Mercedes sieht Batterietechnik skeptisch Daimler nutzt eigene E-Bus-Premiere für Diesel-Werbung

E-Bus Electric Citaro

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Der Autokonzern Daimler (Kurswerte anzeigen) ist der mit der Einführung von Elektrobussen reichlich spät dran. Hellauf begeistert von der Technologie wirkten die Stuttgarter bei der Präsentation ihres ersten serienreifen Exemplars ebenfalls nicht. Vielmehr nutzte das Unternehmen die Premiere, um das Fachpublikum auch von den Vorzügen anderer Antriebe zu überzeugen - zum Beispiel des Diesels.

"Daimler Buses beginnt nun ganz konkret das Zeitalter der Elektro-Mobilität", wies der Chef der Bussparte, Hartmut Schick, Kritik am Zeitplan am Montag in Stuttgart zurück. "Unsere Prioritäten hatten wir ganz klar so gesetzt: Wir bringen unseren Elektro-Bus so zügig wie möglich auf die Straße. Aber wir tun dies nicht überstürzt. Er soll ausgereift sein und leistungsfähig." Ende 2018 solle es mit der Serienproduktion des batterieelektrischen Citaro E-Cell nun losgehen.

Solche lokal emissionsfreien Busse gelten angesichts des Abgasskandals vielen Kommunen als Hoffnungsträger. Während sie wenig Einfluss auf die Sauberkeit von Pkw in den Innenstädten haben, wollen viele Gemeinden mit modernisierten Busflotten die Luftqualität verbessern. Doch anders als in China, wo bereits Hunderttausende Elektrobusse auf den Straßen unterwegs sind , tun sich etablierte Hersteller in Europa schwer, derartige Fahrzeuge herzustellen.

Der Einsatz sei komplexer als beim Stadtbus mit Verbrennungsmotor, sagte Gustav Tuschen, Entwicklungsleiter von Daimlers Bus-Sparte. "Es ist unmöglich, den Verbrennungsmotor von heute auf morgen durch einen vollelektrischen Antrieb zu ersetzen."

Dagegen sprächen derzeit die Kosten und die eingeschränkte Reichweite von E-Bussen, die aufwendige Stromversorgung, aber auch die Werkstattausrüstung, sagte er. "E-Mobilität heißt, den ÖPNV mit Omnibussen völlig neu zu denken."

Verkehrsbetrieben, denen das zu anstrengend ist, zeigte Daimler im Rahmen der E-Bus-Vorstellung denn auch gleich eine mögliche Alternative auf: den Diesel-Bus. "Der Citaro und der Großraumbus CapaCity sowie Citaro hybrid [...] belegen jeden Tag tausendfach im Einsatz den hoch entwickelten Stand von Antrieben mit Verbrennungsmotor", heißt es in der Mitteilung.

Tatsächlich reklamiert Daimler beachtliche Entwicklungsfortschritte beim Diesel. Im Vergleich zu einem Stadtbus der Abgasstufe Euro V seien die Stickoxid-Emissionen beim Diesel-Hybrid "um bis zu 98 Prozent gesunken, die Partikelemissionen gar an der Nachweisgrenze angelangt". Der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid liegt den Angaben zufolge allerdings nur um 20 Prozent niedriger.

Spannung in Hamburg - fliegt Daimler bei der Ausschreibung raus?

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Dass Daimler sich überhaupt und nur leicht widerwillig am Wettlauf um den ersten im großen Stil produzierten Elektrobus für Europa beteiligt, liegt auch an politischen Beschlüssen in vielen Städten. So wollen Hamburg und Berlin schon in wenigen Jahren nur noch emissionsfreie Busse kaufen. Deshalb haben sie im vergangenen Jahr Dutzende Elektrobusse ausgeschrieben .

Berlin ist mit der Resonanz auf die Ausschreibung eher unzufrieden, weshalb eine Delegation nun in China nach Alternativen sucht. In Hamburg scheint es besser zu laufen - Ende März will die Hochbahn nach eigenen Angaben verkünden, wer den Zuschlag für 60 Fahrzeuge bekommt.

Dass Daimler sich qualifiziert, scheint nach der heutigen Präsentation kein Selbstläufer zu sein. Die Hamburger Hochbahn fordert eine Mindestreichweite der Busse von 150 Kilometern mit einer Akku-Ladung. Der Batterie-Mercedes kann diese laut Daimler aber nur im Sommer erreichen, da der Energieverbrauch im Winter durchs Heizen kräftig ansteige.

Abhilfe könne eine mit "Kraftstoff", also womöglich Diesel, betriebene Zusatzheizung schaffen, so Daimler. Ein Hochbahn-Sprecher wollte gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren, ob Daimler angesichts derartiger Einschränkungen noch im Rennen ist.

Ganz im Sinne vieler Verkehrsbetriebe will Daimler hingegen Kommunen bei der Entwicklung von Fahrplänen, Taktzeiten und Einsatzplänen, beim Energiemanagement und der Ladeinfrastruktur beraten. "Wenn ein Verkehrsbetrieb seine Flotte vollständig elektrifizieren möchte, ist das ein komplizierter Eingriff in alle Betriebsabläufe und dauert mehrere Jahre", sagte Schick.

Für die weiteren Aussichten seines neuen E-Busses gab er sich zurückhaltend. Nach dem Serienstart werde man sehen, wie sich die Nachfrage beim vollelektrischen Citaro entwickelt, so Schick: "Abhängig davon fahren wir dann die Produktion hoch."

mit dpa