Studie EQXX Dieser E-Mercedes soll 1000 Kilometer schaffen

Die mangelnde Ladeinfrastruktur gilt als zentrales Problem der Elektromobilität, viele Autokäufer sorgen sich, ob sie es stets bis zur nächsten Ladesäule schaffen werden. Mercedes-Benz antwortet auf diese Bedenken mit der Fahrzeugstudie EQXX.
Mehr als 1000 Kilometer mit einer Akkuladung: Die Mercedes-Studie EQXX

Mehr als 1000 Kilometer mit einer Akkuladung: Die Mercedes-Studie EQXX

Foto: dpa

In einer Zeit, in der die Auflademöglichkeiten für Elektroautos im öffentlichen Verkehrsnetz noch immer zu wünschen übrig lassen, ist die Reichweite der Fahrzeuge ein wichtiges Verkaufsargument, mit der die Hersteller punkten können. Denn die einfache Frage, die sich viele Käufer stellen, lautet: Welches Fahrzeug kommt mit einer Akkuladung am weitesten?

Mercedes-Benz will diesbezüglich neue Maßstäbe setzen. Im Rahmen der Technik-Show CES in Las Vegas stellten die Stuttgarter - Omikron-bedingt online - ihre Vision von einem künftigen Elektroauto vor: die Studie EQXX. Dank besonders hoher Energieeffizienz soll der Antrieb des Fahrzeugs im normalen Straßenverkehr mit einer einzigen Batterieladung für mehr als 1000 Kilometer reichen, sagte Daimler-Vorstand Markus Schäfer (56). Das Fahrzeug zeige, "wie wir uns die Zukunft des Elektroautos vorstellen", so Daimler-Vorstandschef Ola Källenius (52). Es sei der "effizienteste Mercedes-Benz aller Zeiten".

Daimler wollte die Limousine eigentlich auf der am Mittwoch beginnenden Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas auf die Bühne stellen. Doch wie andere große Aussteller sagten die Stuttgarter wegen der verschärften Lage in der Corona-Pandemie die Messeteilnahme kurzfristig ab.

Zukunftsvision: An der Entwicklung des EQXX waren auch Mercedes-Spezialisten aus Formel 1 und Formel E beteiligt

Zukunftsvision: An der Entwicklung des EQXX waren auch Mercedes-Spezialisten aus Formel 1 und Formel E beteiligt

Foto: dpa

Eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometern wäre bislang beinahe beispiellos. Mercedes selbst brachte im vergangenen Jahr den Elektrowagen EQS auf den Markt, der auf eine Reichweite von mehr als 650 Kilometern mit einer Akkuladung kommen soll. Auch Autos von Tesla und anderen Herstellern schaffen es bislang nicht weiter als einige Hundert Kilometer bis zum nächsten Stromanschluss. Tesla begrub letztes Jahr den Langstreckenplan für das Model S Plaid. Im vergangenen Jahr kündigte allerdings der chinesische Autobauer Ghuangzhou Automobile Group an, sein neues Modell Aion LX Plus könne mehr als 1000 Kilometer mit einer Akkuladung fahren, berichtet die "Financial Times" . Der chinesische Konkurrent Nio hat sich für seinen ET7 zudem ebenfalls diese Reichweite vorgenommen.

"Wir heben Effizienz auf ein neues Niveau"

Der Schlüssel zu Mercedes' Vorstoß in neue Sphären liegt in der erhöhten Effizienz, die nach Angaben des Herstellers beim EQXX gelungen ist. Nach dem derzeitigen Stand der elektrischen Antriebstechnik ist eine hohe Reichweite bei E-Autos nur mit großen, schweren Batterien zu realisieren. Die tonnenschweren E-Autos verbrauchen dadurch viel Strom, was Klimaschützer kritisieren. Mercedes verspricht dafür eine Lösung. Das Fahrzeug setze Maßstäbe für Energieeffizienz durch verbesserte Batterietechnik, den Einsatz von Leichtbaumaterial, Reifen mit geringem Rollwiderstand sowie dank der aerodynamischen Form des Wagens. Das werde etwa durch Siliziumkarbid in der Batteriechemie und Temperaturmanagement im Antrieb erreicht.

"Wir heben die Effizienz auf ein völlig neues Niveau", zitiert DER SPIEGEL Verantwortliche des Konzerns. Ihre einfache Rechnung: Über 1000 Kilometer mit 100 kWh Batteriekapazität – das ergibt einen Durchschnittsverbrauch von 10 kWh, etwa halb so viel wie beim EQS. "Damit bauen wir das elektrische Äquivalent zum Ein-Liter-Auto", so die Mercedes-Manager. Aktuelle E-Autos brauchen mehr Strom, wie aus einer Auswertung des ADAC  hervorgeht. Der Kleinstwagen E-Up von Volkswagen etwa kommt offiziell auf einen Verbrauch von 12,7 kWh.

Die Batterie des EQXX sei 50 Prozent kleiner und 30 Prozent leichter als jene des EQS und würde in einen Kleinwagen passen, heißt es vom Hersteller. Bei der Entwicklung des Fahrzeugs wurde auch mit den Mercedes-Spezialisten aus der Formel 1 und der Formel E zusammengearbeitet.

Auf der Hardware-Seite hat Mercedes indes wie auch andere Hersteller weiterhin Beschaffungsprobleme. Der Mangel an Halbleitern wird nach Einschätzung von Vorstand Schäfer auch im ersten Halbjahr 2022 andauern. "Das wird uns weiter begleiten." In der zweiten Jahreshälfte könnte sich die Lage jedoch möglicherweise etwas entspannen. Der Mangel an Halbleitern und anderen Elektronikbauteilen ist ein Problem für die gesamte Automobilbranche und führte bereits bei mehreren Herstellern zu Produktionseinschränkungen.

Weniger Umweltfolgen und Abfall: Bei der Innenraumgestaltung des EQXX experimentiert Mercedes mit wiederverwerteten Kunststoffen und nachhaltigen, veganen Materialien

Weniger Umweltfolgen und Abfall: Bei der Innenraumgestaltung des EQXX experimentiert Mercedes mit wiederverwerteten Kunststoffen und nachhaltigen, veganen Materialien

Foto: dpa

Die Marke mit dem Stern setzt zudem nicht nur beim Antrieb auf Nachhaltigkeit. Auch die Innenausstattung soll die Umwelt künftig weniger belasten. Bei der Innenraumgestaltung experimentiert Mercedes mit wiederverwerteten Kunststoffen und nachhaltigen, veganen Materialien. Bezugsstoffe aus Kakteen, Pilzen oder Bambus ersetzen Leder aus Tierhaut oder Teppich aus Kunstfasern. Das Infotainment-System soll dank Künstlicher Intelligenz Befehlen des Menschen am Steuer noch besser Folge leisten.

Die neue Antriebstechnik des EQXX wird in der Praxis zunächst noch nicht zum Einsatz kommen. Darauf müssen Kunden noch zwei oder drei Jahre warten. Nach Angaben von Mercedes-Vorstand Schäfer soll das Auto aber bereits in wenigen Monaten auf der Straße erprobt werden: "Wir werden die 1000 Kilometer jetzt zeigen", sagte der Manager mit Blick auf die angekündigte Reichweite.

cr/dpa-afx, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.