Strategische Partnerschaft Mercedes-Benz und Rivian kooperieren bei E-Transportern

Gemeinsam mit dem US-Elektroautospezialisten Rivian möchte Mercedes-Benz künftig neue Elektro-Transporter entwickeln. Für die Produktion soll ein bereits bestehender Standort in Europa genutzt werden.
Sieht Kostenvorteile: Mathias Geisen, Leiter von Mercedes-Benz Vans

Sieht Kostenvorteile: Mathias Geisen, Leiter von Mercedes-Benz Vans

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Mercedes-Benz will mit dem amerikanischen Elektroautobauer Rivian bei der Produktion elektrischer Transporter kooperieren. Beide Unternehmen hätten eine entsprechende Absichtserklärung für eine strategische Partnerschaft unterzeichnet, teilte Mercedes-Benz am Donnerstag mit. Man wolle ein Gemeinschaftsunternehmen für die Produktion gründen, in eine gemeinsame Fabrik in Europa investieren und diese dann zusammen betreiben.

Transporter beider Unternehmen sollen dort "bereits in wenigen Jahren" produziert werden. Für die Fabrik, die ausschließlich für rein elektrische Transporter vorgesehen ist, solle ein bereits bestehender Standort von Mercedes-Benz in Mittel-/Osteuropa genutzt werden. Dieser böte "signifikante Kostenvorteile", sagte Mathias Geisen (43), Leiter von Mercedes-Benz Vans. Zum geplanten Zeitrahmen, dem genauen Standort und der Summe der Investitionen äußerte sich Geisen auf Nachfrage nicht im Detail.

Derzeit fertige Mercedes als einziger deutscher Hersteller alle Transporter im Heimatland, während die Konkurrenz von billigeren Standorten in Osteuropa profitiere, erklärte Geisen. "Wir wollen auch weiter in Deutschland fertigen, aber das ist nur wirtschaftlich darstellbar in Kombination mit einem Standort mit niedrigeren Kosten", betonte Geisen.

An den beiden bestehenden deutschen Werken in Düsseldorf und Ludwigsfelde will Mercedes-Benz Vans festhalten. Sie seien wegen der langsameren Umstellung auf E-Autos bei Vans und Transportern auf Sicht von zehn Jahren noch gut ausgelastet. Verbrennermodelle wären bei den scharf rechnenden gewerblichen Kunden vermutlich noch über 2030 hinaus gefragt, der Sprinter werde entsprechend lange gebaut. Personalabbau sei nicht geplant. "Wir reden nicht von einer Verlagerung der Produktionskapazität", sagte Geisen.

Rivian mit Problemen in den USA

Im Werk Düsseldorf seien zusätzliche Investitionen von 400 Millionen Euro geplant für Fahrzeuge auf der künftigen Elektroplattform VAN.EA. Für Ludwigsfelde müssten neue Aufgaben gefunden werden, weil dort keine E-Fahrzeuge nach dem noch unbestimmten Ende der Produktion des E-Sprinters geplant sind. Betriebsratschef Ergun Lümali sagte, die Arbeitnehmervertreter wollten bei den anstehenden Verhandlungen Perspektiven für die Beschäftigten sichern.

Kooperationspartner Rivian, an dem Amazon beteiligt ist, hatte zuletzt wegen gestörter Lieferketten und steigender Materialkosten mit dem Produktionshochlauf in den USA zu kämpfen. In den USA ist neben dem ersten Werk in Normal/Illinois eine zweite Fabrik für 2025 geplant, denn allein Großaktionär Amazon hat bei Rivian 100.000 Lieferwagen bestellt. Bis zum nächsten Jahrzehnt soll der Absatz des noch Verluste schreibenden Neulings auf über eine Million Elektrofahrzeuge im Jahr wachsen, sagte Rivian-Chef Robert "RJ" Scaringe (39) kürzlich im Reuters-Interview. In Europa produziert Rivian bislang noch nicht.

Die Aktien von Rivian stiegen nach der Bekanntgabe der geplanten Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz an der Wall Street um 8,6 Prozent. Durch die Kooperation sinke der Kapitalbedarf von Rivian und außerdem beschleunige der US-Elektrofahrzeugbauer damit den Eintritt in den attraktiven europäischen Endmarkt, schrieb der Analyst Joseph Spak von der kanadischen Bank RBC in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Außerdem werde damit das Hochfahren der Produktion erleichtert.

hr/dpa-afx, Reuters
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