Dienstag, 31. März 2020

Zulassungsrekord trotz Kritik und Klimadebatte SUV und Geländewagen knacken Millionenmarke

Stärker und immer protziger: Mercedes-SUV mit V8-Turbo und 4,0-Liter-Maschine

Klimaschützern sind die spritschluckenden SUV schon lange ein Dorn im Auge. Doch erfreuen sich die oftmals breiten und schweren Karossen größter Beliebtheit, wächst diese Fahrzeugart in Deutschland so rasant wie keine andere. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) führt die sportlichen Geländelimousinen sogar als eigene Fahrzeugklasse.

Im laufenden Jahr bis einschließlich November haben die Sport Utility Vehicle bei den Neuzulassungen erstmals die Millionenmarke geknackt. Laut KBA-Statistik wurden 1,03 Millionen SUV zugelassen - ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie aus der Statistik hervorgeht. SUV und reine Geländewage machen mittlerweile fast ein Drittel (31 Prozent) der Neuzulassungen aus.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer überrascht die Entwicklung nicht. Bereits im Sommer hatte er das Überschreiten der Millionenmarke für dieses Jahr vorausgesagt und rechnet nun damit, dass bis zum Jahr 2025 mehr als die Hälfte der neu zugelassen Autos auf Deutschlands Straßen SUV sein werden - aller Kritik von Umweltaktivisten zum Trotz, prognostiziert der Chef des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen.

Die Deutschen scheinen offenbar ein gespaltenes Verhältnis zu den sportlichen Geländelimousinen zu haben. Mal eben die Kinder mit dem SUV zur Fridays-for-Future-Demo fahren? Das ließ sich durchaus beobachten in der Vergangenheit.

Keine andere Autoklasse polarisiere die Bürger so sehr wie die teils bulligen PS-Protze, erzeugten die Gefährte gar "Hass und Begeisterung" in der Bevölkerung, glaubt der Experte. Verbote für SUV in Städten seien immer noch nicht vom Tisch. Das Marken-Image sei gefährdet, glaubt Dudenhöffer.

Auch wenn die SUV im Schnitt gar nicht so viel mehr Sprit als andere Wagenklassen verbrauchten, bricht der Experte mit einem bemerkenswerten Vorschlag ein Tabu: "In Deutschland könnte es Sinn machen, diese Modelle nicht anzubieten. Es wäre eine Möglichkeit, um mehr Glaubwürdigkeit in der Klimadebatte zu erzielen", wie er zuletzt in einer Studie schrieb. Schließlich würden in Deutschland vor allem die Diesel-Varianten der SUV verkauft.

Davon profitierten auch die Autobauer, glaubt Dudenhöffer. Da in den USA der Diesel in dieser Klasse so gut wie nicht existiere, würde ein Verzicht auf Dieselmotoren insbesondere bei den "Monster"-SUV Entwicklungskosten einsparen.

Hersteller verstärken den Trend zu immer größeren Wagen

Doch verdienen die Autobauer offenbar zu gut mit den Kraftprotzen. Zugleich sind es die Hersteller selbst, die den Trend zu größeren und damit einem tendenziell steigenden Spritzverbrauch der neuen SUV verstärken.

2010 existierten in Deutschland gerade mal zehn SUV-Modelle mit einer Länge von 4,90 Meter. Das entsprach lediglich 2,3 Prozent aller im Markt angebotenen SUV. Im laufenden Jahr kann der Kunde zwischen mehr als 20 Modellen dieser "Monster"-SUV wählen. Das Angebot dieser immens langen und ebenso deutlich breiteren Sport Utility Vehicle hat sich damit mehr als verdoppelt binnen 10 Jahren. In der Summe aber blieben die wirklich großen SUV für den deutschen Markt gleichwohl eine Nische. Das gelte auch aus wirtschaftlicher Sicht für die Hersteller, glaubt Dudenhöffer.

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