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Stromtankstelle verzweifelt gesucht: Leiden statt Laden

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Reaktionen auf Testfahrt mit BMW i3 "Die Ladesäule, an der Sie standen, gibt es doch"

Eine manager-magazin-Testfahrt mit dem BMW i3 Ende Februar wurde zur Odyssee: An kaum einer Ladesäule ließ sich das Elektroauto in Hamburg aufladen. Die Redaktion erreichten mehr als hundert Reaktionen - unter anderem versuchten sich die Stromversorger an einer Erklärung des Chaos'.

Hamburg - Ein Wochenende mit dem BMW i3 in Hamburg - diese Testfahrt sollte vor knapp zwei Wochen eigentlich darüber Aufschluss geben, wie cool dieses Auto ist: Fühlt sich der Fahrer als Teil der automobile Avangarde oder wird er belächelt? Um dies zu ergründen, waren zahlreiche Begegnungen mit Menschen in Hamburg und Umgebung geplant, die dazu ihre Meinung abgeben sollten - darunter Redakteur Arvid Kaiser vom manager magazin.

Das Vorhaben scheiterte allerdings daran, dass es extrem schwierig war, in Hamburg eine Ladesäule zu finden, an der sich der Wagen aufladen ließ. Deshalb schrumpfte der Aktionsradius des Autos erheblich. Insbesondere erwies es sich als unmöglich, außerhalb der werktäglichen Geschäftszeiten Hilfe von den Versorgern zu bekommen - an herkömmlichen Tankstellen ein undenkbarer Vorgang. Zudem erwiesen sich manche Säulen als schwer zugänglich.

Aufgrund des Berichts meldeten sich zahlreiche Leser bei manager magazin online - per E-Mail, Twitter oder Facebook. Darunter waren auch die kritisierten Versorger. Knapp 200 Kommentare zählt das Forum von Spiegel Online  zum Thema, wo der Text ebenfalls veröffentlicht wurde. Hier die wichtigsten Reaktionen:

Vattenfall und Hamburg Energie geloben Besserung

Die Odyssee begann mit einem gescheiterten Ladeversuch an einer Vattenfall-Säule: Die Probe-Ladekarte ließ sich am Wochenende nicht freischalten. Ein Vattenfall-Sprecher teilte manager magazin online nun mit, dass das Unternehmen inzwischen alle 600 Probekarten freigeschaltet hat, die in Berlin und Hamburg ausgegeben wurden.

Künftig soll es bei Vattenfall  auch möglich sein, ohne Zugangskarte Strom zu tanken. "Wir entwickeln bereits alternative Zugangslösungen, die spontanen Nutzern jederzeit unkompliziert Zugang zu den Ladestationen ermöglichen, zum Beispiel über ihr Smartphone", so der Sprecher.

Vattenfall verwies zudem auf eine Pressemitteilung des Versorger-Branchenverbandes BDEW vom Tag nach dem manager-magazin-Fahrbericht. Die Mitteilung trägt den Titel: "Fahren von Elektroautos wird noch kundenfreundlicher", angesichts des Testergebnisses und der Reaktionen zahlreicher Elektroauto-Fahrer eine gewagte Formulierung.

Bundesweites Stromtankstellen-Roaming geplant

Der Verband setzt sich laut der Mitteilung dafür ein, dass alle Fahrer von Elektroautos künftig alle Ladesäulen im öffentlichen Raum nutzen können. Dazu vergibt er Identifikationasnummern an Ladesäulenbetreiber. Die Nummern sollen ein bundesweites Stromtankstellen-Roaming ermöglichen. Wie viele Betreiber mitmachen und wann das Ziel erreicht ist, ist aber noch offen.

Der örtliche Versorger Hamburg Energie, der mit Vattenfall kooperiert, bestätigte, dass die spontane Nutzung von Ladesäulen bisher nicht möglich ist. Der Grund für das bürokratische Verfahren, bei dem Kunde bis zu zehn Tage auf seine Ladekarte warten muss, irritiert: Der langwierige Prozess soll einen "diskriminierungsfreien Zugang" zu Ladesäulen ermöglichen, sagte der Hamburger Beauftragte für alternative Antriebe im öffentlichen Raum, Heinrich Klingenberg, gegenüber manager magazin. So sollen auch Autofahrer, die nicht bei Hamburg Energie oder Vattenfall Kunde sind, die Säulen nutzen können - in der Theorie.

Auch Hamburg Energie bemühe sich aber darum, seine Ladesäulen auf einfachere Weise für Spontannutzer freizugeben. Dass ein Auto des Versorgers Hamburg Wasser eine Ladesäule zugeparkt hatte, bedauerte Klingenberg, das sei "Künstlerpech."

