Standorte-Vereinbarung Mercedes-Benz rüstet Werke für Elektromobilität

Der Schwenk bei Mercedes zu Luxusautos hat Spekulationen ausgelöst. Fallen kleinere Autos künftig ganz weg? Nun sichert eine Vereinbarung deutsche Standorte ab. Alle Fragen sind damit jedoch nicht beantwortet.
Mercedes-Werk Rastatt: Das Werk soll Zentrum für Kompaktfahrzeuge bleiben, künftig aber mit vier statt bisher sieben Karosserievarianten auskommen

Mercedes-Werk Rastatt: Das Werk soll Zentrum für Kompaktfahrzeuge bleiben, künftig aber mit vier statt bisher sieben Karosserievarianten auskommen

Foto: Daimler

Mercedes-Benz stellt in seinen Montagewerken die Weichen für den Umschwung zu Elektroautos bis zum Ende des Jahrzehnts. Entsprechend der Luxusstrategie werden die drei deutschen Fabriken und das ungarische Werk auf die drei Modellklassen "Entry", "Core" und "Top End" ausgerichtet, teilte der Stuttgarter Autobauer am Mittwoch mit. Ab 2025 soll Sindelfingen, die Heimat der Luxuslimousine S-Klasse und des elektrischen Pendants EQS, Leitwerk für elektrische Spitzenmodelle sein.

Die Werke Bremen und Kecskemét in Ungarn stellten die Mittelklasse-Modelle her, in Rastatt und Kecskemét werden ab 2024 die kleineren Fahrzeuge gefertigt. "Wir sind bereit für die schnelle Skalierung der elektrischen Fahrzeugvolumina", erklärte Produktionschef Jörg Burzer. In allen Werken sollen nach wie vor elektrische und konventionelle Fahrzeuge auf flexiblen Linien hergestellt werden. Eigene Elektroauto-Werke seien nicht geplant. Wahrscheinlich dürften aber um das Jahr 2025 herum in den ersten Werken fast ausschließlich Elektroautos gebaut werden, sagte Burzer.

Die Fahrzeugwerke Bremen, Rastatt und Sindelfingen im Großraum Stuttgart seien damit bis ins nächste Jahrzehnt ausgelastet, sagte Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali. Der Arbeitnehmertreter bezeichnete die Vereinbarung als "Durchbruch".

Das Werk im badischen Rastatt mit rund 6500 Beschäftigten bleibe ein Zentrum für Kompaktfahrzeuge, teilte der Hersteller weiter mit. Bisher laufen dort unter anderem die A- und B-Klasse vom Band. Wie manager magazin kürzlich berichtete, will Konzernchef Ola Källenius (53) Mercedes zur Luxusmarke machen  und auf schwere Limousinen setzen, die mehr Gewinn abwerfen. Deshalb hatten Spekulationen über ein Auslaufen der beiden Baureihen auch bei Arbeitnehmern Befürchtungen ausgelöst.

Zukunft der A- und B-Klasse unklar

Die Fabriken in Rastatt und im ungarischen Kecskemét werden nun vom übernächsten Jahr an Modelle auf Basis einer neuen Elektroplattform bauen. Es wird bei kleineren Autos aber nur noch vier statt bisher sieben Karosserievarianten geben. Zur Zukunft der A- und B-Klasse äußerte sich Mercedes-Vorstand Jörg Burzer nicht explizit. Es sei zu früh, sich auf einzelne Modelle festzulegen. "Wir gehen davon aus, dass wir Rastatt voll auslasten", versicherte er.

Zusammen wurden im vergangenen Jahr rund 323 000 A- und B-Klasse-Autos gebaut. Nach Informationen von manager magazin soll mittelfristig das Einstiegssegment aus der C-Klasse bestehen und nicht mehr aus den kompakten A- und B-Klasse-Modellen.

Sindelfingen bleibt Kompetenzzentrum für Topfahrzeuge

Insgesamt investiert Mercedes bis 2026 über zwei Milliarden Euro in europäische Fabriken. Sindelfingen, wo die Luxuslimousine S-Klasse gebaut wird, bleibt das Kompetenzzentrum für Topfahrzeuge. Dort arbeiten rund 35.000 Menschen.

In Bremen, wo rund 12.500 Beschäftige arbeiten und unter anderem die C-Klasse vom Band läuft, soll es von Mitte des Jahrzehnts an ein Modell auf der Basis einer neuen Plattform geben. Bis 2030 ist Mercedes nach eigenen Angaben bereit, überall dort vollelektrisch zu werden, "wo es die Marktbedingungen zulassen".

Mercedes setzt auch auf ein eigenes Netzwerk für Batterien. Es gibt unter anderem Fabriken im sächsischen Kamenz, in Stuttgart-Untertürkheim und an internationalen Standorten.

Ungeachtet eingeschränkter Gaslieferungen nach Deutschland leidet der Mercedes-Benz nicht unter Engpässen. "Die Gasversorgung ist momentan gesichert bei Mercedes-Benz", sagte Burzer. Der Hersteller habe bereits im vergangenen Jahr einen Vertrag zum Bezug von Grünstrom abgeschlossen, sagte Burzer. Grünstrom stammt aus Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Energien herstellen.

Der Autobauer habe in Europa bereits alle Blockheizkraftwerke abgestellt. Mercedes setze zurzeit im bestimmten Umfang auch auf Öl und andere fossile Energieträger. Der Hersteller wolle die Bundesregierung bei ihren Maßnahmen unterstützen, sagte Burzer.

Angesichts der deutlich verringerten Gaslieferungen aus Russland hatte Berlin vor rund einer Woche die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Der Notfallplan hat drei Stufen: Die jetzt ausgerufene Alarmstufe ist die zweite. Die dritte wäre die Notfallstufe.

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