Wechsel zu Nikola Ex-Opel-Chef heuert bei Skandal-Start-up an

Nach dem Skandal um Lügen und Investorentäuschung will die US-Firma Nikola nun ihre elektrischen Trucks auf den Markt bringen. Eine entscheidende Rolle soll dabei Michael Lohscheller spielen. Für ihn ist es das nächste Abenteuer.
Neuer Job: Michael Lohscheller soll das globale Geschäft mit den Elektro-Lkw hochfahren

Neuer Job: Michael Lohscheller soll das globale Geschäft mit den Elektro-Lkw hochfahren

Foto: dpa Picture-Alliance / Foto Huebner/ picture alliance / Foto Huebner

Die Karriere des früheren Volkswagen-Managers und Opel-Chefs Michael Lohscheller (53) nimmt erneut eine rasante Wendung. Nach einer Kurzzeit-Station als Chef des vietnamesischen Newcomers VinFast, die kurz nach Weihnachten nach nur drei Monaten abrupt geendet hatte, zieht es den Deutschen zur jungen US-Firma Nikola. Lohscheller heuert als Präsident bei dem Skandal-Start-up an und soll das globale Geschäft mit den Elektro-Lkw hochfahren, teilte Nikola am Dienstag mit. In dieser Position wird er direkt an Konzernchef Mark Russell (58) berichten.

Lohscheller werde das Führungsteam ergänzen und werde sofort entscheidend helfen können, weil die Produktion des neuen Elektrotrucks Tre BEV starte und beim Wasserstoff getriebenen Modell Tre FCEV wichtige Entwicklungsschritte zu gehen seien, so Russell. Lohscheller erklärte, er sei "extrem stolz" nun einem Unternehmen anzugehören, das die globale Transformation vorantreibe. In Wahrheit dürfte seine Aufgabe zu einem guten Teil darin bestehen, dass Nikola überhaupt wieder als Unternehmen ernst genommen wird.

Das 2015 gegründete Start-up zählte mal zu den Jungstars der weltweiten Autoindustrie. Schon der Name ist eine Anspielung auf Nikola Tesla. Gründer Trevor Milton (39) versprach den Investoren höchst erfolgreich, elektrische Lkw zu bauen. 2020 ging das Unternehmen per Spac-Börsengang an die Nasdaq und war dort zwischenzeitlich 35 Milliarden Dollar wert. Dann jedoch erschütterte ein Report des Hedgefonds Hindenburg Research über Lügen und Irreführung die Glaubwürdigkeit des Unternehmens. Statt funktionierender Prototypen hatte Nikola teilweise nur Attrappen vorgeführt. In einem Video präsentierte das Unternehmen einen scheinbar fahrenden Elektro-Truck, der jedoch – wie sich später herausstellte – ohne eigenen Antrieb nur bergabwärts rollte.

Milton musste die Firma verlassen, seinen Posten als Chairman übernahm der frühere GM-Manager Stephen Girsky. Ende 2021 einigte sich Nikola mit der US-Börsenaufsicht SEC auf eine Zahlung von 125 Millionen Dollar. An der Börse ist das Unternehmen inzwischen nur noch rund 3 Milliarden Dollar wert. Noch in dieser Woche wird das Unternehmen seine Jahresergebnisse für 2021 vorlegen.

Lohscheller verfügt über globale Erfahrungen im Autogeschäft, war unter anderem VW-Finanzchef in den USA. Seit 2017 hatte er als Chef den kriselnden Autobauer Opel im neuen Mutterkonzern PSA geführt, der wiederum zu Jahresbeginn 2021 mit Fiat Chrysler im neuen Stellantis-Konzern aufging. Insbesondere Girsky gilt als Lohscheller-Fan. Es sei eine Ehre, ihn nun bei Nikola dabei zu haben.

Nach VinFast ist Nikola nun das nächste Abenteuer für den Deutschen. Sein abruptes Ausscheiden bei dem Unternehmen aus Vietnam hatte er erst jüngst im "Bocholter-Borkener Volksblatt" kommentiert: "Ich würde es mal so formulieren: Da haben einige Sachen nicht so richtig gepasst. Da habe ich mich entschieden, es vorzeitig zu beenden. Und das war, so glaube ich, für alle Beteiligten am besten." Nun also Nikola.

lhy