Freitag, 23. August 2019

Tesla Amerika träumt von einer neuen Industrie-Ikone

Sommer der Rache: Wie Tesla-Chef Elon Musk seine Kritiker vorführt
Tesla

Elektroautobauer Tesla surft auf der Erfolgswelle. Mit dem Model S begeistert Konzernchef Elon Musk Kunden und Investoren: Schon ist Tesla wertvoller als die Chrysler-Mutter Fiat und wird wahlweise als neues Apple oder Ford gehandelt. Doch Musks große Versprechen könnten Tesla noch gefährlich werden.

Hamburg - Eine Meldung des Nachrichtenportals CNN Money hat bei Audi kürzlich mindestens einen Kragen platzen lassen. "Tesla verkauft mehr Autos als Daimler, BMW und Audi", hatte die Website Mitte Mai getitelt und die US-Absatzzahlen in der Oberklasse für das erste Quartal verglichen. Über die sozialen Medien verbreitete sich die Botschaft wie ein Lauffeuer - und provozierte eine eher unglückliche Reaktion der Ingolstädter.

"Nicht so schnell", schnaubten die Audi-Leute via Blogeintrag und wirkten reichlich überrumpelt. Dabei kritisierte Audi nur die Interpretation von CNN. Tesla Börsen-Chart zeigen sei lediglich mit einem einzigen Modell am Markt, der Luxuslimousine Model S. Von der setzte Tesla zuletzt zwar mehr Wagen ab als Audi Börsen-Chart zeigen mit dem A8, Mercedes mit der S-Klasse oder BMW Börsen-Chart zeigen mit dem 7er. Über ihre gesamte Modellpalette verkauften die Deutschen jedoch weiterhin viel mehr Autos in Amerika als die Konkurrenz aus Kalifornien, betonte Audi.

Das ist zwar richtig, doch die Sache ging nach hinten los. Als "beleidigte Leberwurst" musste sich die Volkswagen-Tochter im Netz verulken lassen. Da wurde Audi die Sache offenbar peinlich: Der Blogeintrag verschwand kommentarlos von der Website des Unternehmens.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf den Aufruhr, den Tesla derzeit in den USA erzeugt. Ein paar Hundert Autos mehr als erwartet hat das Unternehmen im ersten Quartal verkauft (4900) und einen Gewinn von ganzen elf Millionen Dollar erzielt. Das genügte, um den Aktienkurs auf Höhenflug zu schicken. Das Unternehmen erreichte zwischenzeitlich eine Marktkapitalisierung von knapp 14 Milliarden Dollar, und auch der aktuelle Wert von gut 11 Milliarden reicht, um Chrysler-Mutter Fiat Börsen-Chart zeigen auf die Plätze zu verweisen.

Wall Street Journal: "Silicon Valley hat neuen Steve Jobs gefunden"

Schon träumt Amerika von einer neuen Industrie-Ikone mit einem Superhelden an der Spitze - Elon Musk. "Das Silicon Valley hat wohl einen neuen Steve Jobs gefunden", urteilte zuletzt das Wall Street Journal, wenn auch mit süffisant-kritischem Unterton. Teslas Elektroautos seien aber durchaus in der Lage, die Automobilwirtschaft nachhaltig durcheinander zu bringen.

So gilt das mit Lob überschüttete Model S vielen Kommentatoren inzwischen als Wegbereiter für ein goldenes Zeitalter der Elektromobilität. Tesla weise manche Parallele zu General Motors im Jahr 1915 auf, schreibt Forbes. Das Unternehmen wirbelte den Markt damals mit dem V8-Motor auf, der Autofahren zu einem rasanten Erlebnis machte. Nun spiele Tesla die sportliche Überlegenheit des Elektroantriebs gegenüber dem Verbrennungsmotor voll aus und zerstöre das Image von spaßbefreiten Ökomobilen.

Tatsächlich weist das Auto mit beeindruckenden Fahreigenschaften auf, wie auch der dreitägige Test des Model S von manager magazin Online gezeigt hat. Der Wagen wartet mit unwirklichem Drehmoment auf und hängt schon mal einen BMW M5 ganz lautlos ab. Und für weniger Geld bekommen Autofahrer bessere Beschleunigungswerte als bei einem Porsche Panamera.

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