Samstag, 7. Dezember 2019

Gewinn und Marge bröckeln China bringt BMW-Prognose in Gefahr

BMW-Konzeptauto auf der Automesse in Peking: Der neue BMW-Chef Harald Krüger muss wegen der Probleme in China ein enttäuschendes Ergebnis verkünden

Probleme in China, der erstarkte Rivale Mercedes-Benz und höhere Kosten für Forschung und Entwicklung haben den erfolgsverwöhnten Autobauer BMW im zweiten Quartal belastet. Die Probleme in China gefährden die Gewinnprognose.

Der neue BMW-Chef Harald Krüger ist mit einem Gewinnrückgang ins Amt gestartet. Das Konzernergebnis vor Steuern sank im zweiten Quartal um 2,7 Prozent auf 2,58 Milliarden Euro, teilte der Autobauer am Dienstag mit. Die Aktie von BMW Börsen-Chart zeigen rutschte daraufhin um mehr als 2 Prozent ab und fiel ans Dax-Ende.

Angesichts der zuletzt rückläufigen Verkaufszahlen in China nimmt BMW Börsen-Chart zeigen in der Volksrepublik den Fuß vom Gas: Der Autobauer stelle sich "mit Produktionsanpassungen auf ein niedrigeres Wachstum" in China ein und baue Lagerbestände im Handel ab, sagte Finanzchef Friedrich Eichiner am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Dies habe vor allem die lokale Produktion des 3er betroffen, der ohnehin kurz vor einer Modellüberarbeitung steht. Generell habe der Konzern die Produktion gegenüber dem Absatz um 16.000 Einheiten zurückgefahren.

Bei BMW war im Mai erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt der Absatz in China geschrumpft. Zudem fielen die Preise vor Ort, Wechselkurseffekte taten ein Übriges. Dem Finanzchef zufolge erhielten die Münchner im zweiten Quartal aus der Volksrepublik 156 Millionen Euro Gewinnbeitrag, das sind 23 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Im zweiten Halbjahr müsste sich der Beitrag aus China stabilisieren, kündigte Eichiner an. Angesichts neuer und überarbeiteter Modelle wie dem absatzstarken 3er und dem 7er rechne er für die zweite Jahreshälfte schon mit Wachstum in China. "Es wird definitiv nicht zweistellig sein."

Sollte sich die Situation in der Volksrepublik negativer entwickeln, könnte dies auch Auswirkungen auf die Prognose haben, sagte der Finanzchef. Davon gehe er aber im Moment nicht aus.

Rendite schrumpft auf 8,4 Prozent

Der Rückgang trifft auch das Kernsegment Automobile, wo BMW nach wie vor eine Rendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) zwischen acht und zehn Prozent erwartet. Im zweiten Quartal schrumpfte die Marge auf 8,4 (VJ: 11,7) Prozent. Damit lag BMW hinter den Konkurrenten Mercedes mit 10,7 Prozent und Audi mit 9,9 Prozent.

Vor allem Rolls-Royce leidet darunter, dass die Chinesen angesichts von wirtschaftlicher Abkühlung, hartem Kampf gegen Korruption und Turbulenzen an der Börse nur wenige Luxusautos kaufen. Konkurrent Audi und dessen Konzernmutter Volkswagen schraubten bereits wegen der Schwäche in China jüngst die Absatzprognosen zurück. Rivale Daimler Börsen-Chart zeigen glänzte dagegen, auch in der Volksrepublik.

BMW-Kernsparte schneidet schwächer ab

Die Enttäuschung der Anleger dürfte auch an dem überraschend schwachen Abschneiden der Kernsparte liegen:

In der Kernsparte Automobile enttäuschte BMW die Erwartungen: Hier schrumpfte der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 15,8 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro. Zu Buche schlug die Abkühlung im wichtigen Absatzmarkt China, der Ergebnisbeitrag von dort sank. Zudem verkauften die Münchner mehr kleine und kompakte Fahrzeuge, die weniger abwerfen.

"Der Umsatz fällt viel besser als erwartet aus, das Ergebnis liegt aber nur im Rahmen der Erwartungen. Die entsprechend enttäuschende Marge drückt auf den Kurs", kommentierte Experte Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel die Zahlen. Im Autogeschäft habe der Gewinn sogar die Erwartungen verfehlt.

Rückenwind erhofft sich BMW von neuen Modellen. Der neue 7er, das Flaggschiff des Konzerns, kommt im Herbst auf den Markt. BMW hat seit Jahresbeginn weitere 3200 Stellen geschaffen und beschäftigt jetzt weltweit rund 119.500 Mitarbeiter.

Von der Fast-Pleite zum Luxusauto-Primus: Der Aufstieg von BMW

la/rei/rtr/dpa

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