Nach dem Untergang der „Felicity Ace“ Friedhof der Luxusautos

Über 3000 Meter tief auf dem Meeresboden liegt der Frachter „Felicity Ace“, der mit tausenden Luxusfahrzeugen beladen in Brand geraten und später gesunken war. Was die Automobilbranche als Versicherungsfall einstuft, lässt Umweltschützern keine Ruhe. Gibt es Chancen, die Fracht zu bergen?
"Car-tastrophe": Nach tagelangen Löscharbeiten sank der Autofrachter "Felicity Ace" (Aufnahme vom 1. März) mit seiner wertvollen Ladung - und liegt nun in 3000 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund vor den Azoren

"Car-tastrophe": Nach tagelangen Löscharbeiten sank der Autofrachter "Felicity Ace" (Aufnahme vom 1. März) mit seiner wertvollen Ladung - und liegt nun in 3000 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund vor den Azoren

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HANDOUT / AFP

Der Brand des Autotransporters "Felicity Ace" im Februar auf hoher See war tagelang in den Schlagzeilen, der Untergang des 2005 erbauten Schiffs mit tausenden Luxusautos an Bord ließ viele Fragen offen. Dass der Carcarrier, der nun nahe der portugiesischen Azoren mehr als 3.000 Meter tief unter der Wasseroberfläche liegt, noch geborgen werden kann, halten Havarieexperten allerdings für ausgeschlossen. Zu aufwendig und zu risikoreich wäre eine solche Aktion. Und gewiss auch zu teuer. So kostete bereits die Bergung des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia", das 2012 vor der Insel Giglio einen Felsen gerammt und in Schieflage geraten war, etwa 1,5 Milliarden Euro.

"Eine Bergung der 'Felicity Ace' ist wegen der Tiefe, in der sich der Frachter mittlerweile befindet, leider kaum möglich", sagt auch Manfred Santen, Chemiker bei Greenpeace im Team Meeresschutz. Er äußert aber zugleich seine Besorgnis wegen dieser Situation: "Es ist bedenklich, dass das Schiff mit den vielen Fahrzeugen nun diesem hohen Druck weit unter der Meeresoberfläche ausgesetzt ist. Was genau bei dem in dieser Tiefe vorherrschenden Druck passiert, ist schwer abzuschätzen. In jedem Fall ist die Freisetzung von Schadstoffen zu erwarten."

Der Volkswagen-Konzern hält sich unterdessen bedeckt mit Informationen zu dem Unglück, obwohl die untergegangene Schiffsladung überwiegend aus knapp 4.000 Neuwagen der unterschiedlichen Konzernmarken VW, Audi, Porsche oder auch Bentley bestand. Hinzu kamen Einzelanfertigungen wie ein Porsche  Boxster Spyder oder das Sondermodell Ultimae des Lamborghini Aventador. Zudem finden sich Berichte über weitere Verluste, zum Beispiel Fahrzeuge wie den 1977er Land Rover Santana oder einen 1996er Honda Prelude .

Versicherungsschaden 500 Millionen Euro

"Wir bedauern den Untergang der "Felicity Ace" und haben großen Respekt vor der Leistung aller Einsatzkräfte", so ein Volkswagen-Sprecher. "Wir sind erleichtert über die Information der Reederei, dass die Besatzung des Schiffs vollständig gerettet wurde. Der Volkswagen Konzern ist nicht der Besitzer des Schiffs und kann daher zum Schiff selbst, zur Havarie, dem Untergang und seinen Umweltauswirkungen nichts sagen."

Laut dem Unternehmenssprecher sind die Schäden an den geladenen Fahrzeugen jedoch versichert. "Die Schiffsladung war für den amerikanischen Markt bestimmt. Marken und Händler haben begonnen, ihre Kunden zu informieren und individuelle Lösungen zu finden", so der Sprecher.

Externe Experten beziffern den entstandenen Versicherungsschaden auf rund 500 Millionen Euro – für das Schiff der japanischen Reederei MOL Ship Management und die Fahrzeuge zusammen.