RWE: Baustelle setzt Ladesäule außer Gefecht - Eon: "Falle" wird leicht entschärft

Eine Ladesäule des Versorgers RWE  hatte sich im Test als Phantom erwiesen. "Die Ladesäule, an der sie stehen, gibt es gar nicht", sagte ein Mitarbeiter an der Hotline. Zumindest könne er sie in seinem Überwachungssystem nicht erkennen.

Laut RWE war die Säule am Testtag nicht in Betrieb, weil auf dem Gelände Bauarbeiten im Gange waren. Die Anlage steht in einer Garage des ADAC, tatsächlich war Baumaterial neben ihr abgelegt. Einen Hinweis darauf, weshalb sie nicht funktionierte, war jedoch nicht angebracht.

Auf der RWE-Website war die Säule nicht angezeigt, andere Anbieter - in dem Fall "Plug Finder" - wiesen sie jedoch als verfügbar aus. "Bei den unterschiedlichen Drittanbietern, die uns anfragen, können wir die Aktualität der Geodaten leider nicht garantieren", teilte dazu ein RWE-Sprecher mit. Das hinterlässt das ungute Gefühl, dass Ladesäulen immer bei den Apps der jeweiligen Anbieter gesucht werden müssen, und anbieterübergreifende Darstellung wie Plug Finder oder Charge Net und andere nicht immer auf dem neuesten Stand sind.

Bisher nicht geplant, Stufe mit Geländer abzuschirmen

In einem kleinen Unfall hatte der Ladeversuch bei Eon  geendet - beim rückwärts Ausparken rutschte der Wagen über eine Stufe und rasierte die Kante mit dem Unterboden. Ein Eon-Sprecher wies darauf hin, dass die Ladesäule beim Verlassen in einer Schleifenform umfahren werden muss.

Möglicherweise werde ein zusätzlicher Pfeil aufgemalt, der dies verdeutlichen soll. Es ist demnach bisher nicht geplant, die verhängnisvolle Stufe mit einem Geländer abzuschirmen.

Denkbar sei allerdings, dass die Stromtankstelle Kunden künftig auch am Wochenende zur Verfügung steht. "Selbstverständlich arbeiten wir ständig an weiteren Konzepten, um das Laden von Elektrofahrzeugen noch weiter zu verbessern und denken daher darüber nach, auch außerhalb unserer Öffnungszeiten die Nutzung der Ladesäule zu ermöglichen", teilte der Sprecher mit.

Die User von manager magazin online: "Jeder Bettler nimmt Kredikarten"

Direkt nach Erscheinen kommentierten viele Leser den Text - darunter offenbar zahlreiche Fahrer von Elektroautos. "Guter Bericht über das Ladesäulenchaos", twitterte @ZoePionierin. "Leider wahr, wie ich seit 19.000 km mit dem Renault Zoe erlebe", ließ @BuzzingDanZei seine Follower wissen. "Auch wenn ich sagen muss, dass es schon besser geworden ist in den letzten 12 Monaten."

Im Forum von Spiegel Online prasselte Kritik auf die Versorger nieder. "Das Beschriebene ist exemplarisch für die Kompetenz deutscher Manager", ereiferte sich "esabuy". "So kann man seine Kunde echt vergraulen. Schade, das Ganze", befindet "forenfux" und warf die Frage auf, weshalb das Bezahlen mit Kreditkarte nicht möglich ist.

Ähnlich "chwe": "Ladekarte? Wofür braucht man denn sowas? Inzwischen nimmt jeder Bettler in der Innenstadt Kreditkarten." Die Versorger sagten manager magazin dazu, dass es technisch zu aufwendig und zu teuer sei.

Andere Kommentatoren bemängelten aber auch eine mangelnde Vorbereitung des Fahrtests. Auch sei der Unfall bei der Eon-Säule leicht zu vermeiden gewesen. User "bstendig" plädierte dagegen dafür, der Verantwortliche für die Ladestation müsse die Treppenstufe "mit der Nagelfeile abtragen".

Zudem erreichten zahlreiche technische Vorschläge die Redaktion. Mehrfach brachten Leser die Idee auf, Elektroautos an Straßenlaternen zu laden. Von den Versorgern hieß es anschließend dazu, damit seien nur langsame Ladevorgänge zu erzielen.

Angesichts des Lade-Chaos nicht ganz verwunderlich, dass sich die Foristen von Spiegel Online in großen Teilen mit einer Alternative zu Batteriefahrzeugen beschäftigten - dem Wasserstoffauto.

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