Schulung statt Stellenabbau Mercedes-Benz stellt Werk in Berlin auf Elektromotoren um

Die Zukunft des Mercedes-Benz-Werks in Berlin ist gesichert. Die Daimler-Tochter will an ihrem ältesten Standort künftig Elektromotoren für AMG-Modelle bauen.
Vom Bandarbeiter zum Software-Kodierer: Die Berliner Mercedes-Benz-Mitarbeiter sollen umgeschult werden

Vom Bandarbeiter zum Software-Kodierer: Die Berliner Mercedes-Benz-Mitarbeiter sollen umgeschult werden

Foto: Franka Bruns/ AP

Mit der Produktion des ersten eigenen Elektromotors will Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz die Zukunft ihres Berliner Motorenwerks absichern. Das älteste Produktionswerk der Marke mit dem Stern soll künftig Hochleistungs-Elektromotoren für AMG-Modelle bauen, teilte der Autobauer am Donnerstag mit.

Entwickelt werden die Motoren von dem britischen Start-up Yasa, das Daimler übernehmen will. Elektromotoren für die anderen E-Autos der Marke EQ bauen Zulieferer. Außerdem entsteht in Berlin ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung. Die Produktion der eigenen Dieselmotoren in Marienfelde läuft zugleich aus.

"Wir bieten damit wegweisende Perspektiven für den Traditionsstandort und unterstreichen seine Rolle in unserem globalen Produktionsnetzwerk", erklärte Mercedes-Produktionschef Jörg Burzer (51). Insgesamt investiere das Unternehmen in den nächsten sechs Jahren einen niedrigen dreistelligem Millionenbetrag in das Werk im Ortsteil Marienfelde.

Mitarbeiter sollen umgeschult werden

Noch vor einem Jahr hatten Betriebsräte und die IG Metall befürchtet, dass die Hälfte der damals rund 2500 Stellen in Berlin wegfallen könnte. Im März kündigte Daimler dann an, den Standort in Marienfelde zusammen mit Siemens zu einem digitalen Campus umzubauen, an dem Software für die globale Produktion entwickelt werden soll.

Wie viele der zurzeit noch 2300 Arbeitsplätze auf Dauer erhalten bleiben und wann die E-Motorenproduktion startet, ließ Burzer offen. "Wir wollen die Menschen, die hier arbeiten, weiterqualifizieren", betonte der Produktionschef. Der Standort Berlin sei ein Symbol für die Transformation, so Burzer weiter. Bandarbeiter werden zu Software-Kodierern umgeschult, die mit Produktionsdaten Algorithmen für eine vorausschauende Wartung entwickeln sollen. Mit dieser Fertigkeit werde Marienfelde zum digitalen Entwicklungs- und Trainingszentrum für das gesamte Produktionsnetzwerk.

Die Gewerkschaft zeigte sich erfreut: Aus der Ankündigung von 2020, nicht weiter in den Standort zu investieren, sei ein positives Beispiel für einen zukunftsweisenden Umbau geworden.

mg/Reuters, dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.