Montag, 22. April 2019

Trotz Diskussionen um Fahrverbote Daimler plant noch Jahre mit dem Diesel

Mit einem V6-Diesel geplant: Daimlers X-Klasse-Konzept

Daimler Entwicklungsvorstand Ola Källenius sieht trotz Diskussionen über Fahrverbote noch eine lange Zukunft für den Diesel. "Wir investieren weiter in unsere Verbrennungsmotoren, sowohl Otto als auch Diesel", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Stuttgarter Autokonzern ist dabei, eine neue Motorengeneration auf den Markt zu bringen. "Aus heutiger Sicht gibt es keinen Grund zu sagen, es wird keine Nachfolgegeneration für diese Dieselfamilie geben."

Volvo -Chef Hakan Samuelsson hatte zuvor angekündigt, nach der aktuellen Generation aus der Dieselentwicklung auszusteigen.

Daimlers Strategie ist eine andere: Bis 2025 soll der Anteil rein batterieelektrischer Autos am Daimler -Absatz zwar auf 15 bis 25 Prozent steigen. "Wir sprechen von mehreren hunderttausend verkauften Elektroautos im Kalenderjahr 2025 für Mercedes", sagte Källenius. Zuletzt verkaufte Daimler aber mehr als zwei Millionen Autos pro Jahr. "Das heißt automatisch, dass 75 bis 85 Prozent einen Verbrennungsmotor an Bord haben werden - natürlich auch mit Elektro kombiniert."

Ausgerechnet Stuttgart diskutiert

Ausgerechnet an Daimlers Konzernsitz in Stuttgart wird derzeit aber über Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge diskutiert, um die Luft zu verbessern. Zu Gesprächen zwischen Herstellern und dem Landesverkehrsministerium, wie man ältere Diesel nachrüsten könnte und welche Folgen das für den Verbrauch hat, hielt sich Källenius bedeckt. "Wenn man eine Software-Lösung findet, wäre das sowohl technisch als auch kostenseitig ein realistischer Lösungsansatz", sagte er. "Wer die Kosten dafür tragen soll, darüber wird in diesem Kreis diskutiert. Dem möchte ich nicht vorgreifen."

Laut einem Test des ADAC, über den die "Welt am Sonntag" berichtete, führten sowohl neue Software als auch zusätzliche Hardware zu einem höheren Spritverbrauch.

Neuere Diesel, für die Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) einem Bericht des "Spiegel" zufolge nun über eine Kaufprämie nachdenkt, sind von dem drohenden Verbot in Stuttgart nicht betroffen. Daimler hat gerade erst drei Milliarden Euro in die Entwicklung einer neuen Motorenfamilie gesteckt. Der erste Dieselmotor dieser Generation befindet sich seit vergangenem Jahr in der E-Klasse auf der Straße. Selbst die ansonsten gegenüber den Stuttgartern sehr kritische Deutsche Umwelthilfe (DUH) erklärte, dass der Motor Grenzwerte im realen Fahrbetrieb einhält.

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