Dienstag, 7. April 2020

Den Tanklaster per App bestellen Diese mobilen Tankstellen versetzen die USA in Aufregung

Tanklaster von Booster Fuels: Die Mitarbeiter betanken Kundenautos direkt auf dem Parkplatz
Booster Fuels
Tanklaster von Booster Fuels: Die Mitarbeiter betanken Kundenautos direkt auf dem Parkplatz

Benzingeruch, lange Warteschlangen vor den Zapfsäulen: Es gibt viele Gründe, warum Autofahrer das Tanken lästig finden. Das muss nicht sein, meinen einige Startups in den USA. Sie liefern den Treibstoff direkt in den Tank ihrer Kunden - aus mobilen, kleinen Tanklastern.

Die Startups Filld, WeFuel, Yoshi, Purple und Booster Fuels bieten ein Rundum-Service an, das hierzulande wohl als typisch amerikanisch gilt: Via App können ihre Kunden das Volltanken ihres Autos ordern. Befüllt werden die Fahrzeuge von den Startup-Mitarbeitern, während die Besteller am Arbeitsplatz sitzen, Frühstücken oder vor dem Fernseher lümmeln. Sehr viel bequemer geht Tanken kaum.

Noch sind die Tank-Startups erst in wenigen US-Städten aktiv, doch sie wollen nach dem Vorbild des umstrittenen Fahrdienstes Uber zum "Uber für Treibstoff" werden.

Allerdings bekommen die Tank-Dienste gerade massive Probleme: Feuerwehrleute bezweifeln, ob diese Art des Betankt-Werdens legal ist - und warnen vor den Gefahren, wenn mit hunderten Litern Treibstoff beladene Pickup-Trucks durch die Innenstädte oder gar Parkhäuser kurven. Ob es energietechnisch Sinn macht, einen Tanklaster zu einem kleinen Tank zu fahren statt umgekehrt, bleibt ohnehin dahingestellt.

Die Tank-Startups geben sich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg kämpferisch: So erklärte etwa das Startup Yoshi, das in San Francisco aktiv ist, sich an alle gesetzlichen Regelungen zu halten. Zudem habe man sogar die Größe der Treibstofftanks so gewählt, dass man unterhalb der Grenzwerte des "International Fire Code" bleibe - einem Regelwerk, das von vielen US-Bundesstaaten angewandt wird.

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Der Chef des 18 Monate alte Startup Filld, das im Silicon Valley bereits tausende Kunden hat, erklärte hingegen ziemlich unverblümt: "Man kann da niemals um Erlaubnis fragen, denn keiner wird sie geben".

"Darüber hat zuvor noch niemand wirklich nachgedacht"

Immerhin arbeitet die Feuerwehr von Los Angeles bereits an einem Entwurf, der die neuen Benzinlieferdienste berücksichtigt. Die aktuellen Brandschutzvorschriften erlauben solche Treibstofflieferungen nicht, erklärte einer der Feuerwehrleute, doch man suche da nach einem Weg. "Es ist einfach eines dieser Dinge, über die noch niemand zuvor wirklich nachgedacht hat - so ähnlich wie Uber, das aus dem Nichts auftauchte", erklärte der Sprecher der Feuerwehrleute.

Im Großraum San Francisco hat das Start-Up Booster Fuels die Treibstofflieferungen seit Mitte Februar auf Bitte der lokalen Feuerwehrleute erstmal gestoppt.

Filld hingegen macht trotz ähnlicher Bitten weiter - und gibt sich damit ein wenig wie Uber, das sich auch kaum um Fahrverbote kümmerte. Man bemühe sich darum in jeder Hinsicht sicher zu sein, erklärte der Filld-Chef. Wäre sein Unternehmen illegal, hätte ihm das die Brandschutzbehörden wohl schon vor Monaten mitgeteilt, argumentiert er.

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