Neue Halberg Guss - Streit mit Volkswagen VW-Schreck Prevent will Gießerei-Verkauf zurückdrehen

Monatelang kämpften die Beschäftigten der Halberg Guss für den Erhalt der Arbeitsplätze

Monatelang kämpften die Beschäftigten der Halberg Guss für den Erhalt der Arbeitsplätze

Foto: DPA

Ende November sah es so aus, als sei das Bangen um die Zukunft des Autozulieferers Neue Halberg Guss (NHG) nun endlich zu Ende: Nach monatelanger Suche fand sich ein Investor, der die beiden NHG-Gusswerke in Saarbrücken und Leipzig übernehmen wollte. Der seit Jahren schwelende Streit zwischen dem bosnischen Autozulieferer Prevent und dem Volkswagen-Konzern schien damit zumindest in Deutschland zu Ende zu sein.

Doch nun gibt es erneut Unruhe um den Verkauf : Der bisherige Eigentümer Prevent will den Verkauf nachträglich abblasen. Ein Sprecher erklärte im Auftrag der Prevent-Gruppe Ende vergangene Woche, man werde vom "vertraglichen Rücktrittsrecht Gebrauch machen".

Als Grund wurde genannt, dass der Großkunde Volkswagen  durch einen Pfändungsbeschluss Anspruch auf Rechte am NHG-Vermögen erhebe. Wichtige Grundlagen des beschlossenen Verkaufs an ein Konsortium seien so nicht mehr gegeben. Laut "Saarbrücker Zeitung" habe sich VW in einem Eilverfahren am Landgericht Braunschweig Zugriff auf knapp 50 Millionen Euro aus dem NHG-Verkauf gesichert.

Die Konsequenz eines abgeblasenen Verkaufs beschrieb Prevent so: "Die vor einigen Wochen angekündigten Sanierungsmaßnahmen mit einem Abbau von mehr als 200 Stellen in Saarbrücken und der Schließung des Werks in Leipzig zum 31. März 2019 müssen damit kurzfristig beginnen."

Das sehen VW und Deutz, die als Großkunde die Übernahme von Halberg Guss unterstützt hatten, anders. "Die Sicherungsmaßnahmen haben keinen Einfluss auf den erfolgten Verkauf der NHG", erklärte eine Sprecherin. Die strittige Summe beziehe sich auf den Kaufpreis, den Prevent gefordert habe, nicht auf den Gesamtwert des Firmenvermögens. "Die Werke könnten damit sofort unter neuer Führung produzieren, während Volkswagen und Prevent die Ansprüche gerichtlich klären lassen." Die Rückabwicklung des Verkaufs sei "völlig unverständlich".

Auch bei Deutz sieht man die Transaktion als abgeschlossen an. "Die neue Eigentümerstruktur ist klar", hieß es dort am Montag. Die Produktion laufe und Deutz werde weiter beliefert.

Nach Darstellung von Prevent, das von der bosnisch-deutschen Familie Hastor kontrolliert wird, hat der Wolfsburger Autobauer beim Landgericht Braunschweig einen Antrag auf das Pfändungsverfahren gestellt. "Durch diesen Schritt ist eine wesentliche Bedingung für den Verkauf des operativen Geschäfts der Neue Halberg Guss nicht mehr erfüllt", ließ Prevent erklären. Die NHG werfe den Käufern auch vor, die Vertraulichkeitsklauseln zum Vertrag gebrochen und so den Gerichtsentscheid erst möglich gemacht zu haben, so die "Saarbrücker Zeitung". VW hingegen betonte, man habe das Verfahren wegen der viel zu hohen Produktpreise angestrengt, die NHG im Jahresverlauf verlangt hatte.

Ende November war eigentlich schon die Übernahme der NHG durch eine andere Gruppe besiegelt worden, die vom Münchner Sanierungsberater "One Square Advisors" beraten wird. Der neue NHG-Besitzer sperrt sich gegen die von Prevent angekündigte Rückabwicklung.

Laut einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" hat die Käufergruppe erst am Freitag vermeldet, dass der Verkauf vollzogen und im Grundbuch eingetragen sei. Man habe die Gießereien samt Mitarbeitern rechtmäßig übernommen und wolle die Produktion am Montag starten. Deshalb, so erklärten die NHG-Käufer, werde der Verkauf nun auch nicht rückabgewickelt. "Der Deal ist abgeschlossen. Alles weitere wird man jetzt sehen - notfalls vor Gericht", sagte ein Sprecher der Käufer der Leipziger Volkszeitung.


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Mit rechtlichen Scharmützeln hat die Prevent-Gruppe in den vergangenen Jahren einige Erfahrung gesammelt. Jahrelang stritt die Familie Hastor mit VW erbittert um Lieferkonditionen. Der Lieferstopp zweier deutscher Prevent-Töchter brachte im Sommer 2016 die Produktion bei Volkswagen zum Erliegen. Seither löst sich Volkswagen schrittweise von sämtlichen Lieferverträgen, an denen Prevent-Tochterunternehmen beteiligt sind.

Die Gießereigruppe Neue Halberg Guss hatte Prevent erst Anfang 2018 übernommen. VW wollte deshalb kurzfristig aus den Lieferverträgen aussteigen, Prevent erhöhte daraufhin die Preise für die verbleibenden Lieferungen kräftig. Dennoch ist mit VW der wichtigste NHG-Kunde weggefallen, weshalb Prevent bei NHG harte Sanierungsmaßnahmen durchsetzen wollte. Sollte sich kein Investor finden, wollte die Prevent-Gruppe bis Ende März 2019 das Werk in NHG-Werk in Leipzig mit 700 Beschäftigten schließen zu wollen. Zudem sollten in Saarbrücken mehrere hundert Arbeitsplätze abgebaut werden.

dpa/akn/wed