Dienstag, 25. Februar 2020

EXKLUSIV Daimler-Betriebsratschef warnt vor Batteriekrise Elektromobilität: "Gefährlich abhängig"

Michael Brecht: Betriebsratschef des Autokonzerns Daimler schlägt Alarm.
Bernd Weißbrod / DPA
Michael Brecht: Betriebsratschef des Autokonzerns Daimler schlägt Alarm.

Der Betriebsratschef des Autokonzerns Daimler warnt vor schweren Problemen beim Übergang zur Elektromobilität. Die Industrie mache sich "gefährlich abhängig" von Batteriezellproduzenten in China und Korea, sagte Michael Brecht dem manager magazin in einem Interview. Unternehmen wie CATL und LG Chem bildeten mächtige Oligopole und könnten Verfügbarkeit und Preise der Zellen steuern. "Es wird Engpässe und unerwartete Preisaufschläge geben", prognostizierte der Betriebsratschef.

Die Nachfrage nach Batteriezellen und Elektroautos wird in den kommenden Jahren massiv steigen. Allein der Volkswagen-Konzern will 2025 mindestens 3 Millionen Elektroautos verkaufen. "Die Nachfrage nach Batteriezellen ist deutlich höher als das Angebot", sagte ein Vorstand einer Volkswagen-Marke dem manager magazin, "das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern".

Die Daimler AG plant, bis 2025 ein Viertel der verkauften Autos mit reinem Batterie- oder Plugin-Hybrid-Antrieb zu verkaufen. Der Vorstand erwarte keine Probleme, "die Zellen in der gewünschten Qualität und Menge zu bekommen", erläuterte Betriebsratschef Brecht im mm-Interview. Er warnte, "das ist fast schon naiv". Die Zellhersteller hätten zum Teil gar nicht die nötigen Kapazitäten, um sämtliche Verträge zu erfüllen. Daimler benötige dringend mehr Know-how in der Zellfertigung.

Brecht forderte eine europäische Wirtschaftspolitik zum Thema Batterie. Die EU müsse absichern, dass die asiatischen Oligopole ihre Macht nicht missbrauchten; die Politik müsse den europäischen Unternehmen helfen, die Kontrolle zu behalten. "Zwischen China und Europa muss es faire Regeln für die Batterieproduktion geben", forderte Brecht. Die Zellhersteller müssten auch dazu bewegt werden, Werke in Europa zu bauen, forderte der Betriebsratschef weiter. Jede Gigafabrik bringe "immerhin rund 2000 Arbeitsplätze".

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