Klasse statt Masse Mercedes-Benz-Chef Källenius streicht drei Kompaktwagen

Viele Menschen werden immer reicher – für Mercedes-Benz Grund genug, künftig noch stärker auf das Luxussegment zu setzen. Konzernchef Ola Källenius nimmt drei Kompaktwagenmodelle aus dem Programm und erhöht das Renditeziel.
Mehr Millionäre, mehr Luxus: Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius passt das Produktportfolio an

Mehr Millionäre, mehr Luxus: Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius passt das Produktportfolio an

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Der Automobilhersteller Mercedes-Benz setzt auf Luxus und will künftig mehr Spitzenmodelle wie S-Klasse, Maybach oder AMG verkaufen. "Das Unternehmen wird sich noch stärker auf das Luxussegment konzentrieren, das Produktportfolio weiter aufwerten, den Weg in die vollelektrische Zukunft beschleunigen und strebt eine strukturell höhere Profitabilität an", erklärte der Dax-Konzern am Donnerstag.

Als größter Luxusautohersteller mit jährlich zuletzt gut 300.000 Fahrzeugen in diesem Segment wolle die Marke mit dem Stern die "begehrenswertesten Autos der Welt" bauen, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius (52). Ihr Absatzanteil soll von 11 Prozent 2019 auf gut 17 Prozent im Jahr 2026 steigen, kündigte er bei einer Veranstaltung mit rund 100 Analysten, Influencern und Kunden in Monaco an.

Der Markt für teure, schicke Luxuskarossen wird nach Einschätzung von Mercedes-Benz in den kommenden Jahren überproportional wachsen – nicht nur in China, auch in Europa und den USA. Die Zahl der Dollar-Millionäre wird nach Schätzung von Credit Suisse bis 2025 auf 84 Millionen Menschen steigen. Die Schwaben fächern deshalb das Angebot im obersten ihrer drei Segmente mit Autos, die ab 100.000 Euro aufwärts kosten, auf.

Mehr als bisher sollen noch teurere Sondereditionen für Sammler in kleiner Stückzahl im Manufakturbetrieb gebaut werden. "Viele Kunden sind bereit, für diesen Luxus einen Aufpreis zu bezahlen", sagte Entwicklungschef Markus Schäfer (57).

Nur noch vier Modelle im Kompaktwagensegment

Das Eingangssegment der Kompaktwagen hingegen dampft Mercedes-Benz ein von sieben auf vier Modelle. Es heißt künftig "Entry Luxury". Was von A-, B- oder C-Klasse im Elektroautozeitalter ganz wegfällt, blieb offen. Der günstigste Mercedes soll künftig aber mehr Komfort bieten, erklärte Schäfer. "Wir gehen nach oben, was den Inhalt und die Technologie angeht. Wir werden diese Fahrzeuge massiv anreichern." Die Kosten will Schäfer trotzdem im Zaum halten. Digitalisierung soll die Entwicklung beschleunigen und die Produktion vereinfachen.

Bisher seien die Kompaktwagen zum Einhalten sinkender CO2-Emissionsgrenzwerte gebraucht worden, sagte Källenius. Mit dem nun noch weiter beschleunigten Umschwung zu Elektroautos gelte diese Gleichung nicht mehr. Die Marke mit dem Stern will 2025 bis zu 50 Prozent des Absatzes mit teil- und vollelektrischen Pkw bestreiten und bis 2030 bei entsprechender Nachfrage zu 100 Prozent auf emissionsfreie E-Autos umstellen.

Die seit dem vergangenen Jahr erzielte deutlich zweistellige Rendite soll zum Dauerzustand werden, selbst unter ungünstigen Marktbedingungen. Bis Mitte des Jahrzehnts werde bei günstigem Umfeld eine Umsatzrendite von rund 14 Prozent angestrebt, unter normalen Marktbedingungen etwa 12 Prozent, im ungünstigen Fall 10 Prozent und bei miserabler Lage 8 Prozent. Bislang trauten sich die Schwaben zweistellige Renditen nach der im Oktober 2020 präsentierten Wetterkartensystematik nur bei Sonnenschein zu.

Ein ehrgeiziges Renditeziel in Porsche-Regionen

Vor der Sondersituation der Corona-Pandemie, die zu Chipmangel, knappem Neuwagenangebot und Preissteigerungen führte, waren 10 Prozent operative Rendite für die Stuttgarter ein selten erreichter Rekordwert. Mit dem neuen Ziel arbeitet sich Mercedes-Benz in eine Region vor, die unter den deutschen Autobauern bisher der Sportwagenschmiede Porsche vorbehalten war. Im vergangenen Jahr erzielte die Pkw-Sparte eine operative Rendite von 12,4 Prozent, die im ersten Quartal mit 16,5 Prozent noch übertroffen wurde.

Der Chipmangel werde vorbeigehen, Mercedes-Benz aber Källenius zufolge an der "Preisdisziplin" festhalten, also die üblichen Rabatte im Wettbewerb nicht wieder erhöhen. Schließlich konkurriere Mercedes nicht mit Volumenherstellern und strebe nach Werthaltigkeit statt hohen Verkaufszahlen, bekräftigte er. Letztlich zielt die Luxusstrategie darauf ab, den Aktienkurs nachhaltig in die Höhe zu treiben. Die Titel  gaben jedoch trotz der neuen Renditeziele deutlich nach.

hr/Reuters