Toyota und Suzuki planen Kleinwagen-Allianz Dieser Schulterschluss alarmiert VW

Verstehen sich öffentlich prächtig: Akio Toyoda (l.) und Osamu Suzuki (r.) wollen über Kooperationen sprechen

Verstehen sich öffentlich prächtig: Akio Toyoda (l.) und Osamu Suzuki (r.) wollen über Kooperationen sprechen

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Noch ist nichts fix. Noch betonen beide Seiten, man stehe am Anfang und wolle erstmal über Kooperationsmöglichkeiten sprechen. Doch der gemeinsame Auftritt von Osamu Suzuki und Akio Toyoda ließ an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig: Der Kleinwagenhersteller Suzuki  will eng mit Toyota  kooperieren - und das lieber heute als morgen.

Die Bosse japanischer Autohersteller wählen ihre Worte gerne mit Bedacht. Doch in der Pressekonferenz, die manager-magazin.de mitverfolgte, betonte Toyoda gleich zu Anfang: Toyotas Kleinwagenmarke Daihatsu habe eine "zentrale Rolle" für das Geschäft mit Kompaktwagen in Schwellenländern. Nach fast zwei Jahrzehnten als Mehrheitsaktionär hatte Toyota erst im August Daihatsu komplett übernommen.

manager-magazin.de / Wochit

Auf dieser Basis werde man "Möglichkeiten der Partnerschaft" mit Suzuki diskutieren, erklärte Toyoda. Diesen Satz dürften viele VW-Manager in Wolfsburg mit einem unguten Gefühl zur Kenntnis genommen haben. Denn wenn Suzuki und Toyota eng bei Kleinwagen zusammenarbeiten wollen, kann dies eigentlich nur eines bedeuten: Toyota drängt im großen Stil ins Billigauto-Segment - und hat dafür nun den wohl begehrtesten Partner an der Hand.

Große Autohersteller tun sich schwer mit echten Billigautos

Denn Suzuki ist nicht nur im japanischen Kleinstwagensegment stark - sondern auch in Indien Marktführer. Dort bauen die Japaner gemeinsam mit dem indischen Partner Maruti Kompaktwagen, die neu ab 3500 Euro zu haben sind. Suzuki verdient mit diesen Billigwagen gutes Geld und gilt deshalb in der Branchen als einer der Spezialisten für "Budget Cars". Diese Fahrzeuge, die Millionen Menschen mit schmalem Geldbeutel zu Autokäufern machen sollen, gelten als eines der letzten großen Wachstumssegmente in der globalen Autoindustrie.

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Volkswagen bastelt seit gut einem Jahrzehnt an einem eigenen Billigauto, das nun endlich 2018 auf den Markt kommen soll. Doch richtig billig können die Wolfsburger nicht gut, als Verkaufspreis werden nach wie vor rund 8000 Euro kolportiert. Deshalb setzen die Wolfsburger auf Kooperationspartner, die extrem günstig Autos bauen können. Zuletzt im Gespräch war laut Informationen von manager magazin der indische Autohersteller Tata Motors.

VWs Wunschpartner dafür war aber ursprünglich ein anderer - nämlich Suzuki. Doch in Japan haben sich die Wolfsburger bei dem mittlerweile 86-jährigen Firmenpatriarchen Osamu Suzuki eine blutige Nase geholt. Dabei begann alles so hoffnungsvoll: Im Jahr 2010 kauften sich die Wolfsburger bei Suzuki ein, die Japaner erhielten im Gegenzug einen kleinen Anteil am Volkswagen-Konzern.

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Geplant war, dass Suzuki gemeinsam mit VW ein besonders günstiges Einstiegsmodell für Schwellenländer entwickeln sollte. Suzuki sollte dafür Zugang zu modernen VW-Technologien erhalten und VW-Teile in seinen Autos verwenden.

Doch die Partnerschaft floppte komplett. Osamu Suzuki pochte auf seine Unabhängigkeit, VW warf Suzuki Vertragsbruch vor. Der ziemlich öffentlich ausgetragene Rosenkrieg endete dann vor einem Schiedsgericht. Das verfügte, dass VW seinen knapp 20 Prozent an Suzuki wieder verkaufen musste.

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Ähnliches dürfte dem 86-jährigen Konzernpatriarchen Suzuki wohl nicht noch einmal passieren. Auf der Pressekonferenz mit Toyoda betonte er nochmals, dass Suzuki seine Unabhängigkeit behalten wolle. Doch er gab auch zu, dass seine Firma Probleme habe, bei dem Tempo der Veränderungen in der Autoindustrie mitzuhalten. Toyota-Boss Toyoda ergänzte dann, dass es Grenzen gebe, was ein einzelnes Unternehmen leisten könne.

Suzuki erhält Technologie, Toyota kann in Indien leichter punkten

Für Suzuki steht bei einer Kooperation der Zugang zu Toyota-Technologien offen. Das dürfte sich etwa bei Assistenzsystemen, bei besserer Vernetzung und künftig auch beim autonomen Fahren bezahlt machen. Toyota erhielte Zugang zu Suzukis starkem Netzwerk in Indien.

Die Marke Daihatsu ist in Südostasien, und da vor allem in Malaysia und Indonesien, gut aufgestellt. Toyota versucht schon länger, auf dem indischen Markt richtig Fuß zu fassen. Gegen die Billigheimer von Suzuki kam der weltgrößte Autohersteller in Indien allerdings nie so richtig an.

Das könnte sich bald ändern - und den VW-Strategen in Wolfsburg noch einiges Kopfzerbrechen bereiten. Sie sind wohl nicht die einzigen. Denn gestartet hat den Billigauto-Hype der französische Hersteller Renault, der seine rumänische Marke Dacia höchst erfolgreich zum Billigheimer ummodelte. Derzeit rollt Renault mit seinem Günstig-SUV den indischen Markt auf. Doch mit einer Allianz zwischen Suzuki und Toyota bekämen auch die Franzosen echte Konkurrenz.

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