Den Schaden der Car-tastrophe trägt vor allem die Natur

Die Schäden für die meisten Abnehmer der Fahrzeuge werden sich in diesem auch als "Car-tastrophe" bezeichneten Fall also voraussichtlich nur auf zeitliche Verzögerungen begrenzen. Doch das ökologische Problem mit Bränden auf Schiffen und Havarien besteht weiterhin. "Die Unfälle mit einer Meeresverschmutzung als Folge nehmen zu, beinahe täglich gehen insbesondere Container auf hoher See verloren", so Greenpeace-Experte Santen, "generell stellen Elektronikbauteile und insbesondere Elektrofahrzeuge ein Risiko für jeden Transport dar."

Wegen der hohen Energie geladener Batterien seien möglicherweise daraus entstehende Brände schwer zu löschen. "In diesem Jahr haben wir zudem bereits eine Menge Havarien von Öltankern oder Bohrplattformen erlebt, das sorgt für eine zusätzliche Verschmutzung der Meere neben allen Problemen, die wir dort sowieso schon haben", berichtet Santen.

Brandschutzvorschriften werden verschärft

Christian Naegeli, Referent für Schiffssicherheit, Nautik, Technik und Umweltschutz beim Verband Deutscher Reeder (VDR), schätzt die Gefahr ähnlich ein: "Mit Sorge betrachten auch wir die zunehmende Zahl von Bränden auf Frachtern, insbesondere Containerschiffen und Autotransportern – wenn es sich auch immer noch um nur wenige Vorfälle insgesamt gesehen handelt." Der VDR begrüßt es deshalb, dass die International Maritime Organisation (IMO) entsprechende Brandschutzvorschriften weltweit verschärfen will. "So sollen neue Autotransporter unter anderem verpflichtend mit Wärmemeldern und Videoüberwachung auf Fahrzeugdecks ausgestattet werden, bereits fahrende Schiffe entsprechend nachgerüstet werden", sagt Naegeli.

Zudem arbeite die IMO auch an Anpassungen der Transportvorschriften für bestimmte gefährliche Güter. "Ein weiteres Problem ist aber auch die Falschdeklaration gefährlicher Ladung an Bord von Schiffen – hier sind die Verlader aufgefordert, dringend nachzubessern", so Naegli. Der Schiffsversicherer AGCS, eine Tochter der Allianz, listet in einem aktuellen Bericht sogar über 70 Brände auf Frachtern in den vergangenen fünf Jahren auf. Vor allem für Autotransporter seien Brände demnach kritisch, denn die wachsende Zahl von Elektrofahrzeugen, die auf dem Seeweg transportiert werden, erhöhe das Risiko: Lithium-Ionen-Akkus seien hochentzündlich, die vorhandenen Löscheinrichtungen könnten laut AGCS ein schnell loderndes Feuer oftmals kaum eindämmen.

Lamborghini nimmt Produktion noch einmal auf

Weiteres Verbesserungspotenzial sieht hier auch Greenpeace: "Container und ganz besonders Gefahrguttransporte sind leider nicht so gut gesichert, wie es eigentlich möglich wäre. Wir fordern daher, diese mit Boien zu versehen, die im Falle eines Unglücks aufschwimmen und so das Finden eines Containers deutlich erleichtern", sagt Santen. Auch wäre es sinnvoll, wenn es in jedem Staat mit einer Küste zu den Weltmeeren ein eigenes Havariekommando geben würde, um bei Schiffsunglücken möglichst schnell eingreifen zu können.

Für die "Felicity Ace" und ihre Fracht kommen solche Vorschläge zu spät, diese wird wie die meisten auf hoher See gesunkenen Schiffswracks wohl für immer in der Tiefe des Meeres verbleiben. Besonders tragisch hätte das übrigens für die Käufer der 15 Aventador-Modelle aus der limitierten LP-70-A-Ultimae-Serie enden können. Doch hier zeigte sich Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann (57) flexibel, der Luxushersteller nahm die Produktion der eigentlich bereits eingestellten Produktion noch einmal auf. Mit einer Verspätung von mindestens sechs Monaten sollten die Luxuskarossen dann doch noch ihre zahlungskräftigen Käufer in den USA erreichen.

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