Montag, 18. November 2019

Neue Daten zerlegen Mythos vom Auto-Kulturwandel Die Liebe zum eigenen Auto geht in die nächste Generation

Paar beim Autokauf
imago images/Westend61
Paar beim Autokauf

Für Automanager und -verkäufer gibt es eine beruhigende Nachricht in der aktuellen Absatzkrise: Das geht wieder vorbei. Ausgerechnet die Generation der nach 1980 geborenen Millennials eilt zu Hilfe, trotz der weit verbreiteten Annahme, bei den jungen Erwachsenen habe das Auto als Statussymbol ausgedient. "Die Millennials können die Automobilindustrie voranbringen", sagt Andreas Stöcklin, Deutschland-Chef der Beratungsfirma Duff & Phelps.

Bereits mehrere Studien vor allem aus den USA, wie hier vom "Handelsblatt" zusammengefasst, haben es gezeigt: Zwar stimmt es, dass junge Erwachsene heute weniger Autos besitzen, als es einst ihre Elterngeneration tat. Dieser Wandel lässt sich aber vollständig mit Faktoren erklären, die nichts mit einer veränderten Einstellung zu tun haben:

  • junge Erwachsene können sich heute seltener ein eigenes Auto leisten als früher
  • ein geringerer Anteil wohnt auf dem Land, wo man auf das Auto angewiesen ist
  • Familien werden in der Regel später gegründet

Die Abkehr vom Wunsch nach dem eigenen Auto ist also schon als Mythos entlarvt. Duff & Phelps hat dies nun mit neuen Daten untermauert: Gut 2000 Millennials weltweit wurden direkt nach deren Wünschen gefragt - die Antworten belegen eindrucksvoll, dass die neue Welt der Mobilität ziemlich genauso aussehen dürfte wie die alte.

Drei Viertel der Befragten - in Deutschland sogar 81 Prozent - besitzen derzeit ein eigenes Auto. Die überwältigende Mehrheit plant, in den kommenden fünf Jahren ein neues Auto zu kaufen oder zu leasen; darunter auch rund die Hälfte derer, die aktuell ohne Privatauto auskommen. Duff & Phelps leitet daraus ab, in den kommenden Jahren gebe es "Potenzial für einen erheblichen Anstieg der Autoverkäufe". Ähnlich hohe Anteile stimmen der Aussage zu, ein eigenes Auto sei notwendig.

Nur ein knappes Zehntel der europäischen 23- bis 38-Jährigen hat kein Auto und will auch keines kaufen. In dieser Gruppe wiederum herrscht Geldmangel als Motiv vor. Ökologische Bedenken spielen eher eine untergeordnete Rolle.

Teilen statt besitzen? Fahrdienste wie Uber oder Carsharing-Angebote werden kaum als Alternative wahrgenommen. Besonders hoch ist die Ablehnung neben Nordamerika auch in Deutschland: 82 Prozent der Befragten würden das eigene Auto vorziehen, wenn ein Mitfahrdienst verfügbar ist und genauso viel kostet.

Auch Elektroautos müssen, außer in China und einigen wenigen anderen Ländern, die junge Generation erst noch überzeugen. In Deutschland gaben überdurchschnittliche 61 Prozent an, dass mit Benzin oder Diesel angetriebene Fahrzeuge sie am meisten ansprechen.

Da die Minderheit derer, die Elektro- oder Hybridautos attraktiver finden, immerhin deutlich über den bisherigen Marktanteilen liegt, sieht Duff & Phelps auch hier Potenzial. Doch vom grundsätzlichen Interesse für ein Produkt bis zur Kaufentscheidung fehlen noch einige Schritte. Unangefochten das wichtigste Kaufmotiv bleibt der Preis.

In urbanen Zentren könnte die empfundene Wahrheit von der Auto-Abkehr der Millennials eher zutreffen. So waren die Stadtstaaten Hongkong und Singapur die einzigen in der Umfrage, in denen das eigene Auto nicht als Transportmittel erster Wahl genannt wurde: Die dortigen Millennials nutzen eher öffentliche Verkehrsmittel oder gehen zumindest in Singapur auch eher mal zu Fuß. Von den deutschen Teilnehmern der Umfrage gab überraschend aber nur eine Minderheit an, in einer Stadt zu wohnen.

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