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Index Elektromobilität: Deutschland fällt zurück

Foto: Roland Berger, mm.de

Deutschland fällt zurück, NPE-Chef Kagermann warnt 1 Million Elektroautos bis 2020 - ist das nur noch Utopie?

Eine Million sollen es sein. Eine Million Autos auf deutschen Straßen, wiederaufladbar an der Steckdose, gespeist aus Batterie statt Benzintank. Und das schon 2020. So hat es sich die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) 2010 als Ziel gesetzt, so hat es die Autoindustrie der ebenfalls an der NPE beteiligten Bundesregierung versprochen. Doch das Angebot an Elektroautos ist weiter bescheiden, die Nachfrage ebenfalls; und so scheint die Vision in den kommenden fünf Jahren kaum erreichbar.

Wie schwer es wird, belegen die in einer Hochlaufkurve festgelegten Zwischenziele der NPE bis 2020, die manager magazin online vorliegen. Und in die gleiche Richtung deutet auch die neueste Fassung des von manager magazin exklusiv veröffentlichen Index Elektromobilität der Strategieberatung Roland Berger.

GRAFIK Index Elektromobilität / Die verflixte Million

GRAFIK Index Elektromobilität / Die verflixte Million

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Der NPE-Kurve zufolge hätten 2014 bereits rund 50.000 Elektromobile in Deutschland verkauft werden sollen, und schon im laufenden Jahr sollen es sogar 90.000 werden. Tatsächlich neu zugelassen wurden 2014 allerdings gerade 13 000. Der Hochlaufkurve zufolge hätten Ende des vergangenen Jahres etwa 100 000 Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sollen. Die Realität ist ernüchternd: 29.000.

Kagermann warnt vor Scheitern - und fordert Anreize für Elektroautos

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"Das 1-Million-Ziel ist bis 2020 noch zu erreichen", sagte zwar der NPE-Vorsitzende Henning Kagermann manager magazin online. Doch er schickte eine Warnung nach: "Voraussetzung sind allerdings zusätzliche monetäre und nicht-monetäre Anreize". Kagermann fordert unter anderem "private und öffentliche Beschaffungsinitiativen" sowie schnellere Abschreibungsmöglichkeiten für elektrisch angetriebene Firmenwagen.

Außerdem sollten " Investitionspartnerschaften zum Aufbau öffentlich zugänglicher Ladesäulen den Ausbau der Ladeinfrastruktur stärken". Das am 1. Februar in Kraft getretene Gesetz zur Förderung der Elektromobilität betrachtet Kagermann als "wichtigen Schritt", der zügig umgesetzt werden" werden solle. Das Gesetz wird in der Autobranche allgemein als unzureichend angesehen.

Der bislang niedrige Absatz von Elektroautos steht im Widerspruch zur Überzeugung zahlreicher Automanager, die mittelfristig eine gewaltige Elektro-Offensive erwarten und zum Teil auch antreiben. BMW-Aufsichtsratschef Joachim Milberg etwa sagte manager magazin in einem aktuellen Interview, er rechne spätestens 2023 mit 10 Millionen verkauften Elektroautos pro Jahr.

NPE trifft sich im Mai - "entscheidende Phase des Markthochlaufs"

Zur Nationalen Plattform Elektromobilität haben sich 2010 die Bundesregierung, interessierte Unternehmen sowie an dem Thema interessierte Verbände und Gewerkschaften zusammengeschlossen. Die NPE will Ende Mai auf ihrem nächsten großen Treffen über den Stand ihrer Pläne berichten. Die betroffenen Ministerien und auch die Industrie wollten dann jedoch möglichst nicht offen legen, wie schwierig die Lage in Deutschland sei, berichten Teilnehmer der Vorbereitungstreffen.

Schwierig dürfte es dabei indes nicht nur werden, die für 2020 angepeilte eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen tatsächlich zu erreichen. Auch das zweite große NPE-Ziel rückt aktuell gerade weiter in die Ferne. "Der Markt in Deutschland soll internationale Strahlkraft besitzen - durch attraktive Produkte und Dienstleistungen in einem nutzerorientierten System Elektromobilität", haben Regierung, Unternehmen und Verbände vor fünf Jahren formuliert. "Im internationalen Vergleich der Leitmärkte" müsse Deutschland zulegen, kommentiert Kagermann. In diesem Jahr beginne die entscheidende Phase des Markthochlaufs.

Deutschland in keinem der drei Teilbereiche unter den globalen Top Drei

Wie weit diese Vision der internationalen Strahlkraft noch entfernt ist, zeigt der von Roland Berger und der Aachener Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen regelmäßig veröffentlichte Index Elektromobilität. Die manager magazin online exklusiv vorliegende neue Ausgabe der Studie belegt, dass Deutschland im Vergleich zum vergangenen Herbst deutlich zurück gefallen ist.

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Index Elektromobilität: Deutschland fällt zurück

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Die deutsche Wirtschaft liegt demnach beim Thema Elektromobilität in keinem der drei analysierten Teilbereiche Industrie, Technologie und Markt global unter den Top Drei. Dabei hatten die Deutschen bei der Technologie vor einem halben Jahr noch auf Rang eins gelegen. "Der Staat verzichtet auf staatliche Verkaufs- oder Infrastrukturförderung, und mit der Ausweiter der Elektromobilität ins Volumensegment verschlechtert sich das Preis-Leistungsverhältnis der Fahrzeuge", erläutert der auf die Autoindustrie spezialisierte Berger-Partner Wolfgang Bernhart.

Vor diesem Hintergrund dürfe es niemanden wundern, wenn die deutsche Autoindustrie in Sachen Elektromobilität trotz Modellen wie BMW i3 und Elektro-Golf zurückfalle.