Den Tanklaster per App bestellen Diese mobilen Tankstellen versetzen die USA in Aufregung

Tanklaster von Booster Fuels: Die Mitarbeiter betanken Kundenautos direkt auf dem Parkplatz

Tanklaster von Booster Fuels: Die Mitarbeiter betanken Kundenautos direkt auf dem Parkplatz

Foto: Booster Fuels

Benzingeruch, lange Warteschlangen vor den Zapfsäulen: Es gibt viele Gründe, warum Autofahrer das Tanken lästig finden. Das muss nicht sein, meinen einige Startups in den USA. Sie liefern den Treibstoff direkt in den Tank ihrer Kunden - aus mobilen, kleinen Tanklastern.

Die Startups Filld, WeFuel, Yoshi, Purple und Booster Fuels bieten ein Rundum-Service an, das hierzulande wohl als typisch amerikanisch gilt: Via App können ihre Kunden das Volltanken ihres Autos ordern. Befüllt werden die Fahrzeuge von den Startup-Mitarbeitern, während die Besteller am Arbeitsplatz sitzen, Frühstücken oder vor dem Fernseher lümmeln. Sehr viel bequemer geht Tanken kaum.

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Noch sind die Tank-Startups erst in wenigen US-Städten aktiv, doch sie wollen nach dem Vorbild des umstrittenen Fahrdienstes Uber zum "Uber für Treibstoff" werden.

Allerdings bekommen die Tank-Dienste gerade massive Probleme: Feuerwehrleute bezweifeln, ob diese Art des Betankt-Werdens legal ist - und warnen vor den Gefahren, wenn mit hunderten Litern Treibstoff beladene Pickup-Trucks durch die Innenstädte oder gar Parkhäuser kurven. Ob es energietechnisch Sinn macht, einen Tanklaster zu einem kleinen Tank zu fahren statt umgekehrt, bleibt ohnehin dahingestellt.

Die Tank-Startups geben sich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg  kämpferisch: So erklärte etwa das Startup Yoshi, das in San Francisco aktiv ist, sich an alle gesetzlichen Regelungen zu halten. Zudem habe man sogar die Größe der Treibstofftanks so gewählt, dass man unterhalb der Grenzwerte des "International Fire Code" bleibe - einem Regelwerk, das von vielen US-Bundesstaaten angewandt wird.

Der Chef des 18 Monate alte Startup Filld, das im Silicon Valley bereits tausende Kunden hat, erklärte hingegen ziemlich unverblümt: "Man kann da niemals um Erlaubnis fragen, denn keiner wird sie geben".

"Darüber hat zuvor noch niemand wirklich nachgedacht"

Immerhin arbeitet die Feuerwehr von Los Angeles bereits an einem Entwurf, der die neuen Benzinlieferdienste berücksichtigt. Die aktuellen Brandschutzvorschriften erlauben solche Treibstofflieferungen nicht, erklärte einer der Feuerwehrleute, doch man suche da nach einem Weg. "Es ist einfach eines dieser Dinge, über die noch niemand zuvor wirklich nachgedacht hat - so ähnlich wie Uber, das aus dem Nichts auftauchte", erklärte der Sprecher der Feuerwehrleute.

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Im Großraum San Francisco hat das Start-Up Booster Fuels die Treibstofflieferungen seit Mitte Februar auf Bitte der lokalen Feuerwehrleute erstmal gestoppt.

Filld hingegen macht trotz ähnlicher Bitten weiter - und gibt sich damit ein wenig wie Uber, das sich auch kaum um Fahrverbote kümmerte. Man bemühe sich darum in jeder Hinsicht sicher zu sein, erklärte der Filld-Chef. Wäre sein Unternehmen illegal, hätte ihm das die Brandschutzbehörden wohl schon vor Monaten mitgeteilt, argumentiert er.

Noch sind die Geschäftsmodelle chaotisch - aber der mögliche Markt ist riesig

Die Startups nützen für ihre Treibstofflieferungen oft umgebaute Pickup-Trucks, die neben einem hunderte Liter fassenden Pritschentank auch Feuerlöscher und Kreide für das "Löschen" von Benzin-Lachen an Bord haben. Direkt nach dem Tankvorgang erhalten die Kunden eine elektronische Rechnung, die Liter-Messgeräte sind von US-Behörden geeicht.

Zwei der Startups spezialisieren sich auf das Befüllen von Autos auf Firmenparkplätzen, zwei weitere liefern in Wohngebiete - was für die Brandschutzbehörden eine besondere Herausforderung ist: Denn in diesen Gebieten sind üblicherweise keine Tanklaster unterwegs.

US-Tankstellen verdienen jährlich Milliarden

Noch hat sich kein einheitliches Geschäftsmodell entwickelt. Die Purple-Fahrer müssen etwa keine besonderen Qualifikationen vorweisen, bei Filld haben Fahrer ein Zertifikat für den Umgang mit gefährlichen Materialien. Fünf Dollar Zustellgebühr verlangt Filld für seine Dienste, für den Treibstoff verrechnet das Unternehmen die Literpreise der nächstgelegenen, günstigsten Tanke. Einige liefern nur untertags, andere rund um die Uhr.

Doch eines eint alle neuen Benzin-Lieferanten: Sie wollen ein Stück vom Tank-Geschäft abhaben. Und das ist in den USA ziemlich groß: Im Jahr 2014, schreibt Bloomberg, haben die rund 10.000 Tankstellen in den USA Treibstoff für 534 Milliarden Dollar verkauft. Zieht man davon die Kosten der Tankwarte für den Treibstoff ab, bleiben noch immer 66 Milliarden Dollar an Einkünften übrig.

Nach Deutschland ist die mobile Tankwart-Welle bislang nicht übergeschwappt. Hiesige Autofahrer müssen sich weiter in die Schlangen an den Tankstellen einreihen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Jungunternehmer die US-Idee aufgreifen. Ob sich deutsche Behörden aber ebenso entspannt verhalten wie ihre US-Kollegen, ist fraglich.