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Tesla triumphiert in der Luxusklasse: Wie Elon Musk die deutschen Autobauer vorführt

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Model S mischt Oberklasse auf Wie Tesla deutschen Autobauern zusetzt

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Tesla triumphiert in der Luxusklasse: Wie Elon Musk die deutschen Autobauer vorführt

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Lange haben die Vorstände von Deutschlands großen Autoherstellern den kalifornischen Elektroauto-Pionier Tesla Motors  auf die leichte Schulter genommen. Dessen erstes Modell, der Tesla Roadster, zog seine Energie aus tausenden Laptopbatterien, die samt Elektronik in der simplen Karosserie eines Lotus-Sportwagens steckten. Diese wilde Mischung, so urteilten detailverliebte Ingenieure in Niedersachsen und Bayern, würde ihren Präzisions-Fahrzeugen kaum gefährlich werden.

Doch Mitte 2012 haben die Kalifornier das Model S nachgelegt - ein Elektroauto mit Oberklasse-Optik, Riesen-Touchscreen und Beschleunigung auf Sportwagen-Niveau. Und nun zeigen neue Zahlen, dass sich amerikanische Emporkömmling Tesla tatsächlich zum ernstzunehmenden Oberklasse-Konkurrenten für Mercedes, BMW, Audi und Porsche mausert - nicht nur in den USA, sondern auch in Europa.

Etwa in der Schweiz, ein zwar kleiner, für Oberklasse-Autos aber interessanter und lukrativer Markt. Dort schlug Tesla im ersten Halbjahr 2015 die direkten deutschen Oberklasse-Mitbewerber deutlich, zeigen Zahlen des Importeurs-Verbands Auto Schweiz: Das Model S hielt von Januar bis Juni bei 638 Neuzulassungen, Mercedes S-Klasse lag bei 415 Neuzulassungen. Audis A8, der 7er-BMW und Porsches Panamera kamen bei den Eidgenossen im vergangenen Halbjahr auf nur zweistellige Zulassungszahlen, BMWs 6er und der Audi A7 waren knapp dreistellig.

Dabei gibt es in der Schweiz - wie auch in Deutschland - kaum staatliche Zuschüsse beim Kauf eines Elektroautos. Wie stark Elektroauto-Subventionen den Absatz ankurbeln können, zeigt sich bei Deutschlands nördlichem Nachbarn Dänemark.

Dudenhöffer: Tesla Model S auf Platz 3 der deutschen Oberklasse-Zulassungen

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Deutsche Luxus-Elektroautos: Hier kommen die Tesla-Fighter

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Die Dänen fördern Elektroautos, indem sie die Zulassungssteuer beim Kauf von Stromern komplett erlassen - und die ist üblicherweise saftig. Denn bei der Zulassung werden bis zu 180 Prozent auf den Neuwagenpreis als Abgabe fällig. So ist auch zu erklären, dass Teslas Model S im ersten Halbjahr auf 511 Neuzulassungen kam - während Oberklasse-Fabrikate deutscher Hersteller Mühen hatten, auf zweistellige Zulassungszahlen zu kommen.

Die Geschwindigkeit, mit der Tesla in die Spitzengruppe der Oberklasse-Modelle vorfährt, muss deutschen Konzernstrategen zu denken geben. Bald will Tesla mit einem SUV angreifen - und in spätestens zwei Jahren auch in der Mittelklasse präsent sein.

Auch in Deutschland ist Tesla mit seinem Model S nach anfänglichen Startschwierigkeiten auf dem Vormarsch. Im ersten Halbjahr wurden 696 Model S-Limousinen zugelassen, zeigen die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) - ein Plus von 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegt Tesla zwar im Oberklasse-Segment deutlich hinter deutschen Fabrikaten wie der S-Klasse (3884 Stück) oder dem Audi A7 (2657 Stück) und insgesamt nur auf Rang neun.

Allerdings hat Tesla im Oberklasse-Segment den höchsten Anteil an Privatkunden. Und das lässt Tesla nach einer Marktdefinition des Branchenkenners Ferdinand Dudenhöffer, Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen , in Deutschland wesentlich besser dastehen, als es die nackten Zulassungszahlen ausdrücken: In seiner neuen Studie bereinigt Dudenhöffer die KBA-Zahlen um taktische Zulassungen und Leasingverkäufe und platziert Tesla so auf Rang drei. Zum Vergleich: Andere Import-Marken wie die Top-Modelle von Toyotas Luxusmarke Lexus oder GMs Cadillac kommen jährlich nur mit Mühen auf dreistellige Zulassungszahlen.

In den USA liegt Tesla bereits vor BMW, Porsche und Audi

In den USA, wo Mercedes, BMW und Porsche bislang die Luxusklasse dominierten, spielt Tesla seinen Heimvorteil aus. Im ersten Halbjahr hat Tesla in seinem Heimatmarkt knapp über 10.000 Stück seines Model S verkauft. Nur Mercedes' S-Klasse lag da noch etwas darüber, die Oberklasse-Limousinen von Porsche, BMW und Audi ließen die Kalifornier bereits deutlich hinter sich. Dabei darf Tesla wegen Rechtsstreitigkeiten seine Elektroautos nicht in allen US-Bundesstaaten verkaufen.

Tesla ist noch kein vollwertiger Konkurrent für die Deutschen

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Exklusive Privatbilder des Tesla-Chefs: Die wichtigsten Stationen in Elon Musks Leben

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Dabei kann Tesla bislang nur einen Bruchteil der Modellpalette der deutschen Konkurrenten liefern. Tesla produziert nach wie vor nur ein einziges Modell, während jeder deutsche Nobel-Hersteller auf mindestens sechs Baureihen kommt. Die Kalifornier unter der Führung des Unternehmers Elon Musk (mehr zu seinem Führungsstil hier) haben zuletzt zudem den Start ihres Strom-SUVs Model X mehrfach verschoben, nun soll es im Herbst so weit sein.

Das kompaktere und deutlich günstigere Model III ist zwar angekündigt, Prototypen des Autos gab es aber noch nie zu sehen. Mit bislang gerade einem Modell und Projekten wie einer Riesen-Batteriefabrik, die hohe Ausgaben erfordern, steht Teslas Erfolg auf wackeligem Fundament.

Die deutschen Luxusauto-Hersteller werden zum Gegenangriff übergehen müssen. Denn sie walzen auf ein großes Problem zu: Zwar werfen ihre Oberklasse-Limousinen und Nobel-Geländewagen satte Gewinne ab. Doch bis 2020 müssen sie ihren CO2-Verbrauch deutlich senken. Das fällt ihnen zunehmend schwerer, da ihre Kunden am liebsten PS-starke Autos und SUVs kaufen. Elektroautos und Plugin-Hybridfahrzeuge hingegen scheuen die Autokäufer wegen des hohen Preises und einer bislang lückenhaften Ladeinfrastruktur. Tesla lockt seine Käufer auch mit in der Branche unüblichen Diensten, die von drahtlosen Upgrades für die Fahrzeuge bis hin zu Gratis-Schnellladestationen reichen. Solche Rundum-Sorglos-Pakete bieten deutsche Hersteller bisher nicht.