Neues Autowerk VW kämpft mit Problemen in Westchina

Die Wolfsburger sehen es als Pioniertat: Als erster großer Autohersteller eröffnet Volkswagen ein Werk in der westchinesischen Provinz Xinjiang. Doch die Region gilt als Unruheherd, die brisante politische Lage erschwert auch den Fabrikbau.
Chinesischer VW Bora: VW sieht beim Bau seines Werks in Westchina "viele Herausforderungen"

Chinesischer VW Bora: VW sieht beim Bau seines Werks in Westchina "viele Herausforderungen"

Foto: Feng Li/ Getty Images

Peking - Für den Autoriesen Volkswagen  ist es ein vergleichsweise überschaubares Investment: 170 Millionen Euro stecken die Wolfsburger in ein neues Werk im Westen Chinas. In Urumqi in der westchinesischen Wüstenprovinz Xinjiang sollen bald 50.000 Autos pro Jahr vom Band laufen.

Im Vergleich zu anderen China-Werken ist das aber nicht mehr als ein vorsichtiger Anfang. Denn die größten Volkswagen-Werke in China haben oft die sechsfache Jahreskapazität. Dennoch ist das Werk in Westchina für Volkswagen ein Wagnis. Denn bislang war die Region in China nicht für ihre Autoproduktion bekannt - sondern eher für Auseinandersetzungen zwischen den Han-Chinesen und der muslimischen Minderheit der Uiguren.

Die brisante politische Lage in der Provinz erschwert offenbar auch den Fabriksbau. Denn Volkswagen hat "viele Herausforderungen" beim Bau eines neuen Werkes in der westchinesischen Wüstenprovinz Xinjiang eingeräumt. "Es ist keine Frage, dass wir dort Aufbauarbeit leisten", sagte ein VW-Sprecher.

Als erstem Pkw-Bauer in der Region käme VW eine Pionierrolle zu. Das Werk werde aber wie geplant in der zweiten Jahreshälfte 2013 eröffnet. Das Unternehmen habe sich zum Ziel gesetzt, alle Bevölkerungsgruppen der Provinz zu beschäftigen. "Damit wollen wir ein Zeichen setzen." Dafür müsse etwa Personal der muslimischen Minderheit der Uiguren noch geschult werden.

Entlegene Regionen werden für Autohersteller attraktiver

"Wenn man irgendwo als erster produziert, muss man sich vielen Herausforderungen stellen", sagte der Sprecher. Bislang seien das Presswerk und die Lackiererei noch nicht fertig. Die Provinzregierung kümmere sich um die Logistik. VW habe auch in anderen Regionen Chinas eine Vorreiterrolle übernommen, und in wenigen Jahren werde auch niemand mehr an dem Werk in Westchina zweifeln.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte berichtet, VW habe Schwierigkeiten in Xinjiang offenbar unterschätzt und auf Probleme bei Lieferanten, Personal und Logistik verwiesen.

Chinas Regierung ruft seit einigen Jahren chinesische und ausländische Firmen auf, sich stärker im Westen des Landes zu engagieren. Das von der muslimischen Minderheit der Uiguren bewohnte Xinjiang gilt seit Langem als Unruhegebiet. In den vergangenen Monaten gab es wieder blutige Zwischenfälle. Die chinesische Regierung wirft uigurischen Gruppen separatistische Bestrebungen und Terrorakte vor. Das Turkvolk fühlt sich durch die chinesische Fremdherrschaft politisch, religiös und auch wirtschaftlich unterdrückt.

Für europäische Firmen in China werden die entlegeneren Regionen des Landes jedoch immer attraktiver. Seit der Wohlstandsgürtel an der Küste zunehmend gesättigt scheint und dort auch die Löhne steigen, suchen Autobauer und andere Unternehmen im Westen neue Produktionsstandorte und Märkte - insbesondere in den sogenannten Millionenstädten der "zweiten Ebene". Volkswagen-Werke in Chengdu im Südwesten und Changsha in Zentralchina sind dafür Beispiele.

wed/dpa
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