Sonntag, 5. April 2020

Auto-Deutschland bleibt gelassen, aber ... Trumps Tirade brandgefährlich für BMW und Daimler

Alles nur derbe Sprüche? Donald Trump

Amerikas künftiger Präsident Donald Trump poltert und droht. Wieder einmal. Doch diesmal nicht gegen China, das die Handelsbilanz arg zum Nachteil der USA ins Minus drückt, sondern gegen Europa. Konkret gegen Deutschland und seine Autobauer. Das zeigt Wirkung: Aktien von BMW Börsen-Chart zeigen , Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen geben am Montag empfindlich nach. Bundesregierung, Politiker und Verbandschefs mahnen bestenfalls oder spielen die Androhung von Strafzöllen für in die USA eingeführte Autos schlicht herunter. Dabei droht gerade BMW und Mercedes-Benz ein Kontrollverlust in einem für sie höchst lukrativen Markt.

Die wenigen offiziellen Kommentare sind von Vorsicht geprägt. Bloß kein Öl ins Feuer, bloß keinen Handelskrieg vom Zaun brechen, lautet offenbar die Devise. Die Bundesregierung etwa will sich vor Trumps Amtseinführung schon gar nicht offiziell dazu äußern. Andere werden deutlicher: "Das würde den WTO-Regeln brachial widersprechen. Dann müssten die USA schon aus der Welthandelsorganisation austreten", sagt ein Experte, der nicht genannt werden will, um dann abwiegelnd nachzuschieben: "Das sind Sprüche und keine Politik."

Nur Sprüche, also?

"Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen", hatte Trump im Interview mit der "Bild" gedroht. Dem Autohersteller BMW, der 2019 in Mexiko ein neues Werk eröffnen will, legt er nahe, die Fabrik lieber in den USA hochzuziehen. Bei Trumps aktuellen Drohungen bleibt allerdings offen, ob er nur Einfuhren aus dem Nachbarland Mexiko oder im Allgemeinen meint. Die meisten deutschen Hersteller bauen bereits Autos in dem US-Nachbarland oder haben bereits sehr konkrete Pläne für den Aufbau eigener Werke.

USA sind seit 2015 Deutschlands wichtigster Handelspartner

So viel ist klar, für Europa und insbesondere die deutschen Autobauer stünde bei einem eskalierenden Handelsstreit mit den USA, wo sich die Beteiligten mit Strafzöllen und anderen Handelshemmnissen überzögen, viel auf dem Spiel. Schließlich sind die USA seit 2015 der wichtigste Handelspartner Deutschlands:

Die USA und Deutschland handelten 2015 Waren im Wert von 173,6 Milliarden Euro. Die USA rangieren damit noch vor Frankreich, Niederlande und China. Dabei hatten sich die deutschen Exporte in die USA in 2015 um fast 20 Milliarden Euro auf 114 Milliarden Euro erhöht. Autos und Autoteile waren mit 34 Milliarden Euro wichtigstes Exportgut, gefolgt von Maschinen (17,7 Milliarden) und Pharmaprodukten (13,4). Umgekehrt importierte Deutschland Waren im Wert von umgerechnet etwa 59,6 Milliarden Euro.

Aus Sicht von Trump klafft im Handel mit Deutschland also eine riesige Lücke, die er am liebsten schließen möchte. Doch mit Strafzöllen?

Die maßgebliche Institution, die auf verhängte Strafzölle für europäische Autos reagieren müsste, wäre neben der WTO die Europäische Kommission. In Brüssel aber will man das Thema nicht hochkochen und schon gar nicht über mögliche Gegenmaßnahmen spekulieren. "Wir haben das Interview von Herrn Trump mit großem Interesse gelesen", sagt ein Sprecher auf Anfrage von manager-magazin.de. Ansonsten schweigt der Mann. Zu einer Einordnung will sich der Sprecher schon gar nicht äußern.

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