Freilassung gegen Kaution erneut abgewiesen

Carlos Ghosn: Antrag auf Freilassung gegen Kaution abgewiesen - Prozess beginnt wahrscheinlich am 10. März

Nissan will nach dem Sturz von Top-Manager Carlos Ghosn an der Auto-Allianz mit Renault und Mitsubishi festhalten. "Bei Nissan, Renault oder Mitsubishi gibt es niemanden, der ohne diese Allianz auskommen will", sagte der geschäftsführende Direktor Hiroto Saikawa der französischen Zeitung "Les Echos". Das Bündnis sei "entscheidend". Er werde nie etwas tun, was diese Struktur schädigen oder schwächen würde. Dass es sich beim Fall Ghosn um einen Komplott handeln könnte, wies Saikawa zurück.

Ghosn ist Architekt der internationalen Kooperation aus Renault, Nissan und Mitsubishi. Nur wenige Tage nach seiner Festnahme am 19. November vergangenen Jahres hatten ihn Nissan Börsen-Chart zeigen und Mitsubishi Motors vom Posten des Verwaltungsratschefs abgesetzt. Daraufhin wurde spekuliert, die Japaner hofften, den Einfluss des vom Staat gestützten französischen Partners auf das eigene Management zu reduzieren und die Allianz ausgewogener zu gestalten.

Derweil wurde am Dienstag bekannt, dass der Ghosn weiter im Gefängnis bleiben muss. Ein Gericht in Tokio lehnte neuerlichen den Antrag des Managers auf Freilassung gegen Kaution ab. Beobachter hatten dies erwartet. In Japan ist es unüblich, Angeklagte, die die Vorwürfe bestreiten, gegen Kaution vor Prozessbeginn aus der Haft zu entlassen. Dennoch legte ein Anwalt Ghosns Berufung gegen die Gerichtsentscheidung ein. Sollte die Gerichtsentscheidung bestätigt werden, dürfte Ghosn mindestens bis zum 10. März in Haft bleiben. Dann soll der Prozess gegen ihn beginnen. Noch am Wochenende hatte die Frau von Ghosn die Haftbedingungen für ihren Ehemann bemängelt.

In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft in Tokio derweil zwei weitere Anklagen wegen Finanzverstößen gegen den Manager erhoben. Der 64-Jährige soll nicht nur in den fünf Jahren bis 2015, sondern auch in den vergangenen drei Geschäftsjahren seine Einkünfte zu niedrig angegeben haben. Zudem warfen die Strafverfolger Ghosn schweren Vertrauensbruch vor. Der Staatsanwaltschaft zufolge drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Ghosn sagt, er sei "unrechtmäßig angeklagt".


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Einst wurde Ghosn dafür gefeiert, dass er Nissan vor der Pleite gerettet hat. Seit er festgenommen wurde, wankt die Auto-Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. Der Manager war die treibende Kraft hinter dem Bündnis. Während Ghosn wegen des Finanzskandals bei Nissan und Mitsubishi seiner Ämter enthoben wurde, muss er seinen Chefposten bei Renault bisher nur ruhen lassen. Der französische Autobauer hat bei der Überprüfung der Manager-Gehälter im Leitungsgremium keinen Betrug festgestellt.

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Die französische Regierung, der größte Aktionär von Renault, steht hinter dieser Entscheidung - es sei denn, Ghosn werde durch die japanische Untersuchungen "außer Gefecht gesetzt", hieß es in Paris am Montag. Am Dienstag werde es wahrscheinlich "wichtige Entwicklungen" in Bezug auf diese Frage geben, sagte ein Beamter.

dpa-afx/rtr/afp/akn

